Gelobt, gehandelt, gestrichen

Nicht eingeladen zur größten Filmparty des Jahres: Die Oscar-Snubs 2026

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von Antje Wessels

"The Testament of Ann Lee" (2025), "After the Hunt" (2025), "In die Sonne schauen" (2025) sind dieses Jahr leer ausgegangen.

Bild: picture alliance / Everett Collection


Monatelang galten sie als feste Größen im Oscar-Rennen, nun fehlen ihre Namen auf den Nominierungslisten. Trotz Festivalerfolgen, Kritikerlob und prominenter Kampagnen reichte es für manche Kandidaten am Ende nicht. Ein Blick auf die größten Snubs zeigt, wie unberechenbar die Academy auch 2026 geblieben ist.

Die sogenannten "Oscar-Snubs" gehören am Tag der Bekanntgabe seit jeher zur Kehrseite der Nominierungen. Sie entstehen dort, wo die Erwartungen und Prognosen schließlich auf die Abstimmungsergebnisse der Academy treffen. Insbesondere in einem so dicht besetzten Feld wie in diesem Jahr zeigt sich erneut, wie unberechenbar vermeintliche Favoritenrollen sein können. Nicht jede gefeierte Festivalpremiere, nicht jede prominente Kampagne und nicht jedes Kritikerlob ergeben automatisch eine Nominierung. Am Ende entscheiden oft Nuancen wie das richtige Timing, Genrevorlieben oder auch interne Studiokonkurrenz, welche Filme im entscheidenden Moment die meisten Stimmen erhalten.

Die Oscar-Snubs 2026: Das sagt das Internet

Schon kurz nach der Bekanntgabe begann für viele Filmfans der Blick auf jene Kandidat:innen, die es in diesem Jahr zu keiner Nominierung gebracht haben. Besonders häufig diskutiert wird das komplette Ausbleiben des Musicals "Wicked: Teil 2", das im Vorfeld als nahezu sichere Größe in mehreren Kategorien galt. Nicht zuletzt, weil der erste Teil im letzten Jahr ganze zehn Nominierungen (und zwei Siege) für sich verbuchen konnte. Trotz einer großen Studio-Offensive und kommerziellem Erfolg waren es möglicherweise die allenfalls soliden Kritiken, die dafür sorgten, dass sich das Fantasy-Sequel in keiner zentralen Kategorie behaupten konnte. In vielen Kommentaren und Analysen wird außerdem von einer generellen Zurückhaltung der Academy gegenüber großen Franchise-Fortsetzungen gesprochen.

Im Herbst 2025 kam hierzulande der zweite Teil von "Wicked" in die Kinos. Die Fortsetzung galt lange als heißer Kandidat für die Oscars 2026.

Bild: IMAGO/Landmark Media


Ebenfalls breit thematisiert wird das Fehlen einzelner Schauspielnominierungen. Allen voran Paul Mescal für "Hamnet". Während der Film selbst mit acht Nominierungen zu den wichtigsten Oscar-Titeln des Jahres zählt, sorgt Mescals Abwesenheit für Irritationen. Vor allem deshalb, da seine Performance ein starkes emotionales Gegengewicht zur favorisierten Jessie Buckley bildet. Online wird dieses Ungleichgewicht als klassischer "Schauspiel-Snub" gelesen: also eine gefeierte Performance, die im Schatten eines starken Ensembles und einer noch dominanteren Hauptrolle untergeht. Dasselbe gilt übrigens auch für Jeremy Allen Whites Darstellung des "Bosses" in "Springsteen: Deliver me from Nowhere", was eventuell auf eine wachsende Biopic-Müdigkeit hindeuten könnte.

Darüber hinaus tauchen in der Online-Debatte immer wieder zwei Titel auf, deren komplette Abwesenheit ebenfalls irritiert. Zum einen "Jay Kelly", der nach seiner gefeierten Festivalpremiere sowie Berücksichtigung bei den Golden Globes lange als Prestigeprojekt mit sicheren Oscar-Chancen gehandelt wurde. Ähnlich überrascht zeigt sich das Netz über "No Other Choice": Das kompromisslose Drama wurde von Kritiker:innen früh als einer der formal spannendsten Filme des Jahres gefeiert und blieb auch bei den großen Vorläuferpreisen präsent. Trotzdem findet er sich nun in keiner Kategorie wieder.


Die Oscar-Snubs 2026: Das sage ich

Manche der ausgebliebenen Nominierungen könnten mir persönlich nicht egaler sein. "Jay Kelly" fand ich stinklangweilig, "No Other Choice" lässt für mich die satirische Schärfe artverwandter Filme wie "Parasite" vermissen und "Wicked: Teil 2" war eben einfach nicht so gut wie der erste. Meine Erschütterung richtet sich auf andere Kandidat:innen. Vor allem in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin", in der ich gleich drei große Namen vermisse. Ganz vorne mit dabei: Amanda Seyfried. Im historischen Musical "The Testament of Ann Lee" zeigt sie sich so gut wie nie. Ich habe während des Films mehrfach Tränen vergossen. Nicht wegen dem, was um sie herum passiert. Sondern einfach, weil der "Mamma Mia"-Star einfach so verdammt gut ist. Ihre intensive, körperlich wie emotional fordernde Performance wurde früh als klassischer Academy-Favorit gehandelt, verschwindet nun jedoch vollständig aus dem Rennen. Genauso wie der ganze Film.

Wo ist Amanda? Für mich gab es in diesem Jahr keine bessere Schauspielleistung im Kino zu sehen.

Bild: Landmark Media


Es sollte mich ja eigentlich nicht überraschen. Trotzdem hatte ich bis zum Schluss gehofft, dass die Academy ein Einsehen hat und Julia Roberts für "After the Hunt" nominiert. Doch wie ich es bereits in frühen Prognosen vermutet hatte, dürfte es die ultrakomplexe, durch und durch unsympathische Rolle gewesen sein, die ihr die Chancen auf einen Preis verbaut hat. Auch Rebecca Ferguson bleibt für den von mir sehr geschätzten Netflix-Thriller "A House of Dynamite" unberücksichtigt. Eine Entscheidung, die ich mir mit der sperrigen Tonlage des Films erkläre.

Und wenn ich sowieso gerade dabei bin: Zwar befand sie sich im Vorfeld ohnehin nie im engeren Kreis möglicher Favorit:innen. Aber wenn es mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte Sally Hawkins für ihre Leistung im Horrorthriller "Bring Her Back" definitiv nominiert werden müssen. Eine derart aufopferungsvoll-intensive Performance sieht man auf der Leinwand selten.

Die Oscar-Snubs 2026: Zu guter Letzt

In diesem Jahr fällt mir besonders auf, wie wenig Raum die Academy für Werke lässt, die sich nicht sofort auf einen klaren Oscar-Nenner bringen lassen. Dass der deutsche Kandidat "In die Sonne schauen" in der Kategorie "Bester internationaler Film" fehlt, empfinde ich nicht etwa aus patriotischer Sicht als eine der größten verpassten Chancen. Der Film verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und ein Mitdenken, das sich nicht in eine schnelle Kampagnenbotschaft übersetzen lässt. Möglicherweise ist er genau hieran gescheitert. In dieser Abwesenheit bündelt sich für mich vieles, was die Oscar-Snubs 2026 ausmacht: die Bevorzugung klarer Strukturen und Narrative, die Scheu vor Ambivalenz und die Schwierigkeit, leise Filme im lauten Wettbewerb sichtbar zu halten. Aber wie immer erzählen die Nominierungen selten von objektiver Qualität. Viel häufiger sind sie Ausdruck von Statements und strukturellen Entscheidungen der Academy.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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