TV-Star prangert Branchenproblem an
"Unerträglicher Trend": "Erzgebirgskrimi"-Star Teresa Weißbach zieht Konsequenzen
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von Lars-Ole GrapTeresa Weißbach spricht im Interview über die Herausforderungen für Frauen in der Film- und Fernsehbranche.
Bild: picture alliance / dpa | Kirsten Nijhof, ZDF / Conrad Lobst, ZDF / Armin Dierolf
Teresa Weißbach gehört seit sieben Jahren zum festen Ensemble einer der erfolgreichsten Krimireihen im deutschen Fernsehen - und dennoch bereitet ihr die Zukunft Sorgen. Im Interview mit "t-online" spricht der "Erzgebirgskrimi"-Star über ein strukturelles Problem, das die gesamte Branche betrifft.
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Teresa Weißbach kritisiert fehlende Rollen für Frauen über 50 im Fernsehen
Der "Erzgebirgskrimi"-Star Teresa Weißbach macht im Interview keinen Hehl daraus, dass sie die Situation vieler Schauspielerinnen mit wachsender Besorgnis beobachtet. Frauen in ihrer Lebensphase, die oft gerade neu aufblühten, die Kinder aus dem Haus hätten und beruflich nochmals durchstarteten, kämen in Film und Fernsehen schlicht nicht vor - oder wenn, dann allenfalls als Randfiguren. "Im Fernsehen sehen wir sie jedoch meist als Betrogene, Mutter, Oma oder Nebenfigur. Erfolgreiche Frauen ab 50 bekommen wir kaum zu sehen", sagt sie. Einen solchen Trend bezeichnet sie als "unerträglich" - und führt ihn auf die unreflektierte Orientierung der deutschen Sender an amerikanischen Vorbildern zurück.
Besonders bitter: Das Publikum wäre da. Weißbachs eigene Mutter und Tante fühlten sich vom Fernsehprogramm schlicht nicht angesprochen - ihre Generation werde nicht gesehen. Und wenn doch, dann tauche immer wieder dasselbe Ensemble bekannter Gesichter auf. Gemeinsam mit Kolleginnen thematisiere sie diese Missstände regelmäßig bei Produktionen - doch die Reaktion bleibe überschaubar.
Noch pikanter wird die Situation, wenn es um die Besetzung geht: Selbst wenn einmal eine vielschichtige Frauenrolle - etwa eine alleinerziehende Mutter, die sich neu erfindet - geschrieben werde, lande sie häufig bei einer Mitte Dreißigjährigen. "Warum, frage ich mich", so die Schauspielerin.
Ich möchte nicht in die Not kommen, auf mein zweites Standbein angewiesen zu sein.
"Erzgebirgskrimi"-Star Teresa Weißbach startet zweite Karriere als Theatertherapeutin
Tatsächlich hat Teresa Weißbach bereits vorgesorgt: Vor drei Jahren begann die Schauspielerin eine berufsbegleitende Ausbildung zur Theatertherapeutin - zunächst als Vorsichtsmaßnahme, inzwischen ist die Arbeit eine echte Herzensangelegenheit geworden. Theatertherapie ist in Deutschland noch ein Nischenfeld - und wird oft missverstanden. Die Arbeit richte sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen oder Traumata - und stehe damit der Musik- oder Kunsttherapie weit näher als der Bühnenarbeit.
Ich habe viel Energie und möchte etwas bewegen. Nur zu Hause zu sitzen und auf den nächsten Job zu warten, entspricht nicht meinem Wesen.
Die Verbindung zur Schauspielerei liegt für sie trotzdem klar auf der Hand: Beide Disziplinen verlangten Einfühlungsvermögen, Fantasie und ein tiefes Verständnis menschlicher Persönlichkeiten. Ergänzt werde ihr soziales Engagement durch eine weitere ehrenamtliche Tätigkeit - sie begleite sterbende Menschen. Konfrontationen mit menschlicher Verletzlichkeit und Vergänglichkeit seien für sie also keine Ausnahme, sondern bereits ein fester Bestandteil ihres Lebens.
Eines betont die 44-Jährige dabei allerdings unmissverständlich: Sie sei und bleibe Schauspielerin - mit Leib und Seele. Das zweite Standbein solle eine Absicherung sein, kein Abschied. Doch allein die Tatsache, dass eine Frau in ihrer Position vorsorgen müsse, sage viel über den Zustand einer Branche aus, die ihre eigene Zielgruppe systematisch übersehe.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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