Kriegsreporter und Podcaster

Paul Ronzheimer: Karriere und Privatleben des Multitalents

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von C3 Newsroom

Von der Front ins Studio: Paul Ronzheimer mischt SAT.1 und ProSieben auf.

Bild: picture alliance/Michael Kappeler


Paul Ronzheimer ist Kriegsreporter, Podcaster und einer der bekanntesten Politikjournalisten Deutschlands. In Sat.1-Reportagen und ProSieben-Wahlshows bringt er seine Erfahrungen von der Front ins TV – und macht Politik in der Primetime plötzlich sehr persönlich.

Wenn du den Namen Paul Ronzheimer hörst, hast du wahrscheinlich sofort Bilder im Kopf: Splitterschutzweste, Helm, Handy in der Hand, irgendwo zwischen Luftalarm und Live-Schalte. Der 1985 in Aurich geborene Journalist hat sich als Kriegsreporter einen Ruf erarbeitet, der weit über Deutschland hinausgeht - von der Ukraine bis in den Nahen Osten.

Gleichzeitig ist er längst mehr als "nur" der Mann für die Front: Er ist stellvertretender Chefredakteur der "Bild", moderiert Talk- und Videoformate, hostet den Podcast "Ronzheimer." und gilt als "markenübergreifendes Gesicht" des Axel-Springer-Konzerns.

Spannend wird’s genau da, wo dieser Reporter-Background auf seine Formate bei SAT.1 und ProSieben trifft. In der Reportage-Reihe "Ronzheimer - wie gehts, Deutschland?" und dem Wahlformat "Bürger-Speed-Dating" holt er politische Debatten aus Talkshow-Studios heraus - direkt zu den Menschen, die sie ausbaden müssen. Doch wer ist dieser Typ, der von Ostfriesland aus losgezogen ist, um Kriege zu dokumentieren, und jetzt zur Primetime über Migration, Rechtsruck und Kanzlerkandidaten zu berichten?



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Vom ostfriesischen Lokalreporter zur TV-Marke bei Sat.1, ProSieben und Joyn

Ronzheimers Weg beginnt ziemlich bodenständig: Ostfriesland, Emder Zeitung, Lokaljournalismus. Nach dem Volontariat bleibt er dort als Redakteur, bevor er 2008 zur Axel-Springer-Akademie wechselt und 2009/2010 als Parlamentskorrespondent der "Bild" in Berlin landet. Das ist der Moment, in dem aus dem Provinzreporter der politische Chronist wird - auf den Fluren des Bundestags, in Hinterzimmern, auf Parteitagen. Ab 2012 zieht es ihn dann konsequent dahin, wo es wirklich brennt: Griechenland-Krise, Ukraine, Libyen, Syrien, Irak, Bergkarabach - quasi einmal über die globale Krisenkarte.

Genau dieser Mix aus Politik-Insider und Front-Reporter macht ihn später so interessant für SAT.1 und ProSieben. Wenn du ihn im Fernsehen siehst, wirkt er nie wie ein klassischer Studiomoderator, sondern eher wie jemand, der gerade aus einem völlig anderen Setting eingeflogen ist: oft müde Augen, oft heiser, aber immer mit dem Anspruch, "dran" zu sein. 2023 adelt ihn Axel Springer offiziell zum "markenübergreifenden journalistischen Gesicht": Ronzheimer tritt fortan nicht nur bei der "Bild" auf, sondern auch in weiteren Formaten des Hauses – und darüber hinaus.

"Ronzheimer - wie gehts, Deutschland?": SAT.1-Reportagen mit Frontlinien-Energie

Seit 2024 ist Paul Ronzheimer mit seiner eigenen Reportage-Reihe "Ronzheimer – wie gehts, Deutschland?" in der Primetime von SAT.1 und bei Joyn zu sehen. Die Idee: Die großen Themen, die er sonst von der Front oder aus den Machtzentren erzählt – Migration, Rechtsruck, Wirtschaftskrisen – holt er in deutsche Städte und Dörfer. Nicht als Fingerzeig von oben, sondern als sehr direkte Bestandsaufnahme: Wie fühlt es sich an, wenn Politik im Alltag ankommt?

Ronzheimer geht dabei selten den bequemen Weg. Er steht bei Demos, sitzt in Wohnzimmern, fährt mit Menschen, die vom Sozialsystem, von hohen Preisen oder von der Angst vor Überforderung betroffen sind. Er stellt unbequeme Fragen, aber er lässt seine Gesprächspartner auch einfach mal reden – egal, ob es um wütende Landwirte, frustrierte Geflüchtete, überlastete Unternehmer:innen oder Aktivist:innen geht. SAT.1 positioniert ihn damit bewusst als Typ, der nicht nur kommentiert, sondern Konfrontation gewohnt ist – aus Kriegsgebieten ebenso wie aus den Berliner Fluren.

Für die Zuschauer:innen fühlt sich "Ronzheimer – wie gehts, Deutschland?" oft weniger nach klassischer Wohlfühl-Reportage an und mehr nach einem Live-Check: Was kippt gerade im Land, und warum? Seine Erfahrung als Kriegsreporter schwingt immer mit – nicht, weil er das ständig betont, sondern weil man spürt, dass ihn Destabilisierung und Eskalation aus anderen Zusammenhängen vertraut sind. Gleichzeitig zeigt die Reihe auch eine private Seite: In seinem Podcast spricht er oft darüber, was die Einsätze mit ihm machen.

Wahlkampf zum Anfassen: "Bürger-Speed-Dating" bei SAT.1 und ProSieben

Ein weiteres Feld, in dem Ronzheimer seine Reporter-DNA ins TV überträgt, ist der Wahlkampf. 2025, am Vorabend der Bundestagswahl, moderiert er bei SAT.1 und ProSieben das Format "Bürger-Speed-Dating" mit drei Kanzlerkandidaten. Der Name klingt erstmal nach Kuppelshow, ist aber im Kern ein politisches Experiment: Statt nur Journalist:innen Fragen stellen zu lassen, sitzen Bürger:innen den Kandidat:innen direkt gegenüber – im schnellen Wechsel, wie bei einem echten Speed-Dating.

Ronzheimer ist derjenige, der die Geschwindigkeit hochhält, nachhakt, einordnet – aber gleichzeitig genug Raum lässt, damit echte Begegnung entsteht. Dass ausgerechnet ein "Bild"-Kriegsreporter und stellvertretender Chefredakteur diesen Abend moderiert, ist kein Zufall. Er bringt die Energie mit, die du aus seinen Live-Schalten kennst: klare, manchmal harte Fragen, wenig Respekt vor Floskeln, aber ein unübersehbares Interesse am Menschen hinter der Funktion. Für ProSieben und SAT.1 ist er damit ein Moderator, der politische Formate aus der klassischen Talkshow-Comfortzone herausholt – hin zu etwas, das sich mehr nach Feldreportage als nach Podiumsdiskussion anfühlt.

Natürlich ist Ronzheimer damit auch eine Figur, an der sich die Geister scheiden. Seine "Handyalarm"-Enthüllungen aus Sondierungsgesprächen, seine sehr direkte Art, Politiker:innen zu konfrontieren – all das macht ihn zum Liebling einiger und zum Reizfigur für andere. Aber genau diese Reibung ist im TV-Kontext interessant: Wenn du ihn in Formaten wie "Ronzheimer – wie gehts, Deutschland?" oder beim "Bürger-Speed-Dating" siehst, verstehst du schnell, dass er versucht, die Härte seiner Kriegsberichterstattung in demokratische Debatten zu übersetzen. Nicht, um Drama zu inszenieren, sondern um sichtbar zu machen, was auf dem Spiel steht – für Deutschland und für all die Menschen, mit denen er jeden Tag spricht.

Heimat, Coming-out, Familie: Das Privatleben von Kriegsreporter Paul Ronzheimer

Paul Ronzheimer befindet sich als Kriegsreporter oft in extremen Ausnahmesituationen. Abseits der Kameras sucht er einen ruhigen Gegenpol. Geboren und aufgewachsen im ostfriesischen Aurich (Ihlow), bezeichnet er die Region bis heute als seine Heimat. In einem konservativen Umfeld war sein Coming-out ein prägender Moment, über den er auch offen in Podcasts spricht. Trotzdem hält er Details über sein Privatleben und aktuelle Partnerschaften bewusst aus der Öffentlichkeit heraus.

Eine zentrale Rolle in seinem Leben nimmt seine Mutter ein, die ihm während gefährlicher Einsätze immer wieder Nachrichten schickt und ihn mahnt, vorsichtig zu sein, wie Paul Ronzheimer in der Vergangenheit bereits mehrfach in Podcasts verriet. Privat genießt er die Weite Ostfrieslands genauso wie das urbane Leben in Berlin-Mitte – und betont, dass er Menschen um sich braucht, die ihm nicht nur Fragen zum Krieg stellen.

2025 wurde er für seinen Podcast "RONZHEIMER." mit dem Bambi in der Kategorie "Kultur - Podcasts" ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt er zudem gemeinsam mit Susanne Koelbl den MVFP Pressefreiheitspreis.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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