Exklusiv-Interview
Wie echt ist "My American Love" wirklich? Producerin packt aus
Ist bei der Reality-Doku "My American Love" wirklich alles echt? Wir haben nachgefragt.
Bild: Privat (Silke Burmeister)
Echte Menschen und Emotionen oder Drehbuch mit Skript? Silke Burmeister hat "My American Love" mitgestaltet und verrät uns in einem Exklusiv-Interview, was wirklich hinter den Kulissen passiert.
Worum geht's bei "My American Love"?
Manchmal trifft man die Liebe auf der anderen Seite des großen Teichs - doch werden in Amerika wirklich alle romantischen Träume wahr? Das hoffen zumindest einige deutsche Singles. Sie wagen den Schritt in die USA, um einen Partner zu treffen, den sie meist nur aus dem Internet kennen.
"My American Love" begleitet verschiedene Paare auf ihrer emotionalen Reise. Egal ob stundenlange Video-Telefonate, das erste Treffen im echten Leben, nervige Amts-Besuche oder sogar Heiratsanträge vor laufender Kamera.
Wie viel Mut, Vertrauen und Geduld braucht man, wenn der altbekannte "American Dream" auf die harte Realität trifft und aus digitalen Wunschvorstellungen echte Beziehungen werden sollen?
Wir haben mit der Realisatorin gesprochen
Silke Burmeister ist Journalistin, kommt ursprünglich aus Deutschland, lebt aber bereits seit vielen Jahren in Los Angeles. Als rasende Hollywood-Reporterin schreibt sie bei "Behind The Screens" sonst über ihre Treffen mit großen Stars:
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Für die Reality-Doku "My American Love" hat Silke als Realisatorin gearbeitet und gibt uns exklusive Einblicke.
Ein schnelles Selfie beim Dreh: Die Protagonist:innen Adrijana, Aaron, Stephanie, Kameramann Marco Porzig und Realisatorin Silke Burmeister in New York City (von links nach rechts).
Bild: Privat (Silke Burmeister)
Wie echt ist "My American Love" wirklich?
Ganz ehrlich: Es gibt kein Skript. Keine vorgeschriebenen Sätze, keine auswendig gelernten Dialoge. Die Momente, die man sieht, passieren wirklich so. Natürlich gibt es aus organisatorischen Gründen einen Drehplan. Wir können nicht jeden einzelnen Tag mit dem Kamerateam dabei sein, deshalb wird vorher besprochen, was im Leben der Paare gerade ansteht: wichtige Gespräche, Besuche, Familienmomente, große Entscheidungen und so weiter.
Das bedeutet aber nicht, dass etwas gestellt ist. Geplant werden eher Orte, Zeiten und Situationen - niemals Emotionen! Wenn wir zum Beispiel in einem Café drehen möchten, brauchen wir Drehgenehmigungen und Absprachen. Man kann selten einfach spontan irgendwo reinlaufen und drauflos drehen.
Das Schöne ist: Trotz aller Planung entstehen oft die besten Momente spontan. Und genau das macht eine Doku-Serie aus. Wir begleiten die Menschen in ihrem Alltag. Mit allem, was dazugehört.
Stichwort Cast: Wie findet man die Teilnehmer:innen?
Bei einer Doku-Serie sucht man nicht nach "perfekten TV-Gesichtern", sondern echte Menschen mit echten Geschichten. Deshalb gibt es in der Regel kein klassisches öffentliches Casting, wie man es von großen Shows kennt. Gesucht werden gezielt Menschen, die thematisch zur Serie passen. In diesem Fall waren es Paare in internationalen (Fern-)Beziehungen.
Vieles passiert über Social Media, spezielle Gruppen oder manchmal auch über persönliche Kontakte. Wenn man lange in diesem Bereich arbeitet, baut man sich über die Jahre automatisch ein Netzwerk auf. Oft melden sich Menschen auch selbst, weil sie ihre Geschichte erzählen möchten. Manchmal, um andere zu inspirieren, manchmal einfach, weil sie zeigen möchten: "So sieht unsere Realität aus."
Wichtig ist vor allem Authentizität. Wenn jemand nur ins Fernsehen möchte, um bekannt zu werden, merkt man das meistens relativ schnell. Für so ein Format funktioniert das eher nicht.
Viele wirken total natürlich vor der Kamera: Wie habt ihr das geschafft?
Das freut mich total, weil genau das das Ziel war. Die Menschen in der Serie sind keine Schauspieler:innen. Für viele ist es anfangs ungewohnt, wenn plötzlich eine große Kamera auf sie gerichtet ist. Deshalb geben wir ihnen am Anfang erstmal Raum und versuchen, möglichst unaufdringlich zu begleiten. Natürlich beobachten wir genau, greifen Themen auf oder stellen spontan Fragen, wenn wir merken, dass etwas emotional oder wichtig ist. Aber wir möchten Situationen nicht künstlich beeinflussen.
Vertrauen spielt dabei eine riesige Rolle. Die Menschen teilen sehr persönliche und verletzliche Momente mit uns. Ich arbeite seit über 15 Jahren mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten zusammen, und man entwickelt mit der Zeit ein gutes Gespür dafür, wie man auf sie eingeht.
Oft sind wir vor dem eigentlichen Dreh erstmal gemeinsam essen gegangen, einfach, um sich ohne Druck kennenzulernen. Zum Beispiel waren Kameramann Marco und ich direkt nach unserer Ankunft mit Anna und Mike in ihrem Lieblingsrestaurant in Binghamton (New York) essen. Wir haben sofort über Musik gesprochen und übers Auswandern. Ich bin selbst direkt nach dem Abitur mit 20 in die USA gezogen, war damals auch in einen Amerikaner verliebt und konnte deshalb vieles nachvollziehen. Irgendwann meinte ich dann lachend: "Okay … und jetzt sprechen wir vielleicht doch noch kurz über die nächsten Drehtage."
Und natürlich gab es auch Situationen, in denen jemand gesagt hat: "Bitte Kamera aus." Das respektieren wir absolut. Manchmal wird ein Thema auch erst später, nach Drehschluss, nochmal angesprochen - wenn plötzlich Unsicherheit aufkommt oder jemand merkt: "Oh, das war gerade doch sehr persönlich." Gerade wenn zum ersten Mal vor der Kamera Tränen fließen oder sehr private Gedanken geteilt werden.
Dann nehmen wir uns bewusst Zeit für ein offenes Gespräch und gehen gemeinsam alles nochmal in Ruhe durch. Interessanterweise entscheiden sich viele Protagonist:innen später trotzdem dafür, diese Momente drin zu lassen, weil sie merken, wie ehrlich und wichtig sie eigentlich sind.
Anna (l.) und Ehemann Mike (r.): Die Ostfriesin ist für die Liebe in die USA ausgewandert. Zusammen mit Mike lebt sie jetzt im Bundesstaat New York.
Bild: Privat (Silke Burmeister)
Gibt es Momente vom Dreh, die dich bis heute nicht loslassen?
Oh ja, einige. Genau deshalb liebe ich diesen Job so. Manche Momente vergisst man einfach nicht.
Sehr bewegend war zum Beispiel das Wiedersehen von Aaron und seiner Schwester Stephanie in New Jersey. Die beiden hatten sich seit seiner Zeit im Gefängnis nicht mehr gesehen. Das war einer dieser seltenen Momente, in denen plötzlich alle Tränen in den Augen hatten, mich eingeschlossen.
Ein absolutes Highlight war natürlich auch der Heiratsantrag von Annie und Shawn. So etwas hautnah mitzuerleben, ist schon etwas Besonderes.
Sehr bewegt haben mich außerdem die Geschichten der Paare, bei denen der Partner im Gefängnis sitzt oder saß. Viele fragen sich vielleicht zuerst: "Wie kann so eine Beziehung funktionieren?" Aber genau deshalb fand ich die Gespräche mit Adrijana und Nana so spannend. Man bekommt Einblicke in Lebensrealitäten, die man selbst vielleicht nie erleben würde - und versteht Menschen dadurch manchmal plötzlich ganz anders.
Realisatorin Silke Burmeister mit "My American Love"-Protagonistin Nana Johnson am Set.
Bild: Privat (Silke Burmeister)
Worauf können Zuschauer:innen noch gespannt sein?
Ohh, selbst wenn ich dürfte, würde ich nichts spoilern, aber es wird auf jeden Fall noch spannend 😉. Ob es eine zweite Staffel gibt, kann ich noch nicht sagen, aber ich hoffe, dass sich die Zuschauer:innen genauso darüber freuen würden wie ich.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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