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Fan versus Neuling

Das "Frieren"-Rätsel: Warum zieht der Anime die einen in den Bann und lässt andere kalt?

Veröffentlicht:

von Nicola Schiller, Martin Haldenmair

Wie cool ist die Anime-Serie "Frieren"? Unsere Redakteur:innen Martin (l.) und Nicola (r.) haben da unterschiedliche Meinungen.

Bild: Kanehito Yamada, Tsukasa Abe/Shogakukan/ "Frieren"Project; Design Shop_stock.adobe.com; Privat (KI-generiert mit GPT Image)


Was macht den Anime-Hit "Frieren - nach dem Ende der Reise" wirklich aus? Nicola und Martin aus dem Joyn-Team sind sich uneinig. Vor dem Start der zweiten Staffel führen sie ein Streitgespräch über Magie, verwirrende Namen und Sympathie.

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Bald geht "Frieren" auf Joyn in die zweite Staffel. Grund genug, auf die Anfänge der Serie zurückzublicken, sowohl melancholisch als auch skeptisch. Redakteur Martin, der großer Fan ist, hat Redakteurin Nicola gebeten, in die Serie reinzuschauen. "Frieren"- und Anime-Fan versus Genre-Neuling lösen nun die Frage: Ist der Hype um die Serie berechtigt?

Martin: Und wie war's?

Nicola: Ganz ehrlich, schon der Titel hat mich verwirrt. Vorab habe ich mich wirklich gefragt "Wer friert denn da?" Dass es sich dabei um den Namen der Protagonistin handelt, konnte ja wirklich keiner ahnen.

Auch als ich dann mitbekommen habe, dass ihre Gang-Mitglieder und Abenteuerkumpels ebenso ungewöhnliche Namen wie Himmel, Eisen und Heiter tragen, wird mir die Sache noch nicht klar. Scheinbar geht's um Orte, Materialien und Stimmungen? Wie passt "Frieren" da rein? Ich bin (immer noch) verwirrt. Hast du eine Erklärung, Martin?

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Martin: Naja, Deutsch ist für Japaner eine ungewöhnliche Sprache, die etwas geheimnisvoll klingt. In japanischen Songs und Anime werden öfter mal Fremdsprachen mit dem japanischen Text gemischt, wahrscheinlich als Coolheitsfaktor. Eisen ist ein Zwerg, der mit einer Axt kämpft, Fern ist oft eher distanziert, Heiter sieht immer das Positive ... und ist oft gut gelaunt. Himmel, der Held, hat blaue Haare, ist sehr ruhig - und unerreichbar. Und Frieren ... ich denke, es hat damit zu tun, dass sie eigentlich - zumindest am Anfang der Geschichte - sehr einsam ist. Sie wirkt kalt, schließt keine enge Freundschaft mit ihrer Heldentruppe und am Ende leidet sie selbst unter dieser Kälte.

Und sonst so?

Einigkeit: Bei Animationen und Musik

Nicola: Das Intro finde ich wirklich super! Ich verstehe zwar nichts, weder was ich höre noch was ich sehe, aber der Titelsong hat echt Ohrwurm-Potenzial und klingt für mich wie eine geile Mischung aus dem "Kim Possible"-Theme und dem K-Pop-Hit "Golden".

Martin: Geht mir auch so. Ich mag außerdem das Ending unglaublich gern. Auch in der zweiten Staffel gibt es einen tollen Abspann mit richtig schöner Animation.

Nicola: Ja, der Animations-Stil gefällt mir. Alles ist sehr satt, bunt und hell. Die farbenfrohe Gestaltung finde ich super! Auch den Mittelalter-Flair mit gemütlichen Fachwerkhäusern mag ich total.

Martin: Es ist richtig schön gezeichnet! Wobei ich nicht ganz sicher bin, ob dieses Fachwerk in der Realität stehen bleiben würde. (lacht)

Nicola: Das war's dann aber leider auch schon.

Martin: Moment, was?!

Der Kampf beginnt ... Passiert zu wenig?

Nicola: In Folge eins waren es für mich als Einsteigerin einfach zu viele Zeitsprünge. Frierens Reisen (ob mit oder ohne Clique) werden uns in flotten Montagen gezeigt. Teilweise vergehen währenddessen zehn, 20 oder sogar 50 Jahre. Da sie als Elfe aber nicht zu altern scheint, verstehe ich das als Zuschauerin erst dann, wenn ich ihre Mitreisenden sehe oder jemand ihre lange Abwesenheit anspricht.

Martin: Vielleicht sieht die Welt so aus ihrer Perspektive aus? Ein Wimpernschlag und 20 Jahre sind rum. Dass das für andere nicht normal ist, daran muss sie immer erinnert werden. Als sie in einer Folge zum Beispiel für zwei Jahre ins Gefängnis sollte, war ihre Reaktion, um Bücher zu bitten. Als ihre Gefährten protestierten, dass sie nicht so lange wartend auf sie rumhängen wollen, war sie eher verwundert. Sie hätte wohl gern mal etwas Zeit zum Lesen gehabt.

Nicola: Das bringt mich gleich zu meinem nächsten Punkt. Es passiert irgendwie ... nichts? Frieren scheint ja ein Abenteuer nach dem anderen zu erleben, scheinbar hat die Gruppe sogar einen krassen Dämonenkrieger besiegt und die Welt gerettet. Aber wir kriegen davon gar nichts mit! Warum nicht?

Martin: Wahrscheinlich habe ich als Anime-Veteran schon genug Dämonenkönige über den Jordan gehen sehen, dass mir das nichts ausmacht. Später gibt es immer wieder richtig tolle Action-Szenen mit auch wieder fantastischer Musik. Aber ...


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Nicola: Aber?

Martin: Aber die Kämpfe sind Nebensache. "Frieren" erzählt die Geschichte über all das, was du sonst weglassen würdest. Und das Geniale: Es funktioniert! Also für mich. Über die vielen kleinen Geschichten um Frieren und ihre Mitreisenden herum lerne ich ihre Welt kennen und über die Rückblenden zu Dingen, die Frieren vor 80 Jahren oder mehreren Jahrhunderten erlebt hat, sehe ich, wie sich die Welt und Frieren verändert. Das macht's faszinierend, spannend und auch ein wenig melancholisch.

Nicola: Generell frage ich mich, wo diese Story noch hinführen soll?

Martin: Nach Norden. In die Region "Ende", wo die Seelen ruhen.

Nicola: Die Region "Ende", soso.

Martin: Das klingt vielleicht besser auf Japanisch ...

Fazit: Magst du Puzzlespiele und seltsame Leute, wirst du die Serie lieben

Nicola: Sache ist: Mir ist echt egal, wie es mit Frieren und Fern und wem auch immer weitergeht.

Martin: "Das ist nicht sehr nett", würde Heiter sagen.

Nicola: Was ich meine: Wie soll ich Sympathie für die Protagonist:innen entwickeln, wenn ich nichts von ihnen sehe?

Martin: Wie kalt! Bist du vielleicht Frieren in Verkleidung? In 100 Jahren, wenn es die Serie nirgendwo mehr gibt, wird dir dein Urteil sehr leid tun.

Aber ja, es stimmt schon. Sympathie spielt eine große Rolle. Wahrscheinlich bei allen Geschichten. Wenn mich die Figuren interessieren, ich sie mag, folge ich ihnen auch durch ziemlich seltsame Storys. Wenn sie mich kaltlassen: Pech. Mich hat "Frieren" gepackt.

Ich mag diese seltsame Elfe, die, was Magie betrifft, eine absolute Meisterin ist und so viel vom normalen Leben nicht auf die Reihe bekommt. Ich respektiere außerdem immens, dass sie es jahrhundertelang vermieden hat, früh am Morgen aufzustehen.

Ich find's toll, dass ich nie sicher sein kann, worum es in einer Folge wirklich gehen wird: Der Kampf gegen einen Drachen oder die Größe des Eisbechers, den sich der Drachenkämpfer danach bestellt? Egal, ich bin bei beidem dabei, weil all diese Splitter von Geschichten Facetten einer Welt sind, die ich kennenlernen will. Ich will das zusammenpuzzeln. Aber ja, diese ungewöhnliche Storystruktur muss einen catchen.

Nicola: Ich seh schon, dich hat's gecatcht und du bleibst die nächsten hundert Jahre in Frierens Welt.

Martin: Und schaue alle zehn Jahre bei dir vorbei, ob's dir inzwischen nicht doch gefällt.

Nicola: Na gut, vielleicht gebe ich der Serie noch eine zweite Chance. Es könnte ja durchaus sein, dass es mehr als zwei Folgen braucht, um wie Martin von Frierens Magie verzaubert zu werden. Und selbst wenn nicht, dann mache ich einfach mit dem nächsten Anime auf Joyn weiter.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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