"Ich bin komplett anders geworden"
"Rechtsanwalt Vernau"-Star Kida Khodr Ramadan: Darum war er im Gefängnis
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von teleschauKlartext mit dem Anwalt: Der zwielichtige Unternehmer Adil Kalaman (Kida Khodr Ramadan, links) erzählt Titelfigur Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) in "Requiem für einen Freund", was Sache ist.
Bild: ZDF / Conny Klein
Hart, kompromisslos - aber irgendwie auch großherzig: In solchen Rollen spielt Kida Khodr Ramadan vielleicht ein bisschen sich selbst. Der im Libanon geborene Schauspieler hat bewegte Jahre mit Therapie und Gefängnisaufenthalt hinter sich.
Sieh Kida Khodr Ramadan in "Rechtsanwalt Vernau" im ZDF-Livestream auf Joyn
Zur Begrüßung ein Leberhaken: So lernt Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) in der gleichnamigen Krimiserie den zwielichtigen Adil Kalaman (Kida Khodr Ramadan) kennen. Offenbar ist Vernaus Kumpel Sebastian Marquardt (August Zirner) in krumme Geschäfte verwickelt. Der knallharte Kalaman gibt Vernau 48 Stunden Zeit, um seinen verschwundenen Freund aufzuspüren und dessen Schulden zu begleichen. Sonst? Das kann man sich bei der Körpersprache ausmalen.
In der Episode "Requiem für einen Freund" ist Kida Khodr Ramadan in einer wichtigen Nebenrolle zu sehen. Er verkörpert den undurchsichtigen Geschäftsmann. Man nimmt Adil ab, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Und dass er ein Gespür dafür hat, auf wen er sich verlassen kann. Der Krimi von 2021 läuft am 1. Juni im ZDF.
Kida Khodr Ramadan: "Die Straße war meine Schauspielschule"
Seit 2002 ist der gebürtige Libanese im Filmgeschäft. 1976 in der Nähe von Beirut geboren, war Kida Khodr Ramadan da schon Mitte 20. Seine Familie war aus der Bürgerkriegsregion nach Berlin geflüchtet. "Wir sind dann dahin gegangen, wo wir zuerst ein Visum bekamen", verriet er 2008 in der Zeitung "Neues Deutschland".
Zu seinem jetzigen Beruf kam er eher zufällig. Die Hector-Peterson-Gesamtschule in Kreuzberg verließ Ramadan ohne Abschluss. Er versuchte sich zunächst in der lokalen Hip-Hop- und Breakdance-Szene. Bis er bei einem Sommercamp für Berliner Jugendliche Neco Celik kennenlernte, den "Spike Lee von Kreuzberg", wie der Regisseur und Spezialist für Underground-Projekte bisweilen genannt wurde.
In Rollen zu schlüpfen, sei für ihn noch nie ein Problem gewesen, so Kida Khodr Ramadan. "Die Straße war meine Schauspielschule", erklärte er in "Neues Deutschland". "Wenn du aus einem schnieken Münchner Vorort kommst, kannst du noch so lange an der Theaterakademie studieren: Du bringst das Ghettokind aus Berlin oder Hamburg nicht überzeugend rüber." Im Fernsehfilm "Alltag" von Neco Celik hatte er 2003 seinen ersten Auftritt vor der Kamera.
Mit den Kinofilmen "Kebab Connection" (2004) und "Knallhart" (2006) schaffte Ramadan den dauerhaften Sprung ins Schauspielgeschäft.
Durchbruch mit der Serie "4 Blocks"
Nach vielen weiteren TV-Auftritten, etwa im "Tatort", wurde Kida Khodr Ramadan ab 2017 zum Star. In der Serie "4 Blocks" spielte er über drei Staffeln hinweg das Clan-Oberhaupt Ali "Toni" Hamady. 2018 gewann er den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Bester Schauspieler".
Auch in der ARD-Serie "Testo" verkörperte Ramadan 2024 und 2025 einen Kriminellen: den Freigänger Keko, der mit seinen Kumpels einen Banküberfall plant.
Kida Khodr Ramadan träumte schon früh von einer Karriere als Kino-Star.
Bild: SWR/Kundschafter Filmproduktion
"Sehr impulsiv, superlaunisch, cholerisch"
Zu diesem Zeitpunkt hatte der gebürtige Libanese auch privat einige Turbulenzen. Im Februar 2022 wurde Ramadan wegen mehrfachen Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt, ausgesetzt zu zwei Jahren Bewährung. Weil er eine ebenfalls fällige Geldstrafe nicht zahlte und erneut ohne Fahrerlaubnis fuhr, ging er im August 2024 für ein Jahr ins Gefängnis.
In dieser Phase sorgte auch die NDR-Doku "Gegen das Schweigen - Machtmissbrauch am Theater" für Aufsehen. Ramadan wurde von Mitarbeiter:innen am Set von "4 Blocks" für sein aufbrausendes Verhalten kritisiert. "Sehr impulsiv, superlaunisch, cholerisch", lautete unter anderem das Urteil einer nicht namentlich genannten Mitarbeiterin.
Noch während der Arbeit zur Doku ging Kida Khodr Ramadan an die Öffentlichkeit und kündigte an, sich in Therapie zu begeben. Dabei erklärte er auch, dass er sich für sein schlechtes Benehmen schäme. Er wisse, dass er "keine weiße Weste habe und ein frecher Junge aus Kreuzberg bin, der auch seine Fehler macht", sagte er im "Tagesspiegel". Über seine Zeit im Gefängnis sagte er: "Was ich mitgenommen habe, ist, dass ich da nie wieder sein will in meinem Leben." Er sei "komplett anders geworden", versicherte er dem Magazin "Der Spiegel". "Ich mache jetzt zum Beispiel Sport, lebe gesund."
Der Schauspieler privat: verheiratet, sechs Kinder, befreundet mit einem bekannten Kollegen
Kida Khodr Ramadan lebt mit seiner türkischen Frau Meryem und sechs Kindern in Berlin. Das Paar heiratete 1996. Seit dem gemeinsamen Dreh zur Serie "4 Blocks" ist Schauspieler Frederick Lau ("Das perfekte Geheimnis") einer seiner besten Freunde. 2018 erschien ihr gemeinsames Buch "Zusammen sind wir Könige. Was Männer zu Freunden macht".
Aktuell arbeitet der Schauspieler an einem neuen Projekt. Zusammen mit Comedian Kurt Krömer plant er eine Miniserie namens "Littis Fahrschule". Darin spielt Ramadan - nicht ganz ironiefrei - einen Fahrlehrer. In einem Interview mit der "Zeit" verriet er: "In jeder Folge soll es einen Cameo-Auftritt geben, einen Star". Benannt sei die Serie nach dem Fußballer Pierre Littbarski, von dem er ein großer Fan sei.
"Joachim Vernau - Requiem für einen Freund" läuft am Montag, 1. Juni um 20:15 Uhr im ZDF. Zur selben Zeit ist der Krimi im kostenlosen Livestream auf Joyn verfügbar.
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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