Star ohne Allüren

"Der Bergdoktor": Warum sich Hans Sigl nichts aus Glanz und Glamour macht

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von teleschau

Seit 18 Jahren spielt der Österreicher Hans Sigl den 'Bergdoktor' Dr. Martin Gruber.

Bild: ZDF/Sabine Finger Fotografie


Am Set der beliebten ZDF-Serie gilt Hans Sigl trotz seiner Hauptrolle als echter Teamplayer. Auch sonst hält der Österreicher nicht viel von Glamour und Statussymbolen.


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Hans Sigl (56) hat in 30 Jahren TV-Karriere schon viele Rollen gespielt. Doch mittlerweile ist er fast untrennbar verknüpft mit seiner Rolle als Dr. Martin Gruber in "Der Bergdoktor". Im Jahr 2007 fiel in der Tiroler Idylle rund um Ellmau die erste Klappe. Seit der Ausstrahlung der ersten Folge am 7. Februar 2008 hat sich der Österreicher immer mehr in die Herzen der Zuschauer:innen gespielt. Bis zu fünf Millionen Fans schalten ein, wenn die Arztserie am Donnerstagabend läuft.

Hans Sigls Weg zu einem der beliebtesten Seriendarsteller im deutschen Fernsehen war derweil kein Selbstläufer, sondern ähnlich kurvenreich wie die schmale Straße, die hinauf zum "Gruberhof" führt, dem Domizil von Dr. Martin Gruber und seiner Familie.

Hans Sigl wollte als Kind ein "Bindeglied für alle" sein

Geboren in der Bergstadt Rottenmann, etwa in der Mitte zwischen Salzburg und Graz, musste Sigl früh einen Schicksalsschlag hinnehmen: Seine Eltern trennten sich, als er zehn Jahre alt war. Seinen Vater habe er selten gesehen, erzählte der Österreicher im Dezember 2024 im Podcast "Hotel Matze". Er sei bei der Mutter geblieben, größtenteils hätten sich aber seine Großeltern um ihn gekümmert.

Er habe damals "ein Bindeglied für alle" sein wollen, verriet Hans Sigl weiter. Vielleicht hat ihn das trotz aller Schwere zu dem empathischen Kollegen gemacht, als der er heute am "Bergdoktor"-Set gilt. "Du kannst nichts vor ihm verstecken, auch wenn du es vielleicht manchmal gerne willst. Er schaut darauf, dass das Schiff weiterfährt und dass alles am Laufen bleibt", sagt etwa Ronja Forcher, die in der Serie seine Tochter Lilli Gruber spielt.

Statt als zentrale Figur der Serie einen Sonderstatus zu beanspruchen, ist sich Sigl seiner Verantwortung bewusst. Man habe als Hauptdarsteller eine Verantwortung "einem Team gegenüber, der Situation gegenüber", erklärt der Darsteller. Mit einer kleinen, achtlosen Geste könne man dem Team "den ganzen Tag versauen".

"Das wird nichts", sagte einst sein Schauspiel-Lehrer

Doch bevor er überhaupt ans Schauspielern dachte, hatte Sigl zahlreiche andere Ideen für sein Berufsleben. "Da ich auf dem Land aufgewachsen bin, wollte ich zuerst Bauer werden. Ich habe auch ein paar Semester Englisch und Psychologie studiert, bevor ich zum Theater gekommen bin", erzählte Sigl dem Magazin "Secrets of Success". Auch eine Karriere als Polizist, Lehrer, Anwalt, Therapeut und sogar Operettensänger konnte er sich vorstellen. Dann machte er doch eine Ausbildung zum Schauspieler und Sänger am Tiroler Landestheater in Innsbruck.

Alles klar? Von wegen: Sein Lehrer meinte bald: "Das wird nichts." Zum Glück sah Schauspiellehrerin Gretl Fröhlich sein Talent und nahm sich seiner an. Bald konnte sich Hans Sigl seine ersten kleinen Rollen sichern. Darunter war auch ein Part als Taxifahrer in einer Serie namens "Der Bergdoktor". Damals wurde die Rolle noch von Gerhard Lippert gespielt, und das Format lief in SAT.1.

Es folgte unter anderem eine Rolle in der ARD-Serie "Marienhof". Dort zeigte Sigl von 2000 bis 2002 sein Talent als vielseitiger Mime: Er spielte den serbischen Kriegsverbrecher Bogdan Vogt. Markenzeichen: undurchsichtig, verschlagen, gewaltbereit. Auf die andere Seite wechselte der Österreicher dann 2001: als Ermittler Andreas Blöitz in "SOKO Kitzbühel".

2007 dann die "Heimkehr" an das Set von "Der Bergdoktor"

Dass Hans Sigl etwa zwölf Jahre nach seiner Komparsenrolle wieder in die "Bergdoktor"-Welt eintauchte, "war wie eine Heimkehr", verriet der Schauspieler in einem Gespräch mit "Goldenekamera.de". Zumal Hans Sigl ab sofort der Hauptdarsteller war. Was ihm an der Serie gefällt: Sie gehe auch ein Stück mit der Zeit, erzähle moderne Themen. Das verrät er in einem Interview mit dem Blog "Wilder Kaiser": "Ob das zwei schwule Bergsteiger sind oder eine Transgenderperson, um die sich die Handlung dreht - das sind gesellschaftlich relevante Themen, und das begrüße ich sehr."

Gleichwohl gibt es in "Der Bergdoktor" auch viele Konstanten, die ihm ans Herz gewachsen sind. Etwa der grüne Mercedes W 123, Baujahr 1979. Den fährt Martin Gruber seit der zweiten Folge der Serie und nennt ihn liebevoll "Ranzbimmel". Besonders genieße er es, sich bei den Dreharbeiten kurz ins Innere der Limousine zurückzuziehen, verrät der Darsteller in "Bunte.TV": Darin sei es trotz des Trubels am Set "total still, man hört nur das Ticken der Uhr". Analog, versteht sich. Mit Zifferblatt und Sekundenzeiger. Das sei extrem beruhigend.

Womit der Schauspieler weniger anfangen kann, ist die verbreitete Ansicht, die Serie sei reines Wohlfühl-TV: "Ich laufe seit Jahren dagegen an: 'Der Bergdoktor' ist nicht heile Welt. Es geht um Menschen, die Sehnsüchte haben, die lieben, die hassen, die sterben", bekräftigt Hans Sigl.

Hans Sigl gilt unter seinen Kolleg:innen am Set von "Der Bergdoktor) als empathischer Teamplayer.

Bild: ZDF und Sabine Finger Fotografie


Hans Sigl privat: Abneigung gegen trübe Gewässer und Koriander

Regelrechtes Unbehagen bereitet ihm der Gedanke, in moorigen Seen zu baden. Er mag es nicht, dass er nicht erkennen kann, was seine Füße berührt. "Ich glaube, ich hätte dann vor Piranhas Angst, die mir den Fuß abkauen", verriet er einst lachend in einem RTL-Interview. Jagen kann man ihn offenbar auch mit Koriander: Den verabscheut Hans Sigl, ganz im Gegensatz zu Zartbitterschokolade.

In seiner Freizeit spielt Sigl, der seit 2008 mit der Musikerin und Fotografin Susanne verheiratet ist, gerne Golf, Squash oder Volleyball. Das Paar lebt am Ammersee in Bayern. Aus einer früheren Beziehung hat der Schauspieler einen Sohn. In Metropolen wie Berlin oder München zieht es ihn selten: "Ich bin definitiv kein Städter. Ich brauche die Natur", sagte Hans Sigl vor einem Jahr der "Berliner Morgenpost". Auch Glamour und Schickimicki liegen ihm fern: "Roter Teppich interessiert mich wenig."

"Der Bergdoktor": Es wird auch eine 20. Staffel geben

Während sich die Fans der Serie auf die Folgen der 19. Staffel freuen, geht Hans Sigl mit dem Team nun in die wohlverdiente Pause. Die acht Episoden sind abgedreht. Doch wie er seinen 213.000 Follower:innen auf Instagram verriet: Es gibt definitiv eine Fortsetzung: "Ich bin ein bisschen wehmütig, aber nächstes Jahr geht's wieder weiter", schrieb er kürzlich über den Abschluss der Dreharbeiten. "... und dann sind wir in Staffel 20 - wer hätte das gedacht?"

Neue Folgen von "Der Bergdoktor" laufen ab Donnerstag, dem 8. Januar jeweils um 20:15 Uhr im ZDF. Zeitgleich ist die Serie im kostenlosen Livestream von Joyn verfügbar.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.


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