"Wehleidigkeit bringt doch nichts"
"Ein starkes Team"-Star Jaecki Schwarz spricht über seine Schicksalsschläge: "Wehleidigkeit bringt nichts"
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von teleschauImmer für eine skurrile Geschäftsidee zu haben: Jaecki Schwarz (links) in seiner Rolle als Sputnik in "Ein starkes Team". Daneben Florian Martens und Stefanie Stappenbeck als Ermittler Otto Garber und Linett Wachow.
Bild: ZDF / Katrin Knoke
Starker Typ in "Ein starkes Team": Am 26. Februar wurde Jaecki Schwarz 80 Jahre alt. Dabei hat er schon einiges wegstecken müssen: Kreislaufkollaps, Lungenentzündung, Augeninfarkt. Doch der Berliner Schauspieler ist immer wieder aufgestanden.
"Ich konnte nicht atmen, war unfähig, mich zu bewegen." So schilderte Jaecki Schwarz bei einer Lesung im Jahr 2012 den Moment, als er einen Kreislaufkollaps erlitt. Am 9. November 1989. Dem Tag des Mauerfalls. Ausgerechnet. Die Vorgeschichte skizzierte der Schauspieler 2009 in einem Gespräch mit dem Format "Planet Interview": Er habe sich "nach einer Vorstellung von Michail Schatrows 'Blaue Pferde auf rotem Gras' im Berliner Ensemble hinter der Bühne ziemlich betrunken". Schwarz wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Vom großen Wendepunkt der deutsch-deutschen Geschichte erfuhr er in dieser Nacht nichts mehr.
Diese Geschichte ist wohl der schwerste gesundheitliche Rückschlag im Leben der DEFA-Legende, aber nicht der einzige. Der in Köpenick in Ost-Berlin geborene Darsteller hatte bereits vor dem Mauerfall in rund 120 Film- und Fernsehproduktionen der DDR mitgewirkt. Außerdem hatte bis zu dem Tag seines Kreislaufkollapses ein massives Alkoholproblem.
Aufhören mit dem Trinken? "Ich war zu schwach"
"Ich hatte keine Probleme, ich habe nichts weggetrunken, mir hat das einfach geschmeckt und ich habe auch gern getrunken." Das schrieb Jaecki Schwarz 2009 in dem Buch "Niemals vergessen, wo ich herkomme - Lebenswege berühmter und weniger berühmter Alkoholiker". Weniger trinken? Gar aufhören? "Ich war zu schwach", gesteht er rückblickend. Selbst die Erkenntnis, Alkoholiker zu sein, half nicht. Er trank eher noch mehr. Am Rande von Vorstellungen, mittags, irgendwann schon morgens.
Heute geht der Schauspieler ganz offen mit dem Thema um und nennt sich nach wie vor "trockener Alkoholiker" - Schwarz hat seit der Nacht seines Kollapses keinen Tropfen mehr getrunken. "Das Suchtverhalten ist ja geblieben - das ist ja nicht einfach weg", betonte er 2025 im "OK"-Magazin.
So ist seine Karriere seit der Wiedervereinigung nicht von Hochprozentigem getrübt. 17 Jahre lang wirkte der frühere DEFA-Star als Hauptkommissar Herbert Schmücke im MDR-Krimi "Polizeiruf 110". Und seit 1994 erheitert Jaecki Schwarz die Fans von "Ein starkes Team" mit seinen skurrilen Auftritten als "Sputnik". Diese beiden Rollen haben den 80-Jährigen auch im Westen zum Publikumsliebling gemacht. Am 6. Juni ist Sputnik wieder zu sehen: In der Episode "Im Namen des Volkes" aus dem Jahr 2023 begibt er sich in die Welt der Herrendüfte.
Die nächsten Einschläge für Jaecki Schwarz: Lungenkrankheit, Augeninfarkt
Doch auch nach dem Mauerfall erlebte Jaecki Schwarz so manche gesundheitliche Herausforderung. Im Jahr 2009 bekam der Schauspieler eine Lungenentzündung. Eine weitere Untersuchung ergab: Er leidet an der Lungenkrankheit COPD, einer chronischen Lungenerkrankung. "Ich hab damals sofort mit dem Rauchen aufgehört und benutze jeden Tag einen Pulverinhalator", erzählte er 2020 in einem Interview mit der "Superillu".
Doch damit nicht genug: Drei Jahre später erlitt Schwarz einen Infarkt im rechten Auge. Dieser traf ihn "wie ein Blitz", erklärte er ein Jahr später in der "B.Z.". Als Auslöser gilt ein Blutgerinnsel im Sehnerv. Die Folge: "Ich kann kaum noch etwas erkennen." Zehn Prozent Sehkraft sind ihm rechts noch geblieben.
Damals besonders bitter für Jaecki Schwarz: "Ich kann und darf leider nicht mehr Autofahren und musste mich gerade schweren Herzens von meinem kleinen Twingo trennen, habe ihn verkauft." An Bus und Bahn hat er sich indes längst gewöhnt. Allerdings passiere ihm dabei hin und wieder ein Missgeschick: "Durch meinen eingeschränkten Sehwinkel passiert es, dass ich Leute neben mir viel zu spät wahrnehme und sie dann deshalb anremple."
Sieh Jaecki Schwarz in seinem Kinodebüt im Stream auf Joyn: Er war damals 22 Jahre alt
Jammern? Nicht mit Jaecki Schwarz
Doch es gelang Jaecki Schwarz bisher immer, die Situation anzunehmen und das Beste daraus zu machen. "Wehleidigkeit bringt doch nichts! Da greift sicher meine Rationalität", sagte er 2020 in der "Superillu". Ansonsten, wie bereits erwähnt: kein Alkohol und keine Zigaretten mehr, gesundere Lebensweise.
Auch seinen weiteren Weg hat der Schauspieler inzwischen längst organisiert. "Meine Beerdigung habe ich bereits vorbereitet", verriet Schwarz im November dem Magazin "OK". Auch finanziell sei per Testament alles geklärt. Dasselbe gelte für seine Patientenverfügung. "Ich habe geregelt, wer da die Verantwortung übernimmt, sodass mir nicht irgendeiner vorgesetzt wird, wenn man nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Das ist alles in Sack und Tüten." Um dann noch hinzuzufügen: "Ich lebe, was will ich mehr?"
"Ein starkes Team - Im Namen des Volkes" wird am Samstag, dem 6. Juni um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Zeitgleich ist die Episode im kostenlosen Livestream auf Joyn verfügbar. Rund um die Uhr ist kannst du auch das Kinodebüt des Darstellers abrufen: "Ich war neunzehn", ein Kriegsfilm aus dem Jahr 1968.
In diesem Film auf Joyn ist Jaecki Schwarz in prominenter Nebenrolle zu sehen
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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