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Ein Blick auf seine Italowestern-Rollen

Zum 100. Geburtstag von Klaus Kinski: Genial gespielt oder unfreiwillig komisch?

Veröffentlicht:

von Antje Wessels

Für Autorin Antje Wessels lässt sich am Italowestern "Für ein paar Dollar mehr" gut erklären, was an Klaus Kinskis Schauspiel so faszinierend ist.

Bild: picture alliance / Mary Evans/AF Archive/Richter | Mary Evans/AF Archive/Richter; picture-alliance / Mary Evans Picture Library | -


Was damals finster und bedrohlich wirken sollte, sorgt heute mitunter für ein Schmunzeln: Klaus Kinskis exzentrisches Schauspiel entwickelt in manchen Italowestern eine überraschende Komik. Anlässlich seines 100. Geburtstags hat sich Filmkritikerin Antje einige seiner Auftritte noch einmal angesehen.

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Am 18. Oktober wäre Schauspieler Klaus Kinski 100 Jahre alt geworden. In Erinnerung geblieben ist er aber nicht nur durch seine exzentrische Persönlichkeit, sondern durch zahlreiche, markante Filmauftritte. Vor allem im Genre des Italowestern blieb Kinski mit seinen Bösewichtrollen in Erinnerung, in denen er allein durch seine starre Mimik, eine unberechenbare Ausstrahlung und eine bisweilen grotesk übersteigerte Präsenz bedrohlich wirken konnte. Aber wie ist das eigentlich aus heutiger Sicht? Funktionieren diese Filme noch immer, oder ist manches davon inzwischen tatsächlich eher unfreiwillig komischer Natur? Ich habe mir ein paar seiner Filme herausgesucht, um dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Erlebe Klaus Kinski als Schurke

Schau jetzt "Für ein paar Dollar mehr"

Klaus Kinski: Der schmale Grat zwischen Wahnsinn und Komik

Bis vor kurzem war mir gar nicht so bewusst, was für eine große Rolle Klaus Kinski insbesondere im Italowestern der Sechziger- und Siebzigerjahre einnahm. Dabei war das Genre ja eigentlich wie für ihn und seine Art der Rollenverkörperung prädestiniert. Wir alle erinnern uns bis heute an seine kaum zu kontrollierende Art des Schauspiels, mit der er selbst dann noch Aufmerksamkeit auf sich zog, wenn Kinski gar nicht im Mittelpunkt stand. Zumindest auf mich wirkt das bis heute auch einschüchternd.

Es kann aber auch eine ganz eigene Komik entwickeln. Denn wenn Kinskis ohnehin extreme Gestik und Mimik auf eine Welt trifft, in der auch die anderen Figuren große Gesten und dramatische Auftritte zelebrieren, kann das schnell ins Absurde kippen. Was seinerzeit düster und bedrohlich gedacht war, wirkt aus heutiger Sicht dann mitunter übertrieben.

Doch Kinski auf seine überzeichneten Gesten und seinen finsteren Blick zu reduzieren, würde seiner schauspielerischen Leistung auch aus heutiger Sicht nicht gerecht. Schließlich war der Italowestern ohnehin ein Genre, das von großen Gesten lebt. Und Klaus Kinski verstand es nun mal wie nur wenige andere, diese für sich zu nutzen. In "Für ein paar Dollar mehr" etwa genügt oft schon sein starrer Blick, um als der unheimliche "Bucklige" eine bedrohliche Präsenz zu entfalten. Dadurch finde ich auch weniger die Frage spannend, ob diese Filme überhaupt noch unterhaltsam sind. Ich finde es viel interessanter, zu schauen, ob die Filme heute noch dieselben Emotionen auslösen wie damals.

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"Die deutsche Sprache ist eine der schönsten und ausdrucksvollsten aller Sprachen - wenn man sich ihrer Kraft bedient! Ich verlange die Freiheit, die ein Schriftsteller, ja ein Dichter für sich in Anspruch nimmt.

Aus der Einleitung von Klaus Kinskis Autobiografie "Ich brauche Liebe" von 1991.

Klaus Kinski im Italowestern: Zwischen finsteren Blicke und schrägen Helden

Besonders spannend wird es, wenn man sich die Filme heute einmal im direkten Vergleich anschaut. In "Für ein paar Dollar mehr" von 1965 ist Kinski als wortkarger, unheimlicher Schurke („Der Buckelige“) Teil eines Italowesterns, der seine Spannung vor allem aus den Figuren und der Inszenierung zieht. Kinskis Auftritt ist beeindruckend, zum Lachen ist er allerdings nicht. Vielmehr zeigt sich bei diesem Film, wie gut er mit seiner bloßen Präsenz Unbehagen erzeugen konnte. Dass uns manche dieser Gesten heute ein wenig übertrieben erscheinen, ist dabei nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass sie ihre Wirkung verloren haben. Schließlich haben sich unsere Sehgewohnheiten seit den Sechzigerjahren erheblich verändert.

Ganz anders sieht es aus, wenn wir den Blick auf Kinskis spätere Arbeiten richten. Filme wie "Nobody ist der Größte" (1975) bewegen sich bereits stärker in Richtung Westernkomödie und spielen bewusst mit den bekannten Klischees des Genres. Hier stellt sich die Frage nach der Komik also gleich auf mehreren Ebenen: Was ist tatsächlich als Gag gedacht? Was entsteht durch die überzeichneten Figuren und die Inszenierung? Und wo müssen wir heute vielleicht schmunzeln, weil die Vorstellungen von Coolness, Männlichkeit und filmischer Dramatik inzwischen ein wenig aus der Zeit gefallen wirken? Die Frage nach Kinskis heutiger Wirkung lässt sich also kaum auf eine klare Antwort reduzieren.

Kinski als überheblicher Schurke Doc Forster

Schau jetzt "Nobody ist der Größte"

Gar nicht so eindeutig: Wie witzig sind Klaus-Kinski-Filme heute noch?

Unterm Strich sehe ich es daher so: Klaus Kinski ist auch 2026 noch ein Schauspieler, dem man sich nur schwer entziehen kann. Seine Auftritte sind nicht zwangsläufig komisch. Trotzdem entfalten sie heute bisweilen eine ganz eigene Komik. Ob wir dabei tatsächlich über Kinski lachen oder vielmehr über die überzeichneten Vorstellungen von Männlichkeit und filmischer Dramatik, die seine Western transportieren, lässt sich nicht immer eindeutig beantworten. Kinski mag nicht immer so wirken, wie es seinerzeit beabsichtigt war, langweilig wird es mit ihm aber garantiert nicht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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