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Exklusives Joyn-Interview

"Morlock Motors" Inside: 13 gut geölte Fragen an Werkstatt-Leiter Ingo

Veröffentlicht:

von Andreas Ilmberger

Ingo ist der Herr der Schrauben und Ersatzteile in der Werkstatt von Morlock Motors.

Bild: Joyn


Joyn BTS stellte dem Werkstatt-Team von Morlock Motors ein paar persönliche Fragen sowie zum internen Arbeits-Alltag abseits dessen, was man sonst vor der Kamera so sieht. Und den Anfang macht natürlich Werksatt-Chef Ingo, der hier nicht nur jeden Mitarbeiter, sondern auch jede Schraube beim Vornamen kennt.

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Schon gesehen? "Morlock Motors - Big Deals im Westerwald" mit Michael Manousakis


Michaels engster Werkstatt-Mitarbeiter Ingo im Gespräch mit Joyn

Im Büro leitet Morlock-Boss Michael Manousakis die Geschicke seiner Firma, doch in der Werkstatt behält Ingo als sein verlängerter Arm das Geschehen im Überblick. Dort sieht er Dinge, die seinem Chef mitunter verborgen bleiben. Um so gespannter waren wir auf seine Antworten auf unsere Interview-Fragen. Und hier ist das Ergebnis.

Joyn: Ihr seid dank Morlock Motors in Eurem Leben schon so viel gefahren und geflogen. Welche Kiste war bislang das spektakulärste Fortbewegungsmittel?

Ingo: Das war wohl das Feuerwehrauto, das ich in Italien geholt habe. Dieser große Mac, das war schon gut.

Und so für mich in der Kindheit, als ich noch gar keinen Führerschein hatte und mit den Jungs hier nach Griechenland gefahren bin um dort Fahrzeuge abzuholen, das war natürlich etwas richtig Besonderes. Als ich dann 18 war, einen Führerschein hatte und selbst Autos aus dem Ausland überführen durfte, selber auf Achse fahren, das sind Erlebnisse, die vergisst man einfach nicht.

Egal ob Schiene, Kette und Räder, ich bin schon alles gefahren in meinem Leben.

Ingo

Joyn: Welches Fahrzeug oder Flugzeug steht noch auf der persönlichen Wunschliste?

Ingo: Egal ob Schiene, Kette und Räder, ich bin schon alles gefahren in meinem Leben. Sei es bei irgendwelchen Vereinen als Heizer einer Dampflok oder sonst wo. Eigentlich gibt es nichts, was ich noch unbedingt bewegen muss. Vielleicht mal ein paar Meter mit einem Braunkohle-Bagger fahren, das habe ich noch nie gemacht.

Joyn: Das Gelände von Morlock Motors ist mit riesigen 28.000 Quadratmeter größer wie vier Fußballfelder zusammen. Gibt es dort Ecken und Winkel, wo man sich allein gar nicht mehr hin traut?

Ingo: Ins Büro, weil da sitzt der Chef und wo der Chef ist, gibt es immer tolle Ideen. Das heißt, wenn du ins Büro gehst und willst der Chef irgendwas fragen, dann kommst du ohne Antwort raus und hast dafür fünf neue Aufgaben aufgebrummt bekommen.

Joyn: Kann man für die am Hof befindlichen Fahrzeuge einen Wert schätzen und wenn ja, wie hoch liegt er wohl?

Ingo: Also, vor 20 Jahren wäre das weit in die Millionen reingegangen. Verkaufswert, nicht Einkaufswert. Aber es ist schwer zu sagen, es sind halt unterschiedliche Werte. Wir haben Fahrzeuge hier stehen, die kann man einfach nur noch klein machen und in den Schrottcontainer werfen, weil sie nichts mehr wert sind. Aber wir haben auch Fahrzeuge, wenn der richtige Kunde dafür kommt, dann legt der einfach mal 50.000 € auf den Tisch.

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Wir haben hier schon Reisebusse vor der Tür stehen gehabt.

Ingo

Joyn: Wie viele Staffeln von "Steel Buddies" und "Morlock Motors" hat es gedauert, bis die Morlock-Werkstatt in Peterslahr zu einem Pilgerort von Fans und Motor-Nerds wurde?

Ingo: So nach der zweiten oder dritten Staffel. Da fing das an, dass hier tatsächlich die Leute ankamen und das alles mal live sehen wollten. Wir haben hier schon Reisebusse vor der Tür stehen gehabt.

Joyn: Wenn der Chef mit einem neuen 'Schnäppchen' um die Ecke kommt: Ist das Zittern in den Händen dann pure Vorfreude oder ein Warnsignal des Nervensystems?“

Ingo: Der Riesenvorteil ist, dass wir das alle nicht so richtig mitbekommen, wenn der Chef ein neues Schnäppchen hat. Da kommt ein LKW mit irgendeiner Ladung an und wir laden das dann aus. Dann wird erst mal begutachtet, ob er was Tolles gekauft hat oder man denkt sich "Ach du Scheiße!".

Joyn: Michael kauft immer wieder riesige Mengen an Schrott und Ersatzteilen ein. Wie viel Prozent ist dabei eigentlich strategische Planung und wie viel ist es reines Jagdfieber eines Sammlers?

Ingo: Wenn Michael große Ersatzteil-Konvolute kauft, dann ist das wirklich gut überdacht. Der schleppt nicht irgendeinen Müll an Ersatzteilen an, was keiner braucht. Die Ersatzteil-Konvolute für Fahrzeuge, die hier ankommen, sind immer wirklich Sachen, die wir auch benötigen. Es ist noch nie vorgekommen, dass der loszieht und bewusst Scheiße kauft.

Joyn: Wie oft am Tag muss das Mechaniker-Team Michael erklären, dass Physik leider auch im Westerwald gilt?

Ingo: Welche Physik?

Joyn: Banausen sehen in dem Betriebsgelände hier in Peterslahr vermutlich nur Blech, aber ist dieses Anwesen nicht eigentlich ein lebendes Archiv der Industriegeschichte, das man kuratieren sollte?

Ingo: Ich hab mit Michael einmal eine Diskussion geführt über Fahrzeuge, die verschrottet werden müssen. Da bin ich mit ihm mit dem Rotstift hier durchgegangen. Und da war ein ganz, ganz seltenes, großes Arbeitsgerät. Da habe ich gesagt, das Ding muss klein gebrannt werden und weg, das werden wir nie verkaufen. Michael gab mir Recht, wir haben das klein gebrannt und auf gut Deutsch gesagt verschrottet.

Eine Woche danach kommt ein Kunde den Berg hoch, der genauso ein Teil gesucht hat. Das hab ich Michael natürlich auch nicht verschwiegen und sagte ihm, ich werde dir nie wieder ins Gewissen reden, was verschrottet werden muss.

Joyn: Gibt es ein Fahrzeug hier auf dem Hof, von dem sich Michael emotional niemals trennen würde, egal wie hoch das Gebot ist?“

Ingo: Nein, der Chef ist ein Händler und verkauft alles. Wenn einer kommt, der seine heilige DC-3 kaufen will und das passende Gebot abgibt, dann ist das Ding auch weg.

Das ist aber bei jedem so! Ich habe auch einen gigantischen Fuhrpark zu Hause und wenn einer kommt und bietet mir horrende Mengen an Kohle für ein Fahrzeug, dann wechselt das den Besitzer. Du musst das so sehen, dass du dann viel Geld in der Tasche hast und dir einfach ein anderes Spielzeug dafür kaufen kannst.

Joyn: Kommen wir zum Thema Ersatzteile: Existiert dafür eigentlich so etwas wie ein digitales Warensystem oder basiert das Wissen über den Standort jeder Schraube auf kollektivem Gedächtnis?

Ingo: Der Chef schwärmt seit fünf Jahren von einer tollen App und will die auch ins Leben rufen, aber sie läuft halt immer noch nicht. Wenn ich was brauche, weiß ich es entweder selber, wo das Teil zu finden ist, oder ich frag Alex oder Bogdan, die haben ziemlich viel Ahnung, wo hier was liegt. In der EDV aufgenommen ist bis auf ein paar Motorkisten nichts. Das muss im Kopf sein.

Joyn: Welche Geschichte von diesem Hof wird eigentlich viel zu selten erzählt, weil sie nicht spektakulär genug für die Kamera ist, aber unabdingbar für das Morlock-Team?

Ingo: Wir bekommen manchmal Probearbeiter, da fällt man wirklich vom Glauben ab. Wir hatten schon Typen, die fuhren mit einem abgemeldeten Auto hier rum. Dann hatten wir welche, die begangen nach einem Unfall im tiefsten Winter Fahrerflucht und hauten mit dem Auto durch den Wald ab. Dann haben sie gemerkt, die Polizei könnte ja meine Schuhspuren sehen. Also warf der Blödmann seine Schuhe weg und kam dann hier als Probearbeiter barfuß im Tiefschnee an. Das sind natürlich so Menschen, die kommen nicht vor die Kamera und die sind hier auch nur zwei Tage am Arbeiten und werden sofort wieder ausgetauscht.

Manche landen auch durch eine Maßnahme hier, weil wir ja auch auf dem Arbeitsamt Stellenangebote ausschreiben. Die kommen aus dem Knast oder haben Geldautomaten  gesprengt und so Typen. Oder ich, ich geh hoch in den Pausenraum und da steht einer mit einem Joint in der Hand und guckt mich mit großen Augen an. Also das kanns du eigentlich nicht vor der Kamera bringen. Obwohl ich manchmal denke, das musst du einfach zeigen, das glaubt dir sonst keiner.

Joyn: Vor kurzem startete Michael auf YouTube einen Aufruf, dass er für die Werkstatt dringend gute Schrauber sucht. Was muss ein Mechaniker mitbringen, um hier länger als eine Probewoche zu überleben?

Ingo: Das Problem ist, dass sich das hier so eingebürgert hat, sich mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette irgendwo in eine Ecke zu verziehen um Zeit zu schinden. Das sollte man natürlich nicht machen. Und man muss natürlich ein gewisses Grundwissen haben. Es ist klar, wenn einer neu kommt, dass der jetzt nicht alles kann - könnte ich auch nicht. Aber er muss etwas können, wenn ich ihm Schritt für Schritt erkläre, wie er vorzugehen hat. Das reicht mir dann und ist schon mal besser, wie wenn hier ein Bäcker, ein Koch oder ein Metzger anfängt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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