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Neuer ARD-Ermittler

"Saarland-Krimi": So gelang Aram Arami der Switch von der Komödie zum Krimi

Veröffentlicht:

von teleschau

"Der Saarland-Krimi: Bruder, Liebe, Tod": Tayfun Can (Aram Arami) hat seinen Dienst als Ermittler quittiert und arbeitet nun als Sozialarbeiter. Als sein Bruder in Mordverdacht gerät, ermittelt er auf eigene Faust und kommt dabei seiner früheren Partnerin, Kriminalhauptkommissarin Elisa Santori (Olga von Luckwald) in die Quere.

Bild: SR/Manuela Meyer


In "Der Saarland-Krimi: Bruder, Liebe, Tod" zeigt sich Aram Arami in einer ungewohnten Rolle. Im Interview erzählte Arami, der als Flüchtling nach Berlin kam, von seiner harten Kindheit und dem Kampf gegen Ausländerhass und Klischees in der Branche.

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Schluss mit lustig: Aram Aramis ungewohnte neue Rolle

Bekannt wurde der Schauspieler Aram Arami durch den Komödienhit "Fuck ju Göhte" und die Dramedy-Reihe "Die drei von der Müllabfuhr". Nun ist der gebürtige Kurde in "Der Saarland-Krimi: Bruder, Liebe Tod" als Ermittler Tayfun Can zu sehen. Allerdings hat der Polizist nach einem Einsatz aus Schuldgefühlen den Dienst quittiert, nachdem dabei ein junger Mann ums Leben gekommen war. Heute arbeitet Tayfun als Sozialarbeiter und Bewährungshelfer für Jugendliche. Als sein kleiner Bruder unschuldig unter Mordverdacht gerät, ermittelt Tayfun auf eigene Faust. Dabei kreuzt sich sein Weg mit dem seiner ehemaligen Kollegin Elisa Santori (Olga von Luckwald).

"Diese Rolle ist tatsächlich etwas völlig anderes als das, was ich sonst spiele", erklärte Arami im Interview mit der Agentur teleschau. "Sie erfordert eine Ernsthaftigkeit und Reife, die bisher oft gefehlt haben. Wenn ich mir die Szenen mit kritischem Blick anschaue, sehe auch ich mich von einer ganz anderen Seite. Das ist wohl die vielschichtigste Rolle, die ich im Laufe meiner Karriere gespielt habe. Dies ist kein typischer Krimi. Die Schicksalsschläge, mit denen meine Figur, ein ehemaliger Polizist, in seinem Leben zu kämpfen hat, berühren mich sehr." Auch Aram Aramis Leben ist von Kämpfen und Schicksalsschlägen geprägt.

Flucht mit drei Jahren

Arami war drei Jahre alt, als seine kurdische Familie 1996 aus dem Irak nach Deutschland fliehen musste. "Mein Vater war Staatsanwalt und wurde deshalb verfolgt - regelrecht gejagt. Wir wurden voneinander getrennt. Es war schlimm. Menschen müssen aus Angst um ihr Leben fliehen, Familien werden getrennt, Kinder wachsen ohne Eltern auf ... Was das für den Einzelnen bedeutet, ist vielen Menschen gar nicht bewusst."

Er betrachtet das als "ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft", sagte er im teleschau-Gespräch. "Es sind ganze Generationen, die darunter leiden - während man selbst oft in einem privilegierten Umfeld sitzt und die Nachrichten nur liest, nicht erlebt."

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Diskriminierung in der neuen Heimat: "Ich bin kein Alien"

Nach dem Aufenthalt in einer Asylunterkunft in Berlin-Neukölln wuchs der heute 32-Jährige in Berlin-Lichtenberg auf. Dort wurde Aram Arami früh mit Diskriminierung konfrontiert, erinnert er sich: "Bestimmte Bereiche des Stadtteils schienen mir aufgrund meines Aussehens oder meiner Herkunft nicht zugänglich zu sein. Das wurde mir so vermittelt, und ich habe es zunächst akzeptiert. Es gab andere, die Ähnliches erlebt hatten, und ich merkte: Ich bin damit nicht allein."

Mit der Zeit habe er jedoch verstanden, "dass ich Diskriminierung nicht einfach hinnehmen muss. Früher dachte ich noch, ich selbst sei das Problem. Heute weiß ich: Das ist nicht so. Ich bin mit meinen Erfahrungen nicht allein und auch nichts 'Falsches', ich bin kein Alien. Oft liegt es vielmehr an begrenzten Sichtweisen anderer." Diese Erkenntnis habe vieles relativiert, sagt Arami.

Schubladen und Ausländer-Klischees im Job

Doch der Kampf gegen Diskriminierung hörte auf den Straßen von Lichtenberg nicht auf. Auch zu Beginn seiner Schauspielkarriere wurde Aram Arami damit konfrontiert, musste kämpfen, in seinen Rollen nicht nur das Klischee des "typischen Ausländers" zu bedienen.

Bei der Vergabe von Rollen sei es "doch egal, welche Haar- oder Hautfarbe jemand hat", findet Arami. "Wer besser spielt, verdient die Rolle. Auch ein blonder, heller Typ kann einen Gangster spielen. In jeder Lebenssituation ist es mir egal, woher jemand kommt. Ich möchte Respekt und Kunst sehen. Kunst kennt keine Herkunft!"

Er sieht aber auch eine Entwicklung: "Heute ist es deutlich selbstverständlicher, dass auch jemand wie ich einen Kommissar, einen Arzt oder ganz andere Rollen spielen kann. Das war früher nicht der Fall. Der Weg dahin war lang, aber es hat sich viel verändert. Insgesamt haben wir in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht - eigentlich sollte das inzwischen gar kein Thema mehr sein."

Natürlich gebe es auch heute noch Anfeindungen oder Vorurteile. Aber wenn er die höre, "dann gehen sie links rein und rechts raus, weil ich weiß, wie die Branche tickt und wie ernst das Thema Diversität in der Filmbranche mittlerweile genommen wird."

In der Cross-Culture-Komödie begeisterte Aram Arami als türkischer Schwiegersohn eines Ur-Bayern mit türkischen Wurzeln.

Bild: ARD Degeto Film/Hendrik Heiden


Kein leichter Weg zum Schauspielberuf

Der Weg zum Schauspielberuf sei aber generell kein einfacher, egal welchen Hintergrund man mitbringt, weiß Arami: "Der Weg als Schauspieler ist von viel Ablehnung geprägt", erklärte er im teleschau-Interview auf die Frage, welches Wissen von heute er seinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben würde. "Man wird nicht immer engagiert, nicht immer gut gefunden, und es gibt Phasen, in denen einfach nichts passiert."

Der innere Antrieb halte einen zwar am Laufen, aber das gehe "nicht spurlos am Selbstwert vorbei - das würden viele Kollegen bestätigen. Gerade als Jugendlicher ist das schwer zu verstehen. Wenn man hört, dass man nicht auf eine Rolle passe, kann man das noch nicht richtig einordnen. Meinem 15-jährigen Ich würde ich deshalb sagen: 'Mach dir keinen Kopf. Du bist es mehr als wert - und es wird besser, als du es dir jetzt vorstellen kannst'."

Sein heutiger Erfolg gibt Aram Arami recht. Am Donnerstag, 30. April, 20:15 Uhr, kannst du den Schauspieler in seiner ungewohnten neuen Rolle in "Der Saarland-Krimi: Bruder, Liebe Tod" im ARD-Livestream bei Joyn sehen.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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