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Vom Schäferhund bis zum Orca

Auf dem Prüfstand: Gehören Tiere vor die Kamera?

Aktualisiert:

von Antje Wessels

"Free Willy" und "Kommissar Rex": Die Tierwohl-Debatte muss weiterhin geführt werden.

Bild: IMAGO / Picturelux; SAT.1/ORF; picture alliance / Anjeza Cikopano / First Look / picturedesk.com | Anjeza Cikopano; IMAGO / United Archives


Die Neuauflage von "Kommissar Rex" wirft eine alte Frage neu auf: Wie vertretbar ist es heute noch, mit echten Tieren für Film und Fernsehen zu drehen?

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Wenn ein Schäferhund beim Aufklären von Verbrechen hilft, dürften sich die wenigsten Zuschauer:innen daran stören. Schließlich gehören Tiere seit den Anfängen des Kinos ganz selbstverständlich dazu. Doch inzwischen wird genauer hingeschaut. Denn nicht jedes Tier erlebt den Trubel eines Filmsets gleich. Während einige Arten vergleichsweise gut mit Menschen und festen Abläufen zurechtkommen, geraten andere schnell unter Stress. Die Frage lautet daher heute weniger, ob Tiere grundsätzlich vor die Kamera gehören, sondern welche  Arten von Einsätzen man beim Dreh verantworten kann.

Der Hund als geborener (Co)-Star?

Man denke an die zahlreichen Momente, in denen Rex seinem menschlichen Partner die entscheidende Spur liefert und den Täter stellt. An Lassie, die über Zäune und Hindernisse hinweg Hilfe holt, um einen Menschen zu retten. Oder an den Golden Retriever aus "Air Bud", der auf dem Basketballfeld selbst menschliche Gegner alt aussehen lässt.

Keine Frage: Hunde gehören seit Jahrzehnten zu den bekanntesten tierischen Stars der Film- und Fernsehgeschichte. Manche Produktionen stellen ihre vierbeinigen Hauptdarsteller sogar so stark ins Zentrum der Geschichte, dass sie ihren Namen im Titel tragen - von "Kommissar Rex" und "Lassie" bis hin zu "Bailey" oder "Hachiko".

Der beste Freund des Menschen

Dass Hunde bis heute so häufig vor der Kamera zu sehen sind, ist kein Zufall. Als langjährige Begleiter des Menschen sind sie besonders gut darin, auf Signale zu reagieren. Ganz unproblematisch sind Dreharbeiten deshalb trotzdem nicht. Auch Hunde können durch lange Drehtage und ständige Wiederholungen Belastung spüren. Im Vergleich zu anderen Tierarten gilt ihr Einsatz unter professioneller Betreuung jedoch weiterhin als vergleichsweise unkritisch - vorausgesetzt, das Tierwohl steht jederzeit über der perfekten Aufnahme.

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Streame hier den originalen "Hachiko"-Film von 1987

Das Pferd ist ein umstrittener Filmstar

Wesentlich schwieriger fällt die Einordnung bei Pferden aus. Auch sie begleiten den Menschen seit Jahrtausenden, doch ihre Rolle vor der Kamera ist eine andere als die des Hundes. Während Hunde wie Rex oder Lassie häufig selbst zu den Stars einer Produktion werden, tragen Pferde die Held:innen vieler Geschichten buchstäblich auf ihrem Rücken. Die gewaltige Reiterattacke der Rohirrim in "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" wäre zu Fuß nicht annähernd so imposant. Und in "John Wick: Kapitel 3" flieht Keanu Reeves hoch zu Ross durch die Straßen New Yorks. Nicht zu vergessen sind auch die unzähligen Western, deren Verfolgungsjagden, Duelle und Überfälle ohne Pferde kaum denkbar wären.

Die epische Schlacht um Minas Tirith ohne Pferde? Unvorstellbar!

Bild: IMAGO/Capital Pictures


Pferde in Western

Doch solche Szenen werfen Fragen auf. Das Cowboy-Leben im Sattel steht zwar für Freiheit und Abenteuer. Wer an klassische Western denkt, erinnert sich aber auch an die Momente, in denen ein Reiter getroffen wird und Pferd und Mensch gemeinsam zu Boden gehen. Besonders umstritten waren Szenen, in denen Pferde durch Stolperdrähte gezielt für solche Stürze zu Fall gebracht wurden - eine Praktik, die jahrzehntelang zum Genre gehörte, etwa am Set des Western-Klassikers "Ringo". Anders als Hunde sind Pferde Fluchttiere.

Anders als Hunde sind Pferde Fluchttiere. Sie reagieren sensibel auf Lärm, Menschenmengen und ungewohnte Abläufe. Moderne Produktionen setzen zwar auf erfahrene Trainer:innen und strenge Sicherheitsstandards, dennoch betrachten viele Fachleute Pferde als Grenzfall: Ihr Einsatz vor der Kamera gilt nicht grundsätzlich als problematisch, sollte aber deutlich kritischer hinterfragt werden als der von Hunden.

Dieser Western-Klassiker startet mit spektakulärer Action zu Pferd

Wildtiere: Die rote Linie

Spätestens bei Wildtieren endet für viele Fachleute die Debatte. Der Moment, in dem der Orca Willy über die Hafeneinfahrt springt und seinem jungen Freund zum Abschied folgt, gehört bis heute zu den bekanntesten Tierbildern der Filmgeschichte. Jahrzehntelang galten solche Aufnahmen als pure Kino-Magie. Heute stellen sich viele Zuschauer:innen jedoch eine andere Frage: Was musste eigentlich passieren, damit ein Wildtier sich vor der Kamera so verhält?

Tatsächlich entstand die Illusion nicht allein durch den Orca Keiko, der die Titelrolle verkörperte. Für zahlreiche Szenen kamen zudem ein rund sechs Meter langer Animatronic-Wal, mechanische Attrappen und verschiedene Spezialeffekte zum Einsatz. Dennoch ändert das nichts an der grundsätzlichen Frage nach dem Umgang mit Wildtieren am Set. Denn auch wenn die Technik einen Teil der Arbeit übernahm, blieb Keiko während der Dreharbeiten ein in Gefangenschaft lebender Orca, dessen Haltung schon damals kontrovers diskutiert wurde. Dass seine Geschichte später eine ungewöhnliche Wendung nahm, verleiht dem Fall zusätzliche Bedeutung: Nach dem Erfolg der Filme wurde Keiko schrittweise auf ein Leben in Freiheit vorbereitet und schließlich ausgewildert.

Willys Rückkehr: Eine der ikonischsten Film-Szenen aller Zeiten.

Bild: imago images / United Archives


Das ist der Unterschied

Anders als Hunde oder Pferde wurden Orcas, Tiger oder Menschenaffen nie für ein Leben an der Seite des Menschen gezüchtet. Sie bleiben Wildtiere - unabhängig davon, wie lange sie bereits mit Menschen zusammenleben und -arbeiten. Viele Tierschutzorganisationen ziehen deshalb bei Wildtieren eine deutlich klarere Grenze: Während sich bei Hunden und teilweise auch bei Pferden noch über vertretbare Rahmenbedingungen diskutieren lässt, gilt der Einsatz von Wildtieren für Film und Fernsehen zunehmend als nicht mehr zeitgemäß. Die Frage ist heute also nicht mehr nur, ob Tiere vor die Kamera gehören, sondern wann aus Unterhaltung Ausbeutung wird.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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