Wahre Begebenheit
Nach "Tatort: Das Böse in Dir": Wie real ist der Streit um die Grubenflutung?
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von teleschauDer siebte "Tatort" aus Saarbrücken führt Adam Schürk (Daniel Sträßer, l.), Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer), Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) in ein Dorf an der französischen Grenze.
Bild: SR/Manuela Meyer
Die Saarbrücker Kommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen) ermittelte im "Tatort: Das Böse in Dir" in ihrem Heimatdorf: In Hohenweiler stehen sich seit ewigen Zeiten zwei Familien gegenüber. Aktueller Streitpunkt im Krimi war nicht nur ein Mord, sondern auch ein umweltpolitisches Problem.
Einmal pro Jahr zeigt das Erste für gewöhnlich einen neuen "Tatort" vom vierköpfigen Team aus Saarbrücken. Neben dem vordergründig zu klärenden Mordfall ging es dabei bisher vor allem um die Vergangenheit der Kommissare Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) und Adam Schürk (Daniel Sträßer). Im siebten Film "Tatort: Das Böse in Dir" (Regie: Luzie Loose, Buch: Daniela Baumgärtl, Kim Zimmermann) rückte nun ihre Kollegin Esther Baumann in den Fokus.
Worum ging es im "Tatort: Das Böse in Dir"?
In Hohenweiler, Esthers Heimatdorf an der französischen Grenze, wurde ein toter Mann gefunden: Emil Feidt fiel höchstwahrscheinlich einem Racheakt zum Opfer. Denn die im Dorf lebenden Familien Feidt und Louis liegen seit Menschengedenken im Streit miteinander. Vor fünf Jahren starb bereits Emils Tochter Becky. Wenn es nach ihrem Bruder Peter Feidt (Albert Lichtenstern) geht, wurde sie von ihrer besten Freundin Claire Louis umgebracht.
Dass der junge Mann mit dieser Anschuldigung zumindest teilweise recht hatte, wurde erst gegen Ende des 90-Minüters klar: Claire Louis (Carolin Wege) und Becky Feidt waren heimlich liiert. Als Becky die Beziehung beendete, kam es zum Streit mit Claire. Claire schubste Becky, die unglücklich fiel und starb. Claire wollte zur Polizei gehen. Doch der Barbesitzer Clemens Scherf (Fabian Stumm) brachte sie davon ab, um den fragilen Frieden im Dorf zu wahren. Emil Feidt jedoch installierte eines Tages eine Spionage-Software auf Claires Handy und kam so hinter das Geheimnis. Er griff Clemens an, der wehrte sich, und Emil Feidt starb.
Was ist das Problem mit den alten Gruben?
Neben dieser fiktiven Familientragödie schnitt der Krimi ein reales umweltpolitisches Problem an: Emil Feidt hatte zu Lebzeiten gegen die geplante Flutung der stillgelegten Kohlegruben protestiert. Sven Louis (Robert Nickisch), Esthers Bruder, stand als ehemaliger Bergmann auf der anderen Seite. Auch in der Realität ist das Thema bis heute höchst umstritten.
Hinter dem Pilotprojekt verbirgt sich nicht zuletzt ein finanzielles Problem: Seit der schrittweisen Schließung der Kohlegruben in den 1990er-Jahren und 2000er-Jahren sammelt sich dort regelmäßig Regenwasser an. Zum Schutz der Stabilität der bebauten Gebiete muss dieses regelmäßig abgepumpt werden. Das kostet Geld. Die kontrollierte Grubenflutung erscheint manchen daher als eine gute Alternative.
Doch es gibt Bedenken: Das Grubenwasser ist mit toxischen Substanzen durchsetzt. Bei einer Flutung bestünde möglicherweise die Gefahr, dass sich das toxische Wasser mit dem Trinkwasser vermischt. Die Folge waren jahrelange Proteste und politische Auseinandersetzungen.
Wie ist der aktuelle Stand?
Im November 2025 meldete schließlich die "Saarbrücker Zeitung": "Nach langem juristischen Streit ist die Grubenflutung nun rechtskräftig. In wenigen Wochen wird Wasser in ehemaligen Bergwerken im Saarland ansteigen." Die Flutung muss permanent überwacht werden. Spezielle Anlagen sollen das Grubenwasser zudem von Schadstoffen befreien. Durch die Maßnahmen wollen die Verantwortlichen unter anderem die Absenkung der Böden stoppen und das Gelände teilweise sogar wieder anheben. Zwar könne es während der Flutung zu Erschütterungen kommen, nach Abschluss der Aktion sei die Erschütterungsgefahr jedoch gebannt. Eine Trinkwassergefährdung schließen die Gutachten aus, weil das Grubenwasser weiterhin unterhalb der Gesteinsschichten bleibt, aus denen Trinkwasser gewonnen wird.
Die Gegner bleiben skeptisch. Gefahren könnten nie hundertprozentig ausgeschlossen werden. Auch fürchten sie, im Schadensfall keine Entschädigung zu erhalten.
Wie geht es mit dem "Tatort" weiter?
Im "Tatort: Das Böse in Dir" wurden all die Für- und Widerstimmen nur kurz angerissen. Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Thema gab es nicht. Dafür erfuhr das Publikum am Ende des Films von Esthers früherer Liebesbeziehung zu Katja Scherf (Franziska Wulf). Diese hatte sich im "Tatort" zunächst als Ehefrau von Clemens vorgestellt.
Clemens starb am Ende des Krimis. Ob Esther und Katja sich in einem späteren Film wiedersehen werden, bleibt abzuwarten. Es scheint allerdings, als rückten die beiden Ermittlerinnen auch künftig mehr in den Vordergrund: Kommissarin Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) leidet offensichtlich noch immer unter den Ereignissen aus dem sechsten "Tatort: Das Ende der Nacht". In dem im Januar 2025 erstausgestrahlten Krimi wurde Pia Heinrich von einer jungen Frau (Lena Urzendowsky) entführt. Als Geisel sollte sie gegen die zuvor festgenommene Mutter der Geiselnehmerin eingetauscht werden. Bei der Rettung von Pia wurde ihr Kollege Leo Hölzer schwer verletzt. Pia Heinrich erlitt offensichtlich ein Trauma, das sie auch noch im folgenden Film beschäftigen wird. Der achte Saarbrücken-"Tatort" dürfte 2027 im Ersten zu sehen sein.
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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