"Wenn man nur einen retten könnte"

Neue Bremer "Tatort"-Episode sorgt für gemischte Gefühle bei den Fans

Aktualisiert:

von Sylvia Loth

Kommissarin Linda Selb (Luise Wolfram) sieht sich die Leiche der jungen Jurastudentin Annalena Höpken (Annika Gräslund) genauer an.

Bild: Radio Bremen/Magdalena Stengel


"Grottig" oder "geht gar nicht" war zuletzt der Tenor der meisten "Tatort"-Kommentare. Die Bremer Folge "Wenn man nur einen retten könnte" kippte das Stimmungsbarometer jetzt ins Positive. Ein Auftritt wurde jedoch nicht kommentiert.


+++ Update 26. Januar +++

Klare Worte aus dem Netz

Ungewohnt wohlwollend reagierten viele Zuschauer:innen auf den Fall in der Hansestadt. Das ist bemerkenswert. In den vergangenen Wochen wurden fast alle "Tatort"-Folgen überwiegend kritisch kommentiert. Ablehnende Kommentare dominierten die Diskussionen. Dieses Mal fiel der Ton spürbar milder und bisweilen sogar begeistert aus.

Während und nach der Ausstrahlung am Sonntagabend waren statt den üblichen Rundum-Kritikschleifen auf Facebook Kommentare zu lesen wie: "Ich habe nichts zu meckern, im Gegenteil, mir hat der Tatort richtig gut gefallen", "Sehr guter Fall, spannende Story, gut gespielt" oder "Klasse Tatort mit beklemmender Thematik".

Diese Figuren überzeugten

Vor allem Helen Schneider als Gerichtsmedizinerin und Tijan Njie als Ersatzkollege Patrice "Prince" Schipper kamen gut an. Auch der Spannungsbogen der Story gefiel den meisten. Erstaunlicherweise nicht erwähnt wurde der Auftritt von Otis Hagen als Nachtclub-Türsteher. Offensichtlich ging es an vielen Zuschauer:innen vorbei, dass es sich dabei um das Schauspieldebüt des Sohnes der Punk-Legende Nina Hagen handelte.


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Kritik blieb - aber leiser

Nichtsdestotrotz gab es auch diesmal einige Kritiken. Der Ton brachte offensichtlich einige vor dem TV-Bildschirm zur Verzweiflung. Ebenso sorgte das nicht gerade "herzliche" Auftreten der Ermittler:innen und der Tritt gegen den Rollstuhl am Ende der Folge für Unmut. Den hätte man sich sparen können, kommentierten die Krimi-Fans mehrfach.

+++ Ursprüngliche Meldung +++

"Tatort: Wenn man nur einen retten könnte": Darum ging es

Die 23-jährige Jurastudentin Annalena Höpken (Annika Gräslund) wird morgens in der Nähe eines Nachtclubs tot aufgefunden. Offenbar hat jemand die junge Frau die Treppe am Notausgang hinuntergestoßen. Die Kommissarinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram) ermitteln daraufhin im Studentenmilieu. Dabei werden sie von ihrem Kollegen Patrice Schipper (Tijan Njie) vom Kriminaldauerdienst KDD unterstützt. Alle stellen sich die Frage: Wer hatte ein Motiv, die junge Frau zu töten?

Unter Verdacht

Das Opfer hatte nach ersten Recherchen der Kommissarinnen massive Auseinandersetzungen mit ihren Mitbewohner:innen in ihrer Wohngemeinschaft. Auch der Obdachlose Emil Klaßen (Robin Bongarts), der das Handy der Toten bei sich trägt und Linda Selb tätlich angreift, gerät in den Kreis der Verdächtigen.

Verdächtig erscheint auch, dass "Anni" scheinbar Lernprobleme hatte. Wie sich herausstellt, nahm die junge Studentin Aufputschmittel, um den Druck zu kompensieren. Von diesen Ängsten bekam ihre Mutter Gabriele Höpken (Catrin Striebeck) nichts mit. Zwischen Leistungsdruck an der Uni und durchtanzten Nächten im Club begeben sich die Ermittlerinnen auf die Spur des Verbrechens.

Doch auch, wenn die Tote kaum Freunde hatte - wer hasste sie so sehr, dass er ihr nach dem Leben trachtete? Und was hat der Freund ihrer Schwester Betty (Mathilda Smidt), die ebenfalls Geheimnisse vor ihrer Mutter hat, der Nachtclub-Betreiber Mike Hanisch (Niklas Marian Müller), damit zu tun? Schließlich wurde Annalenas Leiche vor seinem Club gefunden …

Kommissarin Selb wird attackiert

Kommissarin Liv Moormann muss erst mal ohne die Unterstützung ihrer Partnerin auskommen, denn Linda Selb liegt im Krankenhaus. Da der Obdachlose Emil Klaßen sie mit einem Stein am Kopf getroffen hat, hat sie eine schwere Gehirnerschütterung. Er steht nach wie vor unter Verdacht, etwas mit dem Mord zu tun zu haben, da Selb ihn am Tatort gesehen hat.

Wie der Zufall es will, kennt Kommissarin Moormann ihn von früher. Die beiden waren auf derselben Schule. Um herauszufinden, ob er etwas am Tatabend gesehen hat oder gar selbst der Täter ist, versucht Moormann, Klaßens Vertrauen zu gewinnen.

Leben mit Leistungsangst

Während der Ermittlungen wird klar, wie unglücklich Annalena gewesen sein muss. Ihr Geld reichte kaum für Miete und Essen. Dem Leistungsdruck hielt sie nur mit Tabletten stand. Und auch im Privatleben fehlte ihr jegliche Stabilität. Ihr Freund, Vermieter und Ex-Verlobter Hannes Butenbeker (Michael Schweisser) hat sie abserviert, als er erfahren hat, wie es finanziell um die Familie Höpken steht. Ihre Familie ist zerrüttet und ihre WG zerstritten. Das Chaos in ihrer Wohngemeinschaft ist geprägt von den unterschiedlichen Charakteren. Hier lebte die ehrgeizige Jurastudentin mit einem verwöhnten Schnöselsohn und einem queeren Lebenskünstler zusammen. Der Druck, allen zu gefallen und Leistung zu bringen, war enorm. Kostete ihr das letztendlich das Leben?

Überbringer schlechter Nachrichten

Liv Moormann und Patrice Schipper (Jasna Fritzi Bauer und Tijan Njie) überbringen Gabriele Höpken (Catrin Striebeck, l.) und ihrer Tochter Betty (Mathilda Smidt, r.) die Nachricht, dass ihre Schwester Annalena (Annika Gräslund) verstorben ist.

Bild: Radio Bremen/Magdalena Stengel


Blick hinter die Kulissen

Gedreht wurde der neue Fall von Liv Moormann und Linda Selb vom 5. März bis zum 3. April 2025 in und um Bremen. In ihrem vierten Fall erhalten sie Unterstützung von Patrice "Prince" Schipper (Tijan Njie) vom Kriminaldauerdienst. Es ist der erste Mordfall für den analytischen Ermittler, der sich schnell in den Fall hineinfuchst.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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