Fans sind enttäuscht

Schluss nach 3 Fällen: Warum endet der "Polizeiruf 110" aus Halle?

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von teleschau - Eric Leimann

In ihrem dritten und letzten "Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen" müssen Henry Koitzsch und Michael Lehmann den Todesfall einer alten Frau in der Badewanne aufklären.

Bild: MDR/Felix Abraham


Henry Koitzsch (Peter Kurth) und Michael Lehmann (Peter Schneider) ermittelten Im "Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen" zum dritten und letzten Mal in Halle. Kein anderer deutscher Krimi war so sehr eine Milieu- und Lebensgefühl-Studie des deutschen Ostens. Warum ist nun trotzdem Schluss?


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Eine einsame Dame stirbt

Die Kommissare sind mal wieder traurig. Stumme Trauer und Melancholie sind so ein bisschen die emotionale Grundfarbe des "Polizeirufs" aus Halle. Koitzsch und Lehmann müssen den Tod einer einsamen alten Dame in der Badewanne aufklären, der Unfall, Suizid oder Mord gewesen sein könnte. Im "Polizeiruf" aus Halle, der zwischen 2021 und 2026 gerade mal drei Filme zustande gebracht hat, ging es immer um einsame Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten. Geld hatten sie keins - und der eine oder die andere, inklusive Kommissar Koitzsch, schaute öfter sehr tief ins Glas, um die Einsamkeit zu vergessen. Dennoch oder gerade deshalb besetzen die MDR-Krimis eine Leerstelle der deutschen Krimilandschaft.

Warum war der "Polizeiruf" aus Halle besonders?

Das Format "Polizeiruf" wurde 1971 in der DDR erfunden - als Reaktion auf den in Westdeutschland 1970 aus der Taufe gehobenen "Tatort". Nach der Auflösung des DDR-Fernsehens (DFF) wurde die Reihe 1993 von der ARD übernommen. Sie entwickelte sich weiter, behielt aber den Namen und den Fokus auf realistische, teils düstere Geschichte. Dabei hatte der Standort Halle Tradition: Von 1996 bis 2013 prägten die Ermittler Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler) den Halle-"Polizeiruf".

Danach folgte das Duo Koitzsch & Lehmann (2021-2026). In ihren Fällen ging es oft um abgehängte Menschen und vergessene Ost-Biografien. So etwas wurde zuletzt kaum und vor allem nicht so einfühlsam erzählt. Trotz hoher Einschaltquoten (bis zu acht Millionen Zuschauer:innen) beendet der MDR die Reihe nun nach nur drei Fällen.

Wie wird die Handlung aufgelöst?

Wer eine Trilogie ankündigt, sollte eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen haben. Tatsächlich wurde hier ein für den ARD-Sonntagskrimi ungewöhnlicher Plan umgesetzt: Der Messer-Mord an einem alleinstehenden Mann im ersten Film "Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande" vom Mai 2021 blieb im Film damals unaufgeklärt. Der zweite Film "Polizeiruf 110: Der Dicke liebt" vom April 2024 kümmerte sich dann knapp drei (!) Jahre später um einen anderen Fall. Immerhin: Der Mord an einer Grundschülerin wurde darin aufgeklärt. Im letzten Fall kamen die Kommissare nun fast fünf Jahre später durch den Mord an einer älteren Dame auf die Spur jenes Täters, der auch für den Mord im ersten Film verantwortlich war. Für den Halle-Krimi brauchte man als Zuschauer:in definitiv eine gutes Gedächtnis!

Was sagen die Macher?

Sowohl der Leipziger Peter Schneider als auch Peter Kurth, der Familie in Halle hat, besitzen einen engen Bezug zur Region. Das Macher-Duo hinter der Kamera, Regisseur Thomas Stuber und Autor Clemens Meyer, stammt ebenfalls aus dem Osten. Alle hätten ihre Arbeit gerne fortgesetzt. Schauspieler Peter Schneider dazu im Interview mit der Agentur teleschau: "Wir hätten gern weitergemacht. Doch vom MDR war es von Anfang an beschlossen, dass es eine einmalige Trilogie von Filmen bleiben soll."

Dabei wurde 2023 von ostdeutschen Filmschaffenden die "Quote Ost" ins Leben gerufen. Sie fordert, dass in Redaktionen, Gremien, Intendanzen sowie in kreativen Schlüsselpositionen zu 20 Prozent Ostdeutsche vertreten sein sollten. Peter Schneider, der die Initiative unterstützt, äußert sich im teleschau-Interview wie folgt: "Ich finde, das ist eine sinnvolle Initiative, denn wir können die Lebenserinnerungen und Prägungen ostdeutscher Menschen nicht totschweigen. Unser 'Polizeiruf' war natürlich ein super Booster für die 'Quote Ost', denn fast alle Macher vor und hinter der Kamera haben eine Ost-Biografie."

Was sagt der MDR?

Eine Sprecherin des Senders antwortet auf Nachfrage zum "Polizeiruf"-Aus in Halle: "Wir können sehr gut nachvollziehen, dass die Schauspieler bedauern, dass die Reihe mit dem dritten Fall zu Ende geht. Die enge Verbundenheit der Schauspieler ehrt das Projekt und unterstreicht die besondere Qualität der Zusammenarbeit. Der 'Polizeiruf 110' aus Halle wurde zum 50-jährigen Bestehen der Kult-Krimireihe ins Leben gerufen und war als zeitlich begrenztes Projekt angelegt."

Der MDR produziert außerdem noch den "Polizeiruf" aus Magdeburg mit Claudia Michelsen und den "Tatort" aus Dresden mit Cornelia Gröschel und Martin Brambach. Außerdem die Regionalkrimis "Wolfsland" aus Görlitz und "Tod am Rennsteig" aus Thüringen.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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