Hollywood-Diva?
Das schlimmste Interview aller Zeiten? Journalistin Silke Burmeister über ihre 15 Minuten mit Orlando Bloom
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von Silke BurmeisterDas Interview mit Orlando Bloom (r.) wird Silke Burmeister (l.) wohl nie vergessen (Bildcollage).
Bild: Privat (Silke Burmeister)
Ein verweigerter Handschlag. Ein mysteriöses Lächeln Jahre später. Und eine Lektion, die Star-Reporterin Silke Burmeister bis heute nicht vergessen hat. Was passierte beim Interview mit Orlando Bloom?
Es gibt Interviews, die mir wegen eines besonders lustigen Moments für immer im Gedächtnis bleiben. Dann gibt es Interviews, die man nie vergisst, weil man am Ende am liebsten im Erdboden versinken möchte. Und genau so ging es mir mit Orlando Bloom im Jahr 2011.
Von Wäsche zu Windeln
Ein paar Tage bevor ich den "Fluch der Karibik"-Star im "Four Seasons Hotel" in Beverly Hills interviewen durfte, traf ich bereits seine damalige Frau Miranda Kerr. Das Model stellte gerade eine neue "Victoria's Secret"-Kollektion vor, ich hatte die Chance, sie am roten Teppich zu sprechen.
Natürlich ging es zunächst um die neuen Dessous. Doch schon bald führte uns das Gespräch zu ihrer kleinen Familie. Ihr Sohn Flynn war gerade erst geboren. Sie erzählte, Orlando sei ein "großartiger Vater", stehe nachts mit auf und sei inzwischen sogar ein echter Profi beim Windelwechseln.
Die frischgebackenen Eltern Miranda Kerr und Orlando Bloom 2011 auf dem Filmfestival in New York.
Bild: IMAGO / PicturePerfect
Wann sind Promi-Fragen zu privat?
Besagter Super-Daddy war zu dem Zeitpunkt mit seinem Film "Die drei Musketiere" auf Pressetour. Auch ich sollte ihn später interviewen. Die perfekte Gelegenheit, Mirandas und Orlandos Interviews später in einem TV-Beitrag miteinander zu verbinden.
Ein paar Tage später schickte mir die Redaktion das Briefing für mein Interview mit Orlando Bloom. Darin standen drei Fragen zu "Die drei Musketiere" und bestimmt 30 über sein Privatleben. Ich scrollte durch den Fragenkatalog und dachte nur: "Puh ... das wird schwierig". Natürlich war mir klar, warum Familie ein Thema sein sollte. Miranda hatte diese Tür bereits geöffnet, und nun wollte die Redaktion natürlich auch hören, was Orlando dazu zu sagen hatte.
Zunächst ging es um die typischen Baby-Themen:
Wie hatte sich das Leben der beiden seit Flynns Geburt verändert?
Wie fanden sie sich als Familie im neuen Alltag zurecht?
Welche Herausforderungen brachte die erste Zeit mit Baby mit sich?
Bis dahin: alles noch nachvollziehbar. Dann wurde es deutlich persönlicher. Plötzlich sollte Orlando erzählen, was sich in ihrer Beziehung verändert habe, wie er die Veränderungen an Mirandas Körper nach der Schwangerschaft erlebt habe und wie er ihre Figur aus Sicht eines Mannes wahrnehme. Ich las die Fragen noch einmal von oben bis unten und dachte nur: "Wie soll ich das bloß elegant hinkommen?".
Orlando Bloom in seiner Rolle als Herzog von Buckingham in "Die Drei Musketiere".
Bild: imago/Cinema Publishers Collection
Jungredakteurin trifft Hollywood-Star
Damals stand ich noch ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit in Los Angeles. Jeder Drehtag fühlte sich wie eine Bewährungsprobe an. Ich wollte zeigen, dass ich gut vorbereitet war und auch mit den großen Hollywood-Stars umgehen konnte. Am wichtigsten war mir aber, dass sich das Interview natürlich anfühlte und nicht wie ein Verhör.
Kurz darauf saß ich Orlando Bloom gegenüber. Der damals 34-jährige Brite war durch "Herr der Ringe", und "Fluch der Karibik" längst eine anerkannte Größe in Hollywood. Und ganz ehrlich: Herzlicher hätte unser erstes Gespräch kaum beginnen können. Noch bevor die Kameras liefen, unterhielten wir uns über Bayern. Er hatte mehrere Wochen für "Die drei Musketiere" dort verbracht und wollte wissen, ob ich in Los Angeles lebte oder extra aus Deutschland eingeflogen war. Irgendwann fiel sein Blick auf meine roten High Heels, und er machte mir sogar ein Kompliment. Ich dachte nur: "Ach Silke, du hast dir ganz umsonst Sorgen gemacht".
Wir sprachen über den Film, seine Rolle als Duke von Buckingham und über lustige Ereignisse am Set. Dann kam der Teil des Gesprächs, vor dem ich mich seit Tagen gedrückt hatte. Ich wechselte zu den privaten Fragen und versuchte wirklich, jede einzelne so respektvoll wie möglich zu formulieren. Gleichzeitig wollte ich die lockere Stimmung nicht kaputtmachen. Ich rechnete eigentlich jeden Moment mit einem höflichen "Darüber möchte ich nicht sprechen" oder einem knappen "Next!".
15 Minuten mit Orlando Bloom
Aber Orlando Bloom ließ sich auf jede einzelne Frage ein. Er erzählte vom Vatersein, von schlaflosen Nächten, davon, wie sehr Flynn sein Leben verändert hatte und wie sie sich als Eltern gegenseitig unterstützten. Je persönlicher die Themen wurden, desto kürzer fielen seine Antworten aus. Sein Ton blieb aber freundlich. Dann waren unsere 15 Minuten auch schon vorbei. Für die Frage nach Mirandas Figur blieb zum Glück keine Zeit mehr.
Bei solchen Presseterminen läuft alles im Minutentakt. Vor der Tür wartet bereits der nächste Journalist, die nächste Journalistin. Überziehen ist keine Option. Ich bedankte mich, stand auf und streckte Orlando die Hand entgegen. Er blieb sitzen, schaute mich kurz an, blickte dann zur Seite und machte keine Anstalten, meine Hand zu nehmen.
Für einen Moment wusste ich überhaupt nicht, was ich tun sollte. Also zog ich meine Hand langsam wieder zurück, hauchte noch ein leises "Byeee …" und verließ den Raum. Auf dem Weg zum Hotelaufzug ging mir die Szene immer wieder durch den Kopf. War ich zu weit gegangen? Hatte ich eine Grenze überschritten? Oder hatte ich am Ende einfach nur meinen Job gemacht?
Viel Luft um nichts?
Nachdem ich das Material an die Redaktion geschickt hatte, sah ich ein paar Tage später den fertigen Fernseh-Clip. Die Interviews mit Miranda und Orlando passten wunderbar zusammen. Am Ende entstand ein sympathischer Beitrag über "Die drei Musketiere" und zwei Menschen, die gerade Eltern geworden waren. Niemand hätte geahnt, wie viele Gedanken ich mir während des Interviews gemacht hatte oder wie unangenehm sich der Abschied anfühlte.
Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass sich seine Reaktion gegen mich als Person richtete. Er hätte jede dieser Fragen jederzeit ablehnen können. Ich glaube sogar, dass er genau wusste, wie solche Interviews funktionieren, und dass ich an diesem Tag nicht nur meine eigenen Fragen mitbrachte, sondern auch die der Redaktion. Vielleicht hat er mir genau deshalb geholfen, meinen Job zu machen. Und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass er mir zum Schluss ein kleines Zeichen setzen wollte. Ob das tatsächlich seine Absicht war, werde ich nie erfahren.
Meine Lektion von Orlando Bloom
Dieses Interview hat auf jeden Fall etwas mit mir gemacht. Ich stelle auch heute noch persönliche Fragen. Fast jeder Film erzählt etwas über das Leben, und genau dort finde ich meistens den richtigen Einstieg. Manchmal spüre ich aber auch, dass eine Frage besser ungestellt bleibt.
Mein Ziel ist es, eine spannende Geschichte zu erzählen. Dafür brauche ich einen roten Faden. Vielleicht ist genau das die wichtigste Lektion, die ich aus diesem Interview mitgenommen habe: Gute Vorbereitung ist wichtig. Noch wichtiger ist das Gespür für den Menschen, der einem gegenübersitzt.
Tanken und lächeln
Jahre später bin ich Orlando übrigens völlig unerwartet an einer Tankstelle in Malibu begegnet. Ich war mit dem Auto unterwegs, er fuhr mit seinem Motorrad an die Zapfsäule neben mir und blieb dort stehen. Wir tankten eine Weile schweigend nebeneinander. Irgendwann schauten wir beide gleichzeitig auf. Er lächelte kurz zu mir herüber, ich lächelte zurück. Das war's.
Ob er sich an unser Interview erinnert hat? Sehr wahrscheinlich nicht. Ich dagegen habe es nie vergessen. Nicht wegen des Moments, in dem meine ausgestreckte Hand kurz in der Luft hing. Sondern wegen allem, was ich daraus gelernt habe.
Rückblickend war Orlando Bloom gar nicht mein unangenehmstes Interview. Es war vielmehr mein erster Hollywood-Wake-up-Call. Und manchmal denke ich einfach: Vielleicht fand er die roten Schuhe am Ende ja doch nicht mehr so gut.
Volle Ladung Orlando Bloom auf Joyn
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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