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Auswanderungswelle in Deutschland?

Steuern, Bürokratie, Stimmung: Was der neue "JENKE. Report" über den "Deutschlandfrust" verrät

Veröffentlicht:

von Johanna Beißel

Jenke trifft in seiner Reportage auf Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen Deutschland verlassen.

Bild: Joyn; AdobeStock


Immer mehr Deutsche denken darüber nach, ihre Heimat zu verlassen. Im neuen "JENKE. Report" geht Jenke von Wilmsdorff der Frage nach, warum Steuern, Bürokratie und die Stimmung im Land so viele Menschen zum Auswandern bewegen.

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Im neuen "JENKE. Report: Raus aus Deutschland - Warum immer mehr Deutsche auswandern" nennt Jenke von Wilmsdorff eindrucksvolle Zahlen: Alle zwei Minuten packt in Deutschland jemand die Koffer. Rund 290.000 Deutsche haben letztes Jahr das Land verlassen. Und fast jeder Fünfte denkt laut Reportage darüber nach, es ihnen gleichzutun.

Doch warum gehen gerade junge, qualifizierte Menschen? Jenke geht den Gründen nach: hohe Steuern, ausufernde Bürokratie und eine zunehmend angespannte Stimmung im Land.

Ein Land im Zweifel: Warum viele Deutsche auswandern wollen

In der internationalen Ipsos-Umfrage "What Worries The World" gaben im August 2026 86 Prozent der Deutschen an, dass sich das Land ihrer Meinung nach in die falsche Richtung entwickelt. Der globale Durchschnitt lag bei nur 62 Prozent.

Jugendforscher Simon Schnetzer hat für eine Studie über 2.000 junge Menschen zu ihren Auswanderungsplänen befragt. Sein Ergebnis teilt er in der Reportage: 21 Prozent der 14- bis 29-Jährigen haben konkrete Pläne, ins Ausland zu gehen, und mehr als 40 Prozent können es sich vorstellen.

"Wir haben doch eigentlich alles gemacht, was wir tun sollten, um gute Perspektiven zu haben in diesem Land. Und wir merken aber, es ist viel schwieriger geworden", sagt Schnetzer im "JENKE. Report". Als Gründe nennt er unter anderem Inflation, steigende Wohnkosten, Krieg und Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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Familie Wyink: Sicherheit gegen Aufbruch

Wie aus wachsender Unzufriedenheit eine konkrete Entscheidung wird, zeigt die Geschichte von Rafael und Christina Wyink. Jenke trifft die Familie, die gemeinsam mit ihren Kindern Deutschland verlassen und auf Zypern ein neues Leben beginnen will.

Leicht fällt ihnen der Schritt allerdings nicht. "Bei mir hat's gedauert, weil ich so ein Sicherheitsmensch bin, typisch deutsch, ich muss meinen Job haben, mein Einkommen haben, ich brauch' meine Sicherheit", sagt Rafael in der Sendung. Doch der Blick auf die Zukunft bereitet ihm zunehmend Sorgen. Besonders die veränderte Stimmung im Land ist für ihn ein entscheidender Grund, Deutschland den Rücken zu kehren.

Für seine Frau Christina ist vor allem die deutsche Bürokratie ein Problem. Gerade für Selbstständige sei es zunehmend schwierig, sich hier etwas aufzubauen.

Um sich selbst und ihren Kindern bessere Perspektiven zu ermöglichen, wollen sie alles hinter sich lassen. Ihr Ziel ist Zypern. Die Mittelmeerinsel gehört zur Europäischen Union und gilt aufgrund ihres Klimas, der vergleichsweise unkomplizierten Einwanderungsmöglichkeiten und steuerlicher Vorteile als attraktives Ziel für Auswanderer:innen.

Niedrige Steuern im Ausland: Was macht Zypern so attraktiv?

Neben dem Wunsch nach einem anderen Lebensgefühl spielt für viele vor allem das Geld eine entscheidende Rolle. Besonders Unternehmer:innen und Selbstständige hoffen im Ausland auf bessere finanzielle Bedingungen.

Wie groß die Unterschiede sein können, erklärt der Experte für internationale Steuergestaltung Michael Wohlfart im "JENKE. Report". Wer auf Zypern ein Unternehmen gründet, könne unter bestimmten Voraussetzungen von deutlich niedrigeren Steuern profitieren.

"Wenn du nach Zypern kommst, der Standard ist, du gründest eine Zypern Limited. Das ist vergleichbar, eine deutsche GmbH zu gründen, und zahlst dann auf deine Gewinne in Zypern 15 Prozent Steuer." Der entscheidende Unterschied zu Deutschland: Gewinne könnten unter bestimmten Voraussetzungen anschließend steuerfrei an die Privatperson ausgeschüttet werden.

Nach Wohlfarts Darstellung könnten Unternehmer:innen dadurch auf eine effektive Steuerbelastung von rund 15 Prozent kommen, während diese in Deutschland bei etwa 40 bis 45 Prozent liegen könne.


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Warum die Schweiz so viele Deutsche anzieht

Während Zypern vor allem mit seinem Steuermodell Aufmerksamkeit erregt, zieht es besonders viele Deutsche in ein anderes Land: die Schweiz.

Dort leben laut der Reportage inzwischen rund 330.000 Deutsche. Das Nachbarland lockt nicht nur mit attraktiven Arbeitsbedingungen, sondern auch mit deutlich höheren Gehältern.

Wie groß der Unterschied ausfallen kann, zeigt die Geschichte der Physiotherapeutin Nicole Schiegg. In Deutschland verdiente sie rund 2.500 Euro brutto im Monat. In der Schweiz sind es mittlerweile etwa 8.500 Euro.

Neben ihrer Vollzeitstelle hatte sie in Deutschland noch zwei Nebenjobs, um sich auch größere Wünsche erfüllen zu können. "Für mich war irgendwann klar, dass ich die Schlagzahl, die ich in Deutschland arbeite, nicht bis zur Rente durchhalten kann", erzählt sie Jenke von Wilmsdorff.

Doch die attraktiven Gehälter haben auch eine Kehrseite: Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind deutlich höher, die Zahl der Urlaubstage ist häufig geringer. Auch das Einleben in einem neuen Land kann zur Herausforderung werden.

Wegzugsteuer: Wenn der Staat mitreist

Für Unternehmer:innen gibt es noch eine weitere Hürde: die Wegzugsteuer. Wer in Deutschland bestimmte Unternehmensanteile hält, muss beim Verlassen des Landes unter Umständen Steuern auf noch nicht realisierte Wertsteigerungen zahlen.

Dass Deutschland mit dieser Regelung nicht allein ist, erklärt Fachanwalt Helge Schubert im "JENKE. Report": "Man baut hier ein Unternehmen auf, man nutzt die Ressourcen, die ja auch irgendwie finanziert werden müssen. Und das machen andere Länder auch so."

Doch Jenke stellt auch die kritische Frage: Hält eine solche Steuer Unternehmer tatsächlich davon ab, Deutschland zu verlassen? Oder könnte sie sogar dazu führen, dass Menschen ihre Unternehmen von Anfang an lieber im Ausland gründen?

Was Deutschland von anderen Ländern lernen könnte

Der "JENKE. Report" zeigt damit ein Problem, das weit über einzelne Auswanderungsgeschichten hinausgeht. Wenn gut ausgebildete Fachkräfte und erfolgreiche Gründer:innen ihre Zukunft zunehmend im Ausland sehen, stellt sich die Frage, wie Deutschland für seine eigenen Bürger:innen attraktiv bleiben kann.

Für Jenke wird die Entwicklung zu einem Warnsignal: Deutschland konkurriert nicht nur wirtschaftlich mit anderen Staaten, sondern auch um die Menschen, die hier leben und arbeiten. Die Frage ist, wie das Land verhindern kann, dass sich immer mehr von ihnen für eine Zukunft im Ausland entscheiden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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"JENKE. Report": Warum immer mehr Deutsche auswandern