Faktencheck
Nach "Polizeiruf 110": Wie realistisch ist der Fall über Abtreibungsgegner?
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von teleschau - Eric Leimann"Polizeiruf 110: Your Body, My Choice" mit Claudia Michelsen erzählt vom Mord an einer jungen Frau, die in einer Arztpraxis arbeitete, in der Frauen beraten werden, die ihre Schwangerschaft beenden wollen.
Bild: MDR/Britta Krehl
Im "Polizeiruf 110: Your Body, My Choice" mit Claudia Michelsen als Magdeburger Ermittlerin Doreen Brasch gerieten christliche Abtreibungsgegner:innen unter Verdacht, den Tod einer Praxis-Mitarbeiterin verursacht zu haben.
Der 8. März ist nicht nur Weltfrauentag, sondern 2026 auch ein Sonntag - und damit "Tatort"- respektive "Polizeiruf 110"-Tag im Ersten. Da passt es gut, dass ein Format, das in der DDR Anfang der 70er als Reaktion auf den westdeutschen "Tatort" aus der Taufe gehoben wurde. E sich gerne sozialen Fragen widmete, am Weltfrauentag einen sehr gesellschaftspolitischen Fall erzählt. Es ging diesmal um die Auseinandersetzung zwischen Abtreibungshelfer:innen und ihren Gegner:innen. Doch was ist eigentlich erlaubt in Sachen Schwangerschaftsabbruch in Deutschland - und gibt es solche Proteste vor Arzt-Praxen tatsächlich?
Welcher Fall wurde erzählt?
Eine junge Frau mit Migrationsgeschichte, die in einer gynäkologischen Praxis beschäftigt war, kam bei einem Fahrradunfall ums Leben. Es stellt sich heraus, dass die Bremsen ihres Rads manipuliert wurden. Das Opfer war der Frauenärztin Doro Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily) eng verbunden. Vor der Praxis der Ärztin demonstriert seit Längerem eine kleine Gruppe christlicher Abtreibungsgegner:innen. Ihr Wortführer beteuert gegenüber der Polizei, man setze sich ausschließlich friedlich für den Schutz ungeborenen Lebens ein. Doch stellt sich die Frage: Steckt die religiöse Gruppierung womöglich hinter dem Verbrechen?
Wie ist die Rechtslage in Deutschland?
In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch 1972 mit der sogenannten Fristenlösung deutlich liberalisiert. In Westdeutschland hingegen, wo Kirchen und religiöse Überzeugungen politisch größeren Einfluss hatten, gestaltete sich die Reform schwieriger: Mehrere Anläufe zur Neuregelung scheiterten. Erst seit 1995 gilt bundesweit die Regelung, dass ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich rechtswidrig ist, jedoch innerhalb der ersten zwölf Wochen nach einer verpflichtenden Beratung straffrei bleibt.
Gibt es in Deutschland aktive Abtreibungsgegner:innen?
Ja, es gibt in Deutschland eine aktive Szene von Abtreibungsgegner:innen, die sich selbst meist als Lebensschutz- oder Lebensrechts-Bewegung bezeichnet. Der Bundesverband Lebensrecht (BVL), ein Dachverband für rund 15 Lebensschutz-Gruppen, tritt öffentlich gegen Schwangerschaftsabbrüche, Sterbehilfe und bestimmte Reproduktionsmedizin auf. Er organisiert auch jährlich den "Marsch für das Leben". Die Lebensrechtsbewegung in Deutschland ist zahlenmäßig eine Minderheit, aber gut organisiert und besonders im konservativ‑christlichen Spektrum verankert.
Neben dem "Marsch für das Leben", der jährlich in Berlin stattfindet und zuletzt auch in Köln durch die Straßen ging, organisieren die Gruppen andere Demonstrationen, unternehmen politische Lobbyarbeit und auch Mahnwachen vor Praxen und Kliniken - so wie im Film. Gruppen wie "40 Tage für das Leben" beten und demonstrieren regelmäßig vor Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen oder beraten. Dabei muss betont werden, dass diese Demonstrationen - wie auch im Krimi - in der Regel still und ohne Bedrohung von Befürworter:innen von Schwangerschaftsabbrüchen stattfinden.
Wie geht es beim "Polizeiruf 110" in Magdeburg weiter?
Der nächste Fall aus Magdeburg wurde im November und Dezember 2025 gedreht und trägt den Arbeitstitel "Die Unerhörten". In einer Novembernacht wird Kriminalhauptkommissarin Brasch in Magdeburg brutal von einer Gruppe Jugendlicher attackiert. Kurz darauf stirbt ein obdachloser Mann durch ein Feuer. Als wenig später ein Kind mit schwerer Behinderung verschwindet, geraten dieselben Jugendlichen erneut in den Fokus der Ermittlungen.
Die Polizei steht unter Druck, denn die Verdächtigen sind einschlägig vorbestraft, ihre Taten dokumentiert, doch die Beweislage ist dünn. Während sich das Netz der Ermittlungen zuzieht, geraten nicht nur die Jugendlichen ins Visier. Im Fall von Christian Bach (Buch und Regie, "Polizeiruf 110: Monstermutter") geht es laut produzierendem MDR um "gesellschaftliche Vorurteile, familiäre Belastungen und institutionelle Grenzen". Ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest.
Bereit für mehr Krimi-Spannung?
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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