Vaterliebe

Für seine kranke Tochter: Darum kehrte "Bares für Rares"-Händler Friedrich Häusser nach Deutschland zurück

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von teleschau

Seit mehr als 40 Jahren im Antiquitätengeschäft, seit 2015 "Bares für Rares"-Händler: Friedrich Häusser.

Bild: ZDF


Er ist gelernter Einzelhandelskaufmann, half mit, die CD in Deutschland zu etablieren und lebt seit Jahren im nördlichen Harzvorland. Seine Leidenschaft für schöne alte Dinge entdeckte Friedrich Häusser schon als Kind. So tickt der "Bares für Rares"-Händler.

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"So etwas kann man nicht studieren. Ich habe einfach den Blick dafür und kann in zehn Sekunden beurteilen, ob es sich um etwas Wertvolles handelt." So beschreibt Friedrich Häusser selbst sein Auge für Antiquitäten. Der 73-Jährige ist der Senior unter den Händler:innen bei "Bares für Rares" und mischt seit 2015 am Pult der ZDF-Sendung mit.


1952 in Eningen unter Achalm (einem Dorf bei Reutlingen) geboren, schlug Häusser zunächst eine andere Karriere ein. Mittelschule, dann eine Ausbildung zum Verkäufer und schließlich zum Einzelhandelskaufmann. "Ich war eigentlich mein ganzes Leben im Verkauf und Vertrieb", erklärte er kürzlich im "Wernigerode-Podcast". Ein gewisser "Karriere-Druck" habe ihn anschließend zu einem großen Schallplatten-Konzern nach Hamburg geführt, wie er weiter verrät.

Auch in der Hansestadt war der Verkauf sein großes Thema. Er habe zwar auch mal ins Produktmanagement reingeschnuppert, aber: "Der Vertrieb war meine Welt."

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Bis 1983 war der "Bares für Rares"-Händler in Sachen CD unterwegs

Ab 1975 wirkte Friedrich Häusser in der Tonträger-Branche. Ironie des Schicksals: Der spätere Experte für traditionelle Manufaktur vertrieb ein gänzlich neues Produkt: "Da war der spannende Wechsel zur Compact Disc. Ich hab also die CD in Deutschland mit eingeführt", erinnert er sich.

Das Geschäft boomte. "Wir haben in ganz Deutschland Einrichtungen für die Compact Discs gemacht." Die Stores hätten damals "vor einem großen Problem gestanden: 'Wo bringe ich die CD in meinem Geschäft unter?' Wir haben die Einrichtungen geliefert."

Dennoch spürte er in dem Konzern, dass er der "Typ für Eigenständigkeit" sei. Es war Zeit, sich dem zu widmen, für das er brennt.

Friedrich Häussers großes Aha-Erlebnis als Zwölfjähriger

Häusser wuchs "in relativ einfachen Verhältnissen auf", wie er heute sagt. Seine Eltern mussten sich etwas dazuverdienen, etwa durch eine Hausmeistertätigkeit bei einer großen Wirtschafts-Treuhandfirma. Im Prunkbau des Unternehmens lebte auch eine alte Dame, die eines Tages verstorben sei. Zurück blieben ein paar Kartons, in denen es merkwürdig glitzerte. "Das kann weg", sagt sein Vater. Doch die Neugier des damals zwölfjährigen Friedrich Häussers siegte: Er schaute hinein.

"Ich entdeckte vier, fünf, sechs wunderschöne WMF-Jugendstil-Teile", erinnert sich Häusser im Podcast. Er dachte nur: "Das kann man doch nicht wegwerfen." Er habe auf den ersten Blick gesehen, dass es sich um wertvolle Gegenstände handelte - dieser Moment habe ihn sein "Leben lang begleitet". Ab diesem Zeitpunkt habe er immer auf alte, schöne Dinge geachtet. "Ich hatte auch die Begabung, das zu erkennen." Er sieht sich selbst nicht als gelernter Kunsthistoriker, sondern als Autodidakt.


Seit 1983 ist der "Bares für Rares"-Händler im Antiquitätengeschäft

Nach acht Jahren in der Schallplattenbranche schloss sich der Kreis: Friedrich Häusser machte sich als Antiquitätenhändler selbstständig. Nachdem er in Hamburg sein erstes Geschäft eröffnet hatte, zog es ihn und seine Frau nach Dänemark. Auch in der historischen Stadt Ribe ließ ihn seine Leidenschaft nicht los. Während das Paar zwei Kinder bekam, arbeitete Häusser als Antiquitätenhändler. Immer auf dem Programm: Flohmarktbesuche. "Dort habe ich zum Beispiel ein Kapitänsgemälde für damals umgerechnet 40 Mark gekauft. Es hatte jedoch einen Wert von 5.000 Mark", erklärte der Kunstexperte später.

Doch nach 16 Jahren in der skandinavischen Kleinstadt zog es die Familie zurück nach Deutschland. Hintergrund: Seine Tochter Sofie war mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen. "Wir haben leider zu spät erkannt, dass ihr Hauptproblem das Sprechen ist", verrät Häusser im "Wernigerode-Podcast". In Kita und Schule Dänisch, zu Hause Deutsch - das überforderte das Kind.

So suchte das Ehepaar von Ribe aus in Deutschland eine Schule mit Inklusion-Unterricht, "sodass wir beide Kinder in einer Schule unterbringen können". Die Familie Häusser zog nach Eilenstedt ins nördliche Harzvorland. Der Händler hat seit 2014 ein Antiquitätengeschäft in Quedlinburg und seit Kurzem auch eines in Wernigerode. Seine rechte Hand: Sohn Henrik.

Friedrich Häusser bei der Trödelshow: "So ein bisschen reingeschliddert"

Der Kontakt zu "Bares für Rares" entstand über Ludwig Hofmaier, der damals noch in der Show dabei war. Als alter Händler in Deutschland kenne man die meisten Kollegen, so Häusser. Nach einem Casting in seinem Geschäft wurde er Monate später gefragt, ob er Interesse habe. "Und so kam ich da irgendwie rein."

Was Friedrich Häusser besonders freut, ist die Wertschätzung für Antiquitäten, die die Show vermittele. Besonders unter jungen Zuschauer:innen. Bei denen nehme er grundsätzlich ein Desinteresse an alten, schönen Dingen wahr. Junge Menschen würden keinen großen Unterschied zwischen einem Pappbecher und einer Tasse aus Meißener Porzellan machen - "das tut weh". Seit seinem Einstieg in die Show seien wieder jüngere Leute in seinem Geschäft. "Egal, ob die sich das leisten können oder nicht - ich freue mich wahnsinnig, dass da wieder ein Interesse da ist."

"Bares für Rares" mit Moderator Horst Lichter läuft montags bis freitags im Nachmittagsprogramm des ZDF. Täglich um 15:05 Uhr werden neue Folgen ausgestrahlt, die dann zeitgleich im kostenlosen Livestream auf Joyn zur Verfügung stehen.


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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