Kritik an ARD-Krimis
"Ins Alberne abgedriftet": Das stört Ex-"Tatort"-Star Rüdiger Wandel an der Krimireihe
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von Lars-Ole GrapVon 1992 bis 2007 ermittelten Rüdiger Wandel (l.) und Dietz-Werner Steck (r.) als Ermittler-Duo Günter Gächter und Ernst Bienzle.
Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb | Patrick Seeger
Rüdiger Wandel ermittelte 16 Jahre lang als Kommissar Günter Gächter an der Seite von Ernst Bienzle im Stuttgarter "Tatort" - eine Rolle, die ihn bundesweit bekannt machte. Mit der aktuellen Entwicklung der Krimireihe geht der Schauspieler und Regisseur inzwischen jedoch hart ins Gericht.
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Heute, 22:00 Uhr • Tatort
Bienzle und der Tod im Teig
90 Min
Rüdiger Wandel kritisiert den "Tatort" scharf: Münster-Krimi sei "ziemlich übel"
Besonders der Münsteraner "Tatort" sei nach seiner Einschätzung zu sehr "ins Alberne abgedriftet", wie der ehemalige "Tatort"-Star Rüdiger Wandel 2024 in einem Interview gegenüber "Main Echo" sagt. Dem Schauspieler zufolge habe sich in Münster der Wunsch nach mehr Humor verselbstständigt - eine Entwicklung, die er "ziemlich übel" findet. Seiner Wahrnehmung nach stehe nicht mehr der eigentliche Kriminalfall, sondern die komödiantische Selbstinszenierung der Hauptfiguren im Mittelpunkt. Diese Verschiebung sorge auch in sozialen Netzwerken für Unzufriedenheit.
Doch seine Kritik beschränkt sich nicht auf einen einzelnen Ableger. Generell würden die Drehbücher vieler Folgen der ARD-Krimireihe zunehmend beliebig, findet er. "Es geht da nicht mehr um den Fall", so der Schauspieler. Reißerische Stilmittel würden fälschlicherweise als Zeichen von Modernität missverstanden, tatsächlich gingen dadurch aber Substanz und Glaubwürdigkeit verloren. Vielen Geschichten fehle es an einer konsequenten Weiterentwicklung, und auch die Figuren blieben über die Handlung hinweg zu oft unausgereift.
"Wallander" als Vorbild
Als Gegenbeispiel führt er die schwedische Krimireihe "Wallander" an, in der die fortschreitende Demenzerkrankung der Hauptfigur schauspielerisch überzeugend umgesetzt worden sei. Ein solches Niveau vermisse er im deutschen Fernsehen immer mehr. Nach seiner Beobachtung seien es ohnehin eher kleinere Fernsehproduktionen, die inhaltlich wie darstellerisch die überzeugenderen Ergebnisse lieferten und nicht die großen, aufwendig produzierten Formate.
Auch dem Verlust an regionaler Verankerung steht Wandel kritisch gegenüber. Zu seiner aktiven Zeit habe man großen Wert auf lokale Authentizität gelegt, unter anderem durch engen Kontakt zur Polizei und zu Personen, die verdeckt ermittelt hatten. Diese Bodenhaftung fehle vielen heutigen "Tatort"-Produktionen. Positiv hebt er dagegen den Münchner und den Kölner "Tatort" hervor, denen es nach wie vor gelinge, ihrem jeweiligen regionalen Charakter treu zu bleiben.
Rüdiger Wandel verrät: Warum er nie Bienzles Nachfolger im "Tatort" wurde
Von 1992 bis 2007 spielte Rüdiger Wandel den Kommissarskollegen von Ernst Bienzle, verkörpert vom 2016 verstorbenen Dietz-Werner Steck. Insgesamt entstanden 24 Folgen mit dem Ermittler-Duo. Zustande kam die Rolle über Drehbuchautor Felix Huby, der Wandel zuvor in einem kabarettistischen Theaterstück über die 68er-Generation gesehen hatte und ihn dem damaligen SDR empfahl. Ursprünglich sei die Figur des Günter Gächter als großer, schlanker Typ aus Hamburg angelegt gewesen. Für die Verfilmung habe man sich dennoch für den kleineren, aus Berlin stammenden Wandel entschieden.
Den Kontrast zwischen dem bedächtigen, schwäbisch gefärbten Bienzle und dem eher impulsiven Gächter beschreibt Wandel als prägend für die Zusammenarbeit mit Steck - ein Wesenszug, der sich nach seinen Worten auch im persönlichen Umgang der beiden Schauspieler am Set widergespiegelt habe und für viel Heiterkeit gesorgt habe. Als sein damaliger Kollege ausstieg, sei eine Beförderung Gächters zum neuen Hauptkommissar nie ernsthaft im Raum gestanden. Sender wie Produktion hätten stattdessen bewusst auf einen personellen Neuanfang gesetzt, was Wandel im Rückblick nachvollziehen kann.
Noch immer erreichen ihn nach eigener Aussage monatlich mehrere Autogrammanfragen zu der Rolle, begünstigt auch durch die regelmäßigen Wiederholungen der Folgen im Fernsehen.
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Ex-"Tatort"-Star Rüdiger Wandel: Warum er seinen Ruhestand sorgenfrei genießen kann
Nach dem Ende seiner Zeit im Stuttgarter "Tatort" konzentrierte sich Rüdiger Wandel vor allem auf die Regiearbeit am Theater. Als Schauspieler tritt er nur noch selten in Erscheinung. Formal befindet er sich bereits im Ruhestand, einzelne Regieprojekte übernimmt er aber weiterhin, sofern sie ihn reizen
Finanziell sieht sich der Schauspieler eigenen Angaben zufolge gut abgesichert, da er als freischaffender Künstler frühzeitig für das Alter vorgesorgt habe. Ein Umstand, der angesichts wiederkehrender Berichte über Altersarmut in der Schauspielbranche keine Selbstverständlichkeit ist. Wichtiger als beruflicher Erfolg sei ihm dabei stets gewesen, mit der eigenen Lebenssituation zufrieden zu sein - eine Haltung, die er eigenen Worten zufolge auch an seine Kinder weitergegeben habe.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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