Krimi nach realem Vorbild

Der Brand im "Tatort: Fackel": Sind Hochhäuser wirklich eine Todesfalle?

Veröffentlicht:

von teleschau - Eric Leimann

"Tatort: Fackel": Ein spektakulärer Fall nach einer wahren Begebenheit. Aber sind Hochhäuser wirklich so gefährlich im Brandfall?

Bild: HR/ARD Degeto Film/Sommerhaus/Philipp Sichler


Zum dritten Mal ermittelten im "Tatort: Fackel" Hamza Kulina (Edin Hasanović) und Maryam Azadi (Melika Foroutan) in Frankfurt. Die Cold-Case-Kommissare untersuchten einen fünf Jahre alten Hochhausbrand, der 13 Menschenleben forderte. Traurige Plot-Inspiration war ein wahrer Fall aus London. Wie viel Wahrheit steckt dahinter?

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Als Vorbild des fiktiven Frankfurter Falls diente laut Angaben der Drehbuchautoren (Sebastian Heeg und Schauspielstar Tom Schilling) der Brand des Londoner Grenfell Tower am 14. Juni 2017. Bei dem Unglück kamen 72 Menschen ums Leben, nachdem sich ein in einer Wohnung im vierten Stock ausgebrochenes Feuer rasend schnell über die Fassade des 24‑stöckigen Hochhauses ausgebreitet hatte. Auslöser war ein defekter Kühlschrank. Zur Katastrophe wurde das Ereignis vor allem durch die leicht entflammbare Fassadenverkleidung und gravierende Sicherheitsmängel beim Umbau und Betrieb des Gebäudes.

Warum können sich Hochhausfeuer so schnell ausbreiten?

Hochhausbrände wie im Grenfell Tower eskalieren beim Einsatz brennbarer Dämmstoffe rasch, da diese Materialien Hitze nicht eindämmen, sondern selbst die Flammen intensivieren. Dämmstoffe wie Polyisocyanurat (PIR) oder Polystyrol schmelzen bei Hitzeeinwirkung und bilden tropfende, hochentzündliche Flüssigkeiten. Die erzeugen weitere Brandherde. Dabei agiert die Fassadenkonstruktion wie ein Schacht, es ergibt sich ein sogenannter Kamineffekt. Zwischenräume ziehen Sauerstoff an, der das Feuer blitzschnell nach oben peitscht. Der Brandfall im "Tatort: Fackel" war der Londoner Katastrophe nachempfunden. Expert:innen sehen jedoch generell ein Gefahrenmuster im Verbauen brennbarer Dämmstoffe.

Was hat der "Tatort" mit dem Diskothekenbrand in Crans-Montana zu tun?

Mit dem Diskothekenbrand in Crans-Montana hat der Film wenig zu tun, denn der Krimi war bereits abgedreht, als sich die Katastrophe von Crans-Montana ereignete. Beim Brand in der Bar "Le Constellation" im Schweizer Ferienort kamen am 1. Januar 2026 41 Menschen ums Leben. Auslöser waren Sprühfontänen an Champagnerflaschen, die die leicht entflammbare, schalldämmende Deckenverkleidung aus Schaumstoff in Brand setzten. Innerhalb weniger Sekunden erfasste ein sogenannter Flashover den gesamten Raum und ließ das Feuer explosionsartig ausbreiten. Auch in diesem Fall steht der Verdacht unzureichender Brandschutzmaßnahmen im Raum.

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Gibt es einen politischen Aspekt des Brandes?

Sowohl beim Londoner Vorbild als auch in der fiktionalisierten Variante "Tatort: Fackel" spielt die Politik eine Rolle. Der Londoner Grenfell Tower war ein Sozialbauprojekt im Westen Londons. Von den 600 vorwiegend armen Bewohner:innen kamen beim Brand 72 ums Leben. Wie auch im Frankfurt-"Tatort" liegt der Verdacht nahe, dass die Betreiber des Towers bei der Sanierung Geld sparen wollten, weil in Sachen Mieten nicht viel zu holen war. Doch wurden dafür Brandschutzvorschriften umgangen? Die Untersuchungen dauern an. Der Grenfell Tower steht übrigens immer noch als düsteres Mahnmal und Brandruine. Zwar hätte der beschlossene Abriss schon stattfinden können, doch er wurde im März 2026 vorläufig gestoppt. Grund hierfür waren Funde von Handabdrücken möglicher Opfer, die Angehörige untersuchen lassen wollen.

Wie geht es beim Frankfurter "Tatort" weiter?

Gerade durfte man in Frankfurt jubeln, denn der Debütfall der Ermittler:innen Kulina und Azadi, der "Tatort: Dunkel", wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, dem wichtigsten deutschen Fernsehpreis. Die Jury lobte insbesondere, dass der Krimi einen empathischen Blick auf die Opfer von Verbrechen werfe. Etwas, das vielen auf Serienkiller und Co. fixierten Formaten fehlt. Die Frankfurter Fälle zwei ("Licht") und drei ("Fackel") wurden danach am Stück gedreht.

Derzeit scheinen die gefragten Darsteller Edin Hasanović und Melika Foroutan mit dem "Tatort"-Drehen zu pausieren. Es sind keine neuen Drehmeldungen vom Frankfurter "Tatort" bekannt. Dennoch kann man sicher sein: Es wird weitere Filme geben! Ein vierter "Tatort" mit Kulina und Azadi wird frühestens nach der Sommerpause 2026 zu sehen sein.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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