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ARD-Doku über die Hintergründe

Das Ende der Demokratie in nur 54 Tagen: Die wahre Geschichte hinter dem Finale von "Babylon Berlin"

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von teleschau

In der abschließenden Staffel von "Babylon Berlin" kämpfen Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und Gereon Rath (Volker Bruch) noch einmal Seite an Seite.

Bild: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto Film/WDR/SWR/HR/Radio Bremen/Beta Film/BDA Creative


Die letzten acht Folgen von "Babylon Berlin" erstrecken sich über ein paar Stunden. Wie nun eine Doku über die historischen Hintergründe des Serien-Finales zeigt, ging es 1933 in der Realität ebenfalls schnell: Innerhalb weniger Wochen lag die Demokratie in Trümmern.

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Ein letztes Mal geht es für Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und Gereon Rath (Volker Bruch) um Liebe und Leben. Das Epos gilt als mutmaßlich erfolgreichste und teuerste deutsche Serienproduktion - es wird von Gesamtkosten von 200 Millionen Euro für die fünf Staffeln gemunkelt. In acht dramatischen Folgen schraubt es sich nun seinem wortwörtlich flammenden Höhepunkt entgegen. Denn am Ende brennt der Berliner Reichstag. Nur wenige Jahre später steht die Welt in Flammen.

Das ist kein Spoiler, denn die Hintergründe der historischen Krimiserie "Babylon Berlin" sind real. Viele Figuren, die vorkommen, sind echten Zeitgenossin:en nachempfunden. Die Dokumentation "ARD History: Babylon Berlin - Die Doku" erläutert nun die wahren Hintergründe. Sie ist am Montag, 21. September, um 22:50 Uhr im Ersten und über den ARD-Livestream kostenlos auf Joyn zu sehen.

Tauche in die historischen Hintergründe von "Babylon Berlin" ein - im ARD-Livestream auf Joyn


Die Idee, die Berliner Geschichte von 1929 bis 1933 in den letzten Jahren der Weimarer Republik zum Krimi zu verweben, hatte Schriftsteller Volker Kutscher. Seine Romane dienten als Vorlage von "Babylon Berlin". Die fünfte Staffel der Serie orientiert sich am Roman "Märzgefallene", der 2014 erschien.

Roman und filmische Umsetzung behandeln wenige Wochen im Jahr 1933, die sich als schicksalshaft für Deutschland erwiesen. Am 30. Januar wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Knapp einen Monat später, in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar, brannte der Reichstag. Hiermit endet die finale, fünfte Staffel von "Babylon Berlin".

Nach Ende der letzten "Babylon Berlin"-Staffel: Wie ging es weiter?

Nach dem Brand des Reichstags erließ von Hindenburg noch am 28. Februar die sogenannte "Reichstagsbrandverordnung zum Schutz von Volk und Staat". Dadurch wurden wesentliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt. Am 5. März fanden Wahlen zum Reichstag statt. Die  NSDAP verfehlte dabei die absolute Mehrheit, konnte ihre Machtposition gemeinsam mit der kleinen nationalkonservativen Partei DNVP aber weiter festigen. Am 23. März schließlich stimmte der Reichstag für das von der Regierung vorgeschlagene "Ermächtigungsgesetz" - und entmachtete sich damit selbst.

Innerhalb von nur 54 Tagen ging die Weimarer Republik und mit ihr die erste deutsche Demokratie zugrunde. Hitlers NSDAP aber hatte die Machtergreifung erfolgreich abgeschlossen. Die ARD-Doku von Christian Jakob schildert die dramatischen sieben Wochen anhand von sieben Einzelschicksalen. Charlotte Ritter und Gereon Rath kommen nicht vor, denn sie sind rein fiktive Figuren. Sie erleben ihre Abenteuer allerdings inmitten eines Szenarios, das leider allzu real war. Der Nationalsozialismus keimte seit Jahren. In der Doku werden sieben Menschen beleuchtet, die entweder gegen den Nationalsozialismus kämpften, ihn förderten oder ihm ratlos, naiv oder ignorant gegenüberstanden.

Diese Personen stehen im Fokus der ARD-Doku:

  • Carl von Ossietzky

  • Joseph Goebbels

  • Theodor Heuss

  • Gabriele Tergit

  • Magnus von Levetzow

  • Ernst Thälmann

  • Hjalmar Schacht

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"Babylon Berlin" spielt in der Weimarer Republik: Tauche ein in die spannende Epoche

Von Ossietzky und Goebbels: Sie sind Teil der ARD-Doku zu "Babylon Berlin"

Carl von Ossietzky

Der Demokrat war Pazifist und verachtete Hitler als "Jammerlappen". Als Herausgeber der NSDAP-kritischen Zeitschrift "Die Weltbühne" war er den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Am 28. Februar 1933 wurde er verhaftet und später in die Konzentrationslager Sonnenburg und Esterwegen gebracht. Dort wurde er schwer misshandelt und erkrankte an Tuberkulose. Ihm wurde der Friedensnobelpreis für 1935 zugesprochen, aber er hielt ihn nie in Händen. Nach seiner Haftentlassung kurz vor den Olympischen Spielen 1936 lag er - unter ständiger Bewachung durch die Gestapo - im Krankenhaus, wo er 1938 starb.

Joseph Goebbels

Der gescheiterte Schriftsteller und Journalist wurde Hitlers Propaganda-Mann. Historikerin Claudia Gatzka verweist in der Doku auf erschreckende Parallelen: Extremen Parteien nutzen neue Medien - einst den Rundfunk und bewegte Filmbilder, heute soziale Medien wie Instagram und TikTok. Gatzka: "Die politische Lüge, bewusste Falschaussagen, gehören zu rechtsextremer Politik - damals wie heute." Nachdem Hitler zum Kanzler ernannt worden war, feierte Goebbels: "Nun ist es leicht, den Kampf zu führen. Wir werden ein Meisterstück der Agitation liefern."

Theodor Heuss

Das Gründungsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) stand Hitler und den Nationalsozialisten kritisch gegenüber. Er machte sich Sorgen, war aber auch neugierig: "Was wird sich ändern?", fragte er. Im Reichstag stimmte er trotz allem für das Ermächtigungsgesetz. Später räumte er das als Fehler ein: "Ich wusste schon damals, dass ich dieses Jahr niemals aus meiner Lebensgeschichte auslöschen kann."

Heuss stand, so muss man es sehen, für die vielen Menschen, die sich den kommenden Schrecken schlicht nicht vorstellen konnten. Der Journalist Uwe Wittstock sagt in der Doku: "Man hatte damals keine Erfahrung damit, wie Demokratien in Diktaturen übergehen können." Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Heuss zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Gabriele Tergit

Die jüdische Demokratin und Reporterin hatte mit dem einsetzenden Terror von rechts beruflich und privat zu tun. Anfangs wollte sie in Berlin bleiben. Aber Goebbels hatte längst ein Auge auf "diese fiese Jüdin" geworfen, wie er sie einmal nannte. Am Morgen des 4. März 1933, an ihrem 39. Geburtstag, versuchte die SS, sie in ihrer Wohnung festzunehmen. Doch ihr gelang die Flucht aus Deutschland. Später ging sie nach London, wo sie 1982 starb.

Magnus von Levetzow

Der Ex-Admiral war glühender Anhänger und zuletzt sogar Vertrauter von Kaiser Wilhelm II. Er trat der NSDAP aus Frust über den Niedergang des Kaiserreichs bei und wurde von Hitler kurz nach der Machtergreifung Ende Januar 1933 als Polizeipräsident von Berlin eingesetzt. Hier trieb er die Gleichschaltung im Sinne der Nationalsozialisten voran. 1935 wurde von Levetzow seines Postens enthoben - er hatte einige Aktionen der brutalen SA (Sturmabteilung) kritisiert.

Ernst Thälmann

Der Chef der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) scheiterte bei zwei Reichstagswahlen mit der Kandidatur als Reichspräsident. Nach den Ereignissen des "Blutmais 1929", die auch Thema in der ersten "Babylon Berlin"-Staffel sind, rieb sich die KPD im unversöhnlichen Kampf mit der SPD auf. Von dieser Uneinigkeit profitierten die Nationalsozialisten. Aber Thälmann ahnte früh, was durch die Nazis auf ihn und alle Kommunisten zukommen würde: "Masseninternierung im KZ, Lynchjustiz, Meuchelmorde."

Thälmann war untergetaucht, wurde aber verraten und am 3. März 1933, zwei Tage vor den Reichstagsneuwahlen, verhaftet. Er kam danach nie mehr in Freiheit. Im August 1944 wurde er, angeblich auf persönliches Geheiß von Adolf Hitler, im KZ Buchenwald erschossen.

Hjalmar Schacht

Der Kaufmannssohn, Unternehmer und Finanzfachmann, war eigentlich Demokrat, wandte sich dann aber der NSDAP zu - wie viele Unternehmer, die ihr Fähnchen nach dem für sie positiv wirkenden Wind drehten. Schacht nahm auch an einem Treffen mit Hitler am 20. Februar 1933 teil, bei dem zahlreiche Industrielle dem "Führer" lauschten und anschließend die Geldbeutel für üppige Spenden zückten. Schacht wurde Reichsbankpräsident und sogar Reichswirtschaftsminister.

Später fiel er beim NS-Regime in Ungnade und landete wegen Kontaktes zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus sogar in Konzentrationslagern. Er war beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess angeklagt und wurde freigesprochen. 1970 starb er in München.

Ist doch noch eine Fortsetzung von "Babylon Berlin" möglich?

Die fünfte Staffel von "Babylon Berlin" ist die bisher politischste. Und die Doku schließt daran beinahe so spannend an wie eine neunte Folge. Die fiktive Serie und die Dokumentation geben Einblick in eine turbulente und verhängnisvolle Zeit. Sie ebnete den Weg für eine düstere Zukunft und einen Krieg, der sich beinahe auf die ganze Welt ausdehnte.

Die letzte Staffel von "Babylon Berlin" endet nach dem Reichstagsbrand. Die Romane von Volker Kutscher enden allerdings nicht an dieser Stelle, sondern schildern Gereon Raths Leben in fünf weiteren Romanen bis hinein ins Jahr 1938. In diesem Jahr erleben Charlotte und Gereon auch die Reichspogromnacht. Stoff für eine Fortsetzung von "Babylon Berlin" gäbe es also noch ...

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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