Discounter Deconstructed
Schnäppchen-Riese TEDi: "Galileo" schaut hinter die Kulissen des Billiganbieters
Veröffentlicht:
von Julia WolferGalileo
Hinter den Kulissen von Schnäppchen-Riese TEDi
Videoclip • 18:32 Min • Ab 12
Ein gigantisches Sortiment, extreme Tiefpreise und Milliardenumsätze: "Galileo" zerlegt das Geschäftsmodell des Discounter-Giganten TEDi – und testet, ob die Artikel nur günstig oder auch gut sind.
Hier gibt es nichts, was es nicht gibt - und das zu extremen Preisen: Der Discounter TEDi ist Marktführer im Segment der Billig-Märkte. Im Geschäftsjahr 2024/2025 hat das Unternehmen erstmals in seiner rund 20-jährigen Geschichte einen Bruttoumsatz von über drei Milliarden Euro erzielt - ein Rekordergebnis.
Inzwischen hat der Konzern mehr als 3.600 Filialen in Europa, davon rund 2.000 allein in Deutschland. Doch was ist das Erfolgsgeheimnis des Schnäppchen-Riesen? Dieser Frage geht Reporter Matthias Fiedler für "Galileo: Deconstructed" nach – und unterzieht die Produkte auch gleich einem Preis- und Qualitätstest. Wie kommen die niedrigen Preise zustande – und was taugen die Billig-Artikel wirklich?
Hier gibt es alles und noch mehr
16.000 Artikel umfasst das TEDi-Sortiment - so viele wie bei keinem anderen Discounter. Die Palette reicht von Schreibwaren über Deko- und Saisonartikel bis zu Haushaltswaren und Elektrogeräten. "Mir ist jetzt nichts groß aufgefallen, was es hier nicht gab", sagt Reporter Matthias Fiedler bei einem Rundgang durch die größte deutsche Filiale in Dortmund.
Die Regale sind brechend voll - und genau darin liegt das Kalkül: Die Verführung soll groß sein. Wer eigentlich nur ein paar Putzlappen kaufen will, wird auf dem Weg zur Kasse mit so vielen Produkten konfrontiert, dass der Einkaufskorb am Ende deutlich voller ist als geplant.
Extrem billig - wie geht das?
TEDi verspricht aber nicht nur ein riesiges Sortiment, sondern Waren zu absoluten Tiefstpreisen. Matthias Fiedler greift beim Testeinkauf querbeet zu: Pfanne, Kleiderbügel, Wintermütze, Pinsel-Set, elektrisches Handrührgerät und mehr. Die Preise überraschen den Reporter: vier Euro für die Pfanne, ein Euro für die Mütze, 15 Euro für den Handmixer. Doch wie kann der Discounter solche extremen Preise anbieten?
Antworten darauf bekommt Reporter Matthias Fiedler in der Dortmunder TEDi-Zentrale. Hier entscheidet die Einkaufsabteilung, welche Produkte zu welchem Preis in den Regalen landen. "Da gibt’s verschiedene Faktoren", erklärt Einkäuferin Victoria Baykan. Ein zentraler Punkt seien die großen Abnahmemengen: Wer von einem Produkt eine Million statt nur 100 Stück einkauft, bekommt oft günstigere Einkaufspreise.
Hinzu kommt, dass der Discounter in der Regel direkt bei den Produzenten kauft – Zwischenhändler, die mitverdienen, fallen somit weg. "Und der Sortimentsmix macht es am Ende des Tages auch aus", sagt Baykan.
So dass wir […] sagen können, wir haben 5.000 Artikel im Laden, die einen Euro kosten - oder weniger.
Eingekauft wird in Europa, in der Türkei - zu rund 70 Prozent jedoch auf dem asiatischen Markt.
Der Kampf um den günstigsten Preis
Doch ist TEDi tatsächlich günstiger als die Konkurrenz? Um zu prüfen, wie sich der Marktführer im Wettbewerb schlägt, macht Fiedler den Preisvergleich: Er kauft identische Produkte - darunter einen Regenschirm, Kaubonbons, Textmarker und Alufolie - bei drei verschiedenen Läden: bei TEDi, beim Schnäppchen-Konkurrenten Action und bei einer Warenhauskette.
Das Ergebnis: Die Discounter sind klar günstiger - zwischen TEDi und Action tobt jedoch ein harter Preiskampf. Um jeden Cent wird gerungen. Action, noch vergleichsweise neu am Markt, unterbietet die Preise von bei manchen Produkten – eine Strategie, um Marktanteile zu gewinnen.
Lockangebote ohne Gewinn
Dabei sind die Preise bei TEDi jedoch bereits so günstig, dass sie keinen Gewinn abwerfen. Beispiel: zehn Feuerzeuge zum Preis von zwei Euro, 20 Cent pro Stück. "Da verkauft man praktisch mehr oder weniger zum Einkaufspreis", sagt Joachim Hurth, Professor für Handelsbetriebslehre.
Das heißt, es muss bei anderen Produkten mehr Geld verdient werden. Am Ende ist es eine Mischkalkulation.
Das bedeutet: Die einen Produkte dienen als Lockmittel für die Kund:innen - mit allem, was sie in den Läden sonst noch kaufen, macht der Konzern Gewinn. Oft sind es Deko- und Saison-Artikel, bei denen Kund:innen bereit sind, weniger aufs Geld zu schauen.
TEDi-Produkte im Test
Doch können die Schnäppchen-Artikel auch qualitativ überzeugen? Reporter Matthias macht den Selbsttest. Mit der Vier-Euro-Pfanne brät er ein saftiges Steak, das Handrührgerät muss sich einem zähen Mürbeteig stellen.
Parallel schickt er eine Duschmatte, einen Ball und einen Spielzeug-Dinosaurier an das Bremer Umweltinstitut. Dort sollen die Plastikprodukte auf Phthalate untersucht werden, schädliche Weichmacher, die im Körper wie Hormone wirken.
Wie die Produkte in Matthias' Selbsttest abgeschnitten haben und ob das Bremer Umweltinstitut Schadstoffe in den Artikeln nachweisen konnte, das erfährst du in der "Galileo"-Doku "Hinter den Kulissen von Schnäppchen-Riese TEDi" auf Joyn oder oben im Clip.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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