Verwandlungskünstler
Wie "Tatort"-Gaststar Max Giermann trotz Lampenfieber zur deutschen Comedy-Legende wurde
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von teleschauMax Giermann begeistert mit seinen Parodien von vielen Promis Millionen von Fans. Dabei war das alles gar nicht geplant.
Bild: 2025 Getty Images/Hannes Magerstaedt
Im "Tatort: Showtime" spielt Kult-Comedian Max Giermann die Gast-Hauptrolle. Er spielt sich quasi selbst: ein Entertainment-Genie, das in immer neue Rollen schlüpft. Einen Unterschied gibt's aber: In "Showtime" gerät Giermann unter Mordverdacht. Privat würde ihm das wohl nicht passieren.

Showtime
Max Giermann wurde zum Kult-Star, weil er Promis parodiert. Es gibt viele, die sagen, seine personifizierten Kopien seien besser als die imitierten Originale. Wenn man Giermann erlebt, wenn er den zwischen Genie und Wahnsinn pendelnden Schauspieler Klaus Kinski (1926-1991) als brodelnden Choleriker nachahmt oder Stefan Raab mit dem breitesten schmatzenden Grinsen seit Erfindung der Bockschokolade - dann kann man da nur zustimmen. Oder wenn er als Karl Lagerfeld daherschreitet, als Uli Hoeneß (oder Oliver Kahn) fußballerisch ausrastet, als Dieter Bohlen herumproletet oder als Robert Habeck oder Markus Lanz doziert. Denn Giermann kann sie alle!
Aber wehe, er soll ein Lied auf einer Bühne singen. Dann läuft er rot an. Das gestand er in einem Interview mit "Gala". Und "SWR1" offenbarte er: "Ich bin eigentlich nicht der Typ, der dafür gemacht ist, auf die Bühne zu gehen. Ich habe eine riesige Scheu davor." Der Mann, der mit seiner Comedy-Kunst Leute verlässlich innerhalb weniger Sekunden zum Lachen bringt, ob nun auf der Bühne oder in aufgezeichneten Sketches, hat Lampenfieber!
Am Sonntag, 12. April, ist Giermann zwar wieder in mehreren Rollen zu sehen, aber im ernsten Fach: In "Tatort: Showtime" spielt er den Kinder-TV-Star Frank Anders, der die Sendung "Sachen und Lachen" moderiert - und unter Mordverdacht gerät. Der Kölner "Tatort" läuft wie immer um 20:15 Uhr im Ersten und im ARD-Livestream kostenlos auf Joyn.
Max Giermann studierte mit Matthias Schweighöfer
Angst vor der großen Bühne? Vielleicht hat Giermann deshalb schon früh die Maskierung gewählt, wenn es ins Rampenlicht geht. Denn trotz aller Scheu vor der Öffentlichkeit stand für den Sohn der Kunsterzieher Peter und Gisela früh fest, "was Künstlerisches" machen zu wollen. In seiner Geburtsstadt Freiburg lernte er den aus Amerika stammenden Clown Georgo Peugot (eigentlich: George Kugler) kennen und machte einen Workshop.
Anfangs eher widerwillig: "Ich fand Clowns immer scheiße", offenbarte Giermann einst der "taz". Aber Peugot weckte Giermanns Feuer. Er erlernte das Handwerk der Clownerie, trat mit seinem Mentor unter dem Pseudonym Max Million auf und tourte mit Peugots Clownsgruppe "Comedy Kids". Als Peugot 2002 bei einem Autounfall ums Leben kam, führte Giermann die "Comedy Kids" sechs Jahre lang weiter.
Trotzdem zog es Giermann zu einem anderen Beruf: Mit 20 verließ er nach Abitur und Zivildienst die Heimatstadt Freiburg, um zu studieren. Er bewarb sich - eher zufällig - an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Die gilt, so schrieb "Welt", als so was wie "das Hogwarts der Schauspielschulen". Giermann sprach bei der Aufnahmeprüfung wegen eines Bänderrisses an Krücken vor und beeindruckte mit seinem Ehrgeiz die Dozent:innen. Er hauste in einer "Bude in Schöneberg, Erdgeschoss mit Kohleofen und ohne Dusche". Und duschte deshalb immer in der Schauspielschule, die damals auch Nina Hoss, Lars Eidinger und Matthias Schweighöfer besuchten.
Einst schwor sich Max Giermann: "Ich gehe nie zum Fernsehen"
Giermann wollte wirklich "ernsthafter" Schauspieler werden, hatte auch Theaterengagements und bekam gute Kritiken. "Ich wollte anspruchsvolles Theater machen, Klassiker auf die Bühne bringen", verriet er der "taz". Und: "Damals habe ich mir geschworen, dass ich niemals zum Fernsehen gehe." Das war 2001 - und kaum drei Jahre später wurde er wortbrüchig.
Er wurde zum Vorsprechen für die TV-Show "goXX" von und mit Oliver Welke eingeladen. Beim Casting parodierte er die legendäre "Weizenbier-Wutrede" von Fußballnationaltrainer Rudi Völler. Und wurde genommen. Das war der Durchbruch Richtung Parodien - und er war ungeplant. "Ich dachte, ich kann das überhaupt nicht. Ich konnte als Schüler nie Lehrer nachmachen oder so", gestand er "Welt" im Interview.
Und ob er das konnte! Obwohl "goXX" ein Flop war, wurden "Leute auf mich aufmerksam". 2005 ging es weiter zu "Frei Schnauze" und 2007 stieg er bei der ProSieben-Show "Switch Reloaded" ein - und wurde zum Kult-Star. Es regnete Auszeichnungen. Vier Deutsche Comedypreise, die Romy, Deutscher Fernsehpreis, Grimme-Preis. Zum Markenzeichen wurde seine Rolle als Klaus Kinski, in die er auch als Laudator bei Preisverleihungsgalas wie dem Deutschen Comedypreis (2015) oder der Goldenen Kamera (2016) schlüpfte - beide Clips wurde YouTube-Renner.
Seine Frau ist Max Giermann die "liebste Kritikerin"
Der menschliche Vulkan Kinski entspricht dabei null Giermanns Naturell: "Ich muss da aber ganz schön über meinen Schatten springen. Diese Rage und diese Wut habe ich gar nicht in mir", sagte er gegenüber "Welt". Privat liebt er es ruhig und unaufgeregt. Sein Privatleben hält er entsprechend auch weitgehend unter Verschluss.
Nach Jahren in Berlin und Köln lebt er seit Langem wieder in Freiburg und genießt dort die "heile Welt". Er ist seit 2012 verheiratet, hält seine Frau aber aus der Öffentlichkeit heraus. Über sie ist lediglich bekannt, so berichtete "News.de", dass sie nicht aus der Showbranche stammt. Giermann selbst verriet in der "AZ": "Sie ist niemand, der gern auf roten Teppichen umhergeht." Und: "Meine Frau hat auch überhaupt keine Ahnung von meinem Beruf, dadurch ist sie mir immer die liebste Kritikerin."
Giermann, der früher auch eine Karriere als Cartoonist für möglich hielt, malt seit Langem und stellt immer wieder seine Bilder aus. Darüber hinaus ist er Autor und veröffentlichte 2020 sein Buch "Ich bin was, was du nicht siehst".
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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