Experten-Check
Wie realistisch ist "In aller Freundschaft"? Ein echter Arzt bewertet Herztransplantation
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von Martin MeyerDr. Roland Heilmann (Thomas Rühmann, l.) und Samira Steffens (Sarah Alles) versuchen, Jakob Heilmann (Karsten Kühn) Mut zu machen.
Bild: MDR/Saxonia Media/Sebastian Kiss
Ist in Arztserien alles fake? Als Laie kann man das nur schwer einschätzen. Nun hat ein Herzchirurg für die Rheinische Post eine Folge "In aller Freundschaft" auseinandergenommen und viele Fehler entdeckt.
"In aller Freundschaft" läuft dienstags um 21 Uhr
Einiges ist korrekt recherchiert, vieles aber auch falsch und total unrealistisch.
Professor Dr. Udo Boeken erklärt, was bei "In aller Freundschaft" nicht stimmt
Viele Zuschauer:innen haben schon vermutet, dass in fiktiven Serien oft nicht alles ganz korrekt dargestellt. Jetzt hat ein Mediziner das anhand der ARD-Serie "In aller Freundschaft" bestätigt. Professor Dr. med Udo Boeken gab gegenüber der Rheinischen Post eine Einschätzung zu einer besonders spannenden Folge. Boeken ist Oberarzt und Bereichsleiter "Herztransplantation / Herzinsuffizienz" der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum in Düsseldorf.
Arztserie dramatisiert und beschleunigt die Abläufe
In der betrachteten Folge 1132 bekommt Jakob Heilmann das Herz von Maria Weber transplantiert. Eine hochdramatische Geschichte. Sogar etwas zu dramatisch, wie der echte Mediziner Professor Dr. Boeken erklärt.
Jakob hat ein linksventrikuläres Herzunterstützungssystem (LVAD), das seinem Herzen hilft, genug Blut durch den Körper zu pumpen. Als dieses LVAD einen Infekt hervorruft, diagnostizieren die Ärzte, dass er nur noch Stunden zu leben habe. So ein Fall sei zwar "durchaus lebensbedrohlich, aber in der Regel führt sie nicht zum Tod in wenigen Stunden oder auch Tagen. Das lässt sich mit Antibiotika und auch Blutverdünnung meist gut unter Kontrolle halten." Boeken bezweifelt, dass der kurze Zeitraum in der Serie realistisch ist und erklärt: "Solche Patienten warten bei uns in der Uniklinik oft Monate im Status HU (high urgent = sehr dringend)."
Der Status auf der Warteliste für Organempfänger bringt einen weiteren Fehler in der Serie. Dort genügt ein Anruf, damit Jakob als "sehr dringend" auf die Liste kommt, um möglichst schnell ein Ersatzorgan zu erhalten. Der Ablauf ist laut Boeken in Wirklichkeit aber viel komplizierter: "Das geht nie per Telefon, sondern immer per Eingabe vieler Parameter in eine Datenbank bei Eurotransplant. Ebenso funktioniert die Status-Höherstufung auch nur mit Eingaben und Mail-Übermittlung; danach gibt es eine mehrstündige Begutachtung durch drei Auditoren."
Ähnlich verhält es sich später mit der Entnahme des Spenderherzens. Das sei ebenfalls sehr verkürzt und vereinfacht dargestellt worden. Was in der Serie in einigen Momenten gezeigt wird, erfordert in Wirklichkeit sehr ausführliche Prüfungen aller Dokumente und medizinischer Daten.
Sogar das Spenderherz selbst hätte Jakob in Wirklichkeit wohl nie bekommen, da es nicht gut für ihn geeignet wäre. Der echte Arzt erklärt: "Normalerweise würde man für einen großen kräftigen männlichen Empfänger, zumal mit LVAD, niemals ein Spenderherz einer zierlichen weiblichen Spenderin nehmen. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Größen-Mismatch, das geht meist schief."
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Unser Fazit: Ein bisschen fake ist in Ordnung
Es gibt also einige Vereinfachungen und Ungenauigkeiten in der Arztserie. Dennoch ziehen wir ein eher positives Fazit.
Dass langwierige Prüfungsprozesse deutlich verkürzt dargestellt werden, ist verständlich. Schließlich soll die Serie unterhalten und wer will da schon stundenlange Prüfverfahren sehen? Andere Ungenauigkeiten wie die sehr kurze verbleibende Lebensdauer von Jakob wurden sicherlich so gewählt, um der Folge mehr Tempo zu verleihen. Wer sich nicht darüber aufregt, dass in Action-Filmen die Bomben immer in der allerletzten Sekunde entschärft werden, sollte sich auch hier nicht beschweren.
Wenn man nicht alles zu ernst nimmt und jedes Detail überprüft, kann man sich besser auf die emotionalen Geschichten einlassen. Realismus ist hier nicht das Ziel, sondern gutes Fernsehen. Zwischen Diagnose und Drama nimmt es die Serie nicht immer genau - unterhaltsam bleibt sie trotzdem.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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