zur Joyn Startseite

Folgen für die ganze Region

"Was passiert hier mit dem Osten?": "Polizeiruf 110"-Kommissarin Claudia Michelsen protestiert gegen MDR-Sparpläne

Veröffentlicht:

von Lars-Ole Grap

Seit über zehn Jahren prägt Claudia Michelsen den Magdeburger "Polizeiruf 110".

Bild: rbb/MDR/Frédéric Batier


Die geplante dreijährige Pause für den Dresdner "Tatort" und den "Polizeiruf 110" sorgt für Kritik. Jetzt äußert sich auch die Schauspielerin Claudia Michelsen. Sie ermittelt seit 2013 als Kriminalhauptkommissarin Doreen Brasch in dem beliebten Kriminalfilm.

- Anzeige -
- Anzeige -

Wegen Sparmaßnahmen: Claudia Michelsen warnt vor Auswirkung der "Polizeiruf 110"-Pause

Die Entscheidung des MDR bezeichnet Claudia Michelsen im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" als "fatal". Eigentlich wolle sie schon lange nicht mehr über den Osten oder den Westen reden. Aber genau diese Frage werde jetzt wieder aufgeworfen: "Was passiert hier mit dem Osten?"

Hinter dem Konflikt stehen Sparmaßnahmen. Der MDR muss seinen Haushalt von 2025 bis 2028 um 160 Millionen Euro reduzieren. Der Auslöser: Der Rundfunkbeitrag hätte Anfang 2025 von 18,36 auf 18,94 Euro steigen sollen - die Bundesländer setzten die Erhöhung allerdings nicht um. ARD und ZDF haben dagegen Verfassungsbeschwerde eingelegt. MDR-Intendant Ralf Ludwig betonte, auf die geplante Produktionspause hätte der Sender verzichten können, wenn die empfohlene Erhöhung des Rundfunkbeitrags umgesetzt worden wäre.

Für Claudia Michelsen ist das eine Erklärung, aber keine Rechtfertigung - jedenfalls nicht für die enorme Tragweite dieser Entscheidung. Denn was der MDR hier streicht, ist aus ihrer Sicht nicht nur ein beliebiges Programm. Sie verweist auf die wirtschaftliche Dimension: Mit der Entscheidung würden sehr viele Arbeitsplätze verloren gehen. Zudem sei der "Polizeiruf 110" erst kürzlich von der Leipziger Produktionsfirma UFA übernommen worden - ein Signal, die Filmwirtschaft in der Region zu stärken. Eine dreijährige Pause würde diese Entwicklung wieder zunichte machen.


"Tatort"-Stars und Produzent schlagen Alarm: Droht dem MDR-"Polizeiruf 110" das Aus?

Der UFA-Produzent und CEO Sascha Schwingel formuliert diese Einschätzung sogar noch schärfer. Der "Polizeiruf" aus Magdeburg sei einer der wenigen verbliebenen fiktionalen Orte, in denen ostdeutsche Wirklichkeit, ostdeutsche Gesellschaft und ostdeutsche Charaktere erzählt würden. Eine dreijährige Unterbrechung sei keine Pause - "sondern wahrscheinlich das Ende des Formats".

Auch die Dresdner "Tatort"-Ermittler Martin Brambach und Cornelia Gröschel hatten bereits im Mai auf Instagram gewarnt, dass lang aufgebaute Strukturen kaputt gingen und sich das Team zwischenzeitlich andere Jobs suchen müsse. Und niemand könne versprechen, dass nach drei Jahren genug Geld da sei, um weiterzumachen. Filmproduktionen ließen sich nicht "so einfach an- und abschalten".

Der MDR betont unterdessen, bereits abgedrehte Folgen beider Formate würden auf jeden Fall ausgestrahlt. Im November soll noch ein letzter "Polizeiruf" in der neuen Konstellation gedreht werden. Der UFA-Produzent gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf: Man befinde sich "in konstruktiven Gesprächen mit dem MDR", ein Treffen mit Intendant Ludwig und Programmdirektor Boris Lochthofen stehe kurz bevor, so der Filmproduzent gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

- Anzeige -
- Anzeige -

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken