Ein neuer Fall

Kai Scheve: Diesen Berufsweg schlug der "Erzgebirgskrimi"-Star eigentlich ein

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von teleschau

Ein starkes Team: Robert Winkler (Kai Scheve) und Karina Szabo (Lara Mandoki) ermitteln im Fall "Mordholz".

Bild: ZDF/Armin Dierolf


Er zog zwar schon im Kindesalter nach Leipzig, aber seine Wurzeln liegen in der Region: Seit der zweiten Episode ermittelt der in Erlabrunn geborene Schauspieler in der beliebten ZDF-Krimireihe. Wie viel Robert Winkler steckt in Kai Scheve?


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Der Start in seine neue Hauptrolle als Kommissar war "sportlich", wie Kai Scheve vor zwei Jahren in einem Interview mit dem "Titel Kulturmagazin" verriet. "Ich war gerade in Irland mit meiner Familie in den Ferien", sagt er, als sein Agent ihn anrief. Es ging um den Part des Ermittlers in der ZDF-Reihe "Erzgebirgskrimi". Der bisherige Hauptdarsteller und die Produktionsfirma hatten sich kurzfristig getrennt. "Wir hatten allerdings nur zwei Wochen Zeit für die Übernahme: neuer Kommissar mit neuer Biografie, neues Drehbuch."

Knapp sechs Jahre später ist Kai Scheve aus der Krimireihe nicht mehr wegzudenken. Am 24. Januar zeigt das ZDF sein 13. Abenteuer als Kommissar Robert Winkler. Und das, nachdem der Darsteller zuvor oft als zwielichtiger Verdächtiger eingesetzt worden war. Etwa im "Tatort", in mehreren "SOKO"-Produktionen oder in "Polizeiruf 110". In einem Interview mit dem Mediendienst "teleschau" sagte er dazu einst scherzhaft: "Ich bringe wahrscheinlich etwas kriminelle Energie mit."

Der "Erzgebirgskrimi"-Ermittler flüchtete 1989 in den Westen

Der Schauspieler, der am 11. Februar seinen 60. Geburtstag feiert, kam in Erlabrunn zur Welt, mitten im Erzgebirge, etwa 40 Kilometer südlich von Zwickau. Seine Eltern, ein Lokführer und eine Krankenschwester, zogen 1968 nach Leipzig. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur mit Abitur. Doch schon damals pflegte Kai Scheve seine künstlerische Seite: Er machte eine Chorsänger-Ausbildung am Landestheater Altenburg, um dann ein Schauspielstudium zu beginnen.

Seine Eltern seien "keine große Stütze" gewesen. "Das nehme ich Ihnen nicht übel, sie kamen eben nicht aus einem künstlerischen Umfeld." Sie leben nach wie vor in Leipzig, während ihr Sohn im September 1989 eine der ersten Gelegenheiten nutzte, um sich in den Westen abzusetzen: Über Ungarn flüchtete er und setzte in Frankfurt am Main seine Ausbildung fort.

Schmunzelnd erklärte Scheve im "teleschau"-Interview: "Die Schauspielschule Frankfurt nahm mich vermutlich nur wegen meines sächsischen Dialekts an. Den fand man dort exotisch, wollte ihn aber auch umgehend auslöschen. Ich war ein Versuchskaninchen."

Über das Theater schaffte Kai Scheve den Sprung ins Fernsehen

Nach verschiedenen Theater-Engagements in den frühen 1990ern folgte 1994 die erste große Rolle im Kinofilm "Küss mich!". "Casting. Anruf. Du hast die Rolle", beschrieb er es kurz und knapp im Interview mit dem "Titel Kulturmagazin". Neben weiteren Kino- und TV-Auftritten spielte er von 2004 bis 2007 in 22 Episoden der ZDF-Serie "girl friends - Freundschaft mit Herz".

Ab 2006 pflegte Kai Scheve dann immer wieder sein Image als undurchsichtiger Charakter mit dunklem Geheimnis. Etwa im "Spreewaldkrimi", als er fünf Folgen lang den Hotelier Karsten Hellstein spielte, der unter Mordverdacht gerät und schließlich Selbstmord begeht. Oder im Zweiteiler "Der letzte Patriarch" an der Seite von Mario Adorf. Dort ist er als Sohn der Hauptfigur zu sehen, der sich immer mehr in Widersprüche verstrickt.

Schnee von gestern. Die Rolle des eigentümlichen Kommissars scheint auf Kai Scheve zu passen. "Das eigenbrötlerische, leicht misanthropische Verhalten des Kommissars liegt mir ganz gut. Da gibt es sicher Parallelen zu mir", sagte er 2020 der "teleschau".

Drehen im Erzgebirge: Für Scheve eine Art "Homecoming"

Auch die Drehorte im tiefsten Sachsen haben es Scheve, der aktuell mit Frau und zwei Kindern zwischen Berlin und Potsdam lebt, angetan. Bewusste Erinnerungen an seinen Geburtsort hat er zwar nicht, auch keine Verwandtschaft dort. "Meine Eltern hatte eher das Schicksal ins Erzgebirge verschlagen. Aber der Gegend, in der man geboren wurde, fühlt man sich doch immer verbunden."

Dass der "Erzgebirgskrimi" so eine Anziehungskraft auf die Zuschauer:innen ausübt, erklärt sich Kai Scheve so: "Der Zauber liegt im 'Alleinstellungsmerkmal'." Das Erzgebirge sei seit 2019 UNESCO Welterbe und punkte mit "seinen Mythen und Sagen, der Bergbaugeschichte, den reichgeschmückten Kirchen, der Schnitzkunst, den dunklen Fichtenwäldern." Auch der eigenwillige Humor und Dialekt in dieser gastfreundlichen Region solle nicht unerwähnt bleiben, betonte der Schauspieler in einem Interview mit dem Portal "Berliner Leben".

Das Feedback von Fans zu seiner Rolle sei jedoch durchaus auch kritisch, räumt Scheve in "Der Film Journalist" ein. "Zu düster, zu klischeehaft, zu wenig Dialekt", heiße es immer wieder. Doch davon abgesehen funktioniere die Serie. "Wir sind ein sympathisches Team zur besten Sendezeit."

Kai Scheve privat: "Ein Familienmensch"

Was den Schauspieler von seiner Rolle unterscheidet: Winkler sei eher der Typ "eigensinniger, einsamer Kripobeamter". Er hingegen sei ein "Familienmensch mit Frau und Kindern". Was die Arbeit zu Hause betrifft: "Wir teilen das auf. Ich versuche da zu sein, wenn meine Frau arbeitet, und sie verkürzt, wenn ich etwa im Erzgebirge drehe."

Bei den Dreharbeiten versucht Kai Scheve, so oft wie möglich privat untergebracht zu werden statt in einer eher anonymen Hotelunterkunft. Er genießt es, "auch mal auf der Bank draußen plaudern zu können, oder sogar zu einem herrlichen Stück Kuchen eingeladen zu werden." Und wenn mal längere Drehpause ist, schnappt er sich sein Mountainbike und dreht ein paar Runden in den umliegenden Wäldern. "Man kann ausgedehnte Wanderungen und Radtouren machen, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Ich finde das sehr attraktiv", so Scheve. Da blitzt dann wieder ein größeres Stück Robert Winkler auf.

"Erzgebirgskrimi: Mordholz" läuft am Samstag, 24. Januar um 20:15 Uhr im ZDF. Parallel ist der Krimi im kostenlosen Livestream auf Joyn verfügbar.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.


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