Sci-Fi-Sitcom mit vielen Leben
Immer wieder neu! Wie "Futurama" dreimal seiner Absetzung entging
Veröffentlicht:
von Martin HaldenmairWas für eine verrückte Zukunft - und das seit 1999: Die Serie "Futurama"
Bild: Futurama © 2023 20th Television
Einfach nicht totzukriegen, die Mutanten von Neu New York: Die Serie "Futurama" geht in den USA in die 14. Staffel - oder in die 11., je nach Zählung. Und auch im deutschen Fernsehen hat sie sich festgesaugt wie eine Gehirnschnecke. Ein Überblick über die vielen Enden und Neuanfänge:
Die Zukunft wartet
Streame hier Folgen von "Futurama"
Pizzabote Fry wird durch Zufall an Silvester 2000 eingefroren und wacht im Jahr 3000 wieder auf. Als Mitglied des Planet Express Lieferservice erlebt er nun etliche Abenteuer.
Leben und sterben auf Fox
"Die Simpsons" - nur im Weltall, irgend so etwas in der Richtung hatten viele von Matt Groening, dem Erfinder gelben Chaos-Familie erwartet, als er "Futurama" ankündigte. Der Sender 20th Century Fox offenbar auch, denn so ganz glücklich waren die Produzenten wohl nie so ganz mit der spacigen Sitcom, die ab 1999 einen ganz eigenen Mix an fiesen Gags, extra-nerdigen Anspielungen und erstaunlich liebevollen Momenten auf die Bildschirme brachte.
So schob Fox den Sendeplatz immer wieder herum und veränderte die Reihenfolge der Episoden. 2003, nach 72 Folgen und vier Staffeln war Schluss. Oder eigentlich nach fünf Staffeln, denn Fox hatte ein paar Folgen der erst später als eigene Staffel ausgestrahlt. Nebeneffekt: In Futurama gibt es zwei - oder mehr - Universen und in unserer Welt zwei - oder mehr - Arten, die Staffeln zu zählen, die durch weitere Ausstrahlungs-Eskapaden noch weiter zerfaserte. In den USA startet darum am 3. August die 14. Staffel, die zugleich die 11. ist - und in Deutschland wohl die 13. sein wird.
Eins aber ist unbestreitbar: Futurama endete das erste Mal 2013 mit "Die Hände es Teufels" und ironischerweise mit dem Satz "Ich möchte das Ende noch hören".
"Futurama", Montag bis Freitag 19:20 Uhr auf ProSieben MAXX
Neue Welten: Wiedergeburt als DVD-Filmreihe
Den asozialen Roboter Bender, den hoffnungslos naiven Fry und den seltsamen Dr. Zoidberg mochten zwar die Senderchefs nicht, dafür aber die Fans. Auf DVD in in Wiederholungen auf Adult Swim wurde die Serie doch noch ein Erfolg. So kam es zu einem Deal mit einem neuen Sender: Drei Jahre nach dem Ende produzierte Matt Groening für Comedy Central vier Filme, die zunächst auf DVD erschienen.
"Bender’s Big Score" (2007), "Die Ära des Tentakels" (2008), "Benders Spiel" (2008) sowie "Leela und die Enzyklopoden" (2009) waren durchgehende Geschichten von jeweils knapp 90 Minuten Länge. Ein paar Monate später zeigte Comedy Central sie in je vier Episoden zersägt im Fernsehen. Je zwei Filme bildeten bei Comedy Central eine Staffel - in Deutschland liefen sie als eine Staffel.
Der letzte dieser Film, der ja auch das - zweite - Ende der Serie hätte sein können, hatte noch ein paar Eastereggs versteckt, zum Beispiel eine Szene, in der wirklich alle Figuren, die je für "Futurama" erfunden worden waren, zu sehen waren. Und am Gebäude des Planet Express hing ein Banner mit dem Spruch "Going out of business forever! Again!" ("Geschäftsaufgabe für immer! Schon wieder!").
Rücksturz ins Fernsehen
Ausnahmsweise ging es nahtlos weiter - auch wenn es wohl hinter den Kulissen wieder etwas rumpelte: Comedy Central bestellte nun 26 Einzelepisoden, die ab 2009 liefen. Für alle Fälle schrieben die Autor:innen eine Folge, die als Finale dienen konnte, nämlich "Übertaktlos" ("Overclockwise"), in der die Frage, ob Fry und Leela jemals zusammenkommen werden, sehr geschickt nicht gelöst wurde.
Ohne Not, wie sich herausstellte, denn der Sender bestellte noch mal 26 Folgen. Wieder schrieben die Autor:innen ein mögliches Finale: In "Zehn Sekunden" ("Meanwhile") werden Fry und Leela in einer wegen eines kaputten Zeitknopfs eingefrorenen Welt gemeinsam alt. Und diesmal, 2013, sah es nicht nur zehn Sekunden, sondern zehn Jahre lang so aus, als wäre dies das allerendgültigste Ende.
Die finale (?) Rückkehr
"Keine Sorge, es endet nicht", hatte Matt Groening noch 2013 auf der ComicCon den Fans versprochen. Er sollte Recht behalten, nachdem die Serie unzählige Male auf unterschiedlichen Sendern wiederholt worden war - in Deutschland blieb sie immer auf ProSieben und ProSiebenMAXX.
Der Streamingservice Hulu bestellte 20 wirklich neue Folgen im Jahr 2022 und noch mal 20 im folgenden Jahr. So kehrte "Futurama" 2023 mit "Bingen bis zum Tod" ("The Impossible Stream") zurück. Fry findet dort ein neues Lebensziel: Alle Fernsehserien, die es jemals gab, zu schauen!
Von den 40 bestellten Folgen sind so in drei Staffeln 30 schon durch die Streams gewandert. Ab 3. August starten die nächsten - und vielleicht letzten - zehn. Und danach? Auf der ComicCon 2026 gab Hulu bekannt, drei Specials in "XXXL"-Größe geordert zu haben. Das erste soll ein weihnachtliches Thema haben und 2027 zu sehen sein. Kommt dann doch mal der Robo-Teufel, um die Serie abzuholen? Oder findet sie wieder ein neues Leben? Nun, wie Fry so schön am Ende von "Bingen in den Tod" sagt:
"Jede Fernsehserie, der ihr Publikum wirklich am Herzen liegt und die es liebt und respektiert, sollte - nein muss! - alle paar Jahre abgesetzt werden." In diesem Sinne: Wir freuen uns auf die nächste Absetzung - und Wiederkehr!
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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