Fortsetzung ungewiss

Ohne Ford kein Indy? Die Zukunft der "Indiana Jones"-Reihe

Aktualisiert:

von Antje Wessels

Harrison Ford prägte die Filmgeschichte als Indiana Jones, hier in "Indiana Jones and the Dial of Destiny".

Bild: picture alliance / PictureLux/Jonathan Olley / Luca


Seit Jahrzehnten begeistert die "Indiana Jones"-Reihe Filmfans jeden Alters. Im Zentrum der kultigen Abenteuer: Harrison Ford als gleichnamiger Held mit Schlapphut und Peitsche. Doch mit dem jüngsten Teil "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" hieß es auch: Abschied nehmen von Ford in seiner Paraderolle. Doch würde die Filmserie auch ohne den Hollywoodstar funktionieren?

Die "Indiana Jones"-Reihe verbindet Abenteuer, Humor und Spannung auf einzigartige Weise. Und mittendrin in dieser Erfolgsformel: Harrison Ford, der die klassischen Elemente des Action- und Abenteuerkinos mit seinem charismatischen Schauspiel verbindet. Mit Indiana Jones verkörpert Ford einen Helden, der trotz Mut und Intelligenz Fehler macht und Verletzlichkeit zeigt - und damit menschlich bleibt. Hinzu kommen die fantasievollen Geschichten rund um Archäologie und Mythen, zahlreiche ikonische Actionszenen, die einprägsame Musik von John Williams und natürlich das nostalgische Flair der Dreißiger- bis Sechzigerjahre. Das lieben die Zuschauer:innen bis heute. Und die Filme bleiben scheinbar zeitlos. Doch sind sie das wirklich?

Indiana Jones: Ein reines Nostalgie-Fest?

Der Retro-Faktor der "Indiana Jones"-Reihe speist sich stark aus den Abenteuermotiven und dem Bild des klassischen Leinwandhelden. Vor allem mit den frühen Filmen sind diese Elemente fest verbunden. Bei vielen Zuschauer:innen weckt das bis heute Erinnerungen an eine "goldene Zeit" des Kinos. Gleichzeitig liegt in diesen Elementen aber auch eine gewisse Zeitlosigkeit: das urtypische Abenteuer, der Kampf zwischen Wissen und Macht, Humor gepaart mit Gefahr - natürlich zieht all das heute immer noch. Solange es gut gemacht ist. Die Frage, ob "Indiana Jones" auch ohne eine emotionale Bindung mit den Originalfilmen funktioniert, ist daher gar nicht so leicht zu beantworten.

Die neueren Filme "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" sowie "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" versuchen zwar sichtbar, den Mythos fortzuführen. Setzen dafür aber stark auf Rückbezüge und Selbstzitate. Neue Impulse bleiben - abseits der heute deutlich moderneren Computereffekte - eher aus. Das zeigt einerseits, wie langlebig die Figur Indiana Jones und die Filmreihe insgesamt sind. Andererseits machen sie aber auch deutlich, dass der Reiz der Reihe heute weniger aus kontinuierlicher Erneuerung als aus bewusst gepflegter Nostalgie entsteht.

Harrison Ford: Der einzig wahre Indiana Jones?

Von zentraler Bedeutung für den Erfolg der "Indiana Jones"-Reihe: Harrison Ford. Er verleiht der Figur nicht nur ihr markantes Aussehen. Mit seiner Mischung aus Abenteuerlust, Ironie und Verletzlichkeit hat Ford den Charakter stets zu mehr gemacht als einem banalen Actionhelden. Indiana Jones war immer ein glaubwürdiger "Held wider Willen", der mit Witz, Mut und Improvisation eng mit Fords Präsenz verknüpft ist. Umso trauriger war es für viele Fans, sich in "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" von dem mittlerweile 83-Jährigen (!) verabschieden zu müssen. Jetzt stellt sich die Frage: Lässt sich Ford einfach ersetzen? Formal wäre ein jüngerer Darsteller, vielleicht sogar eine Darstellerin, denkbar. Doch die neueren Filme (und die überschaubare Bekanntheit der TV-Serie rund um Indys Jugendjahre) machen deutlich, dass sich das Interesse vieler Zuschauer:innen weniger auf Indiana Jones als abstrakte Filmfigur bezieht. Stattdessen richtet sich die Liebe für den Charakter auf die konkrete Verkörperung durch Harrison Ford. Würde man eine neue Person besetzen, bestünde die Gefahr, dass der emotionale Kern der Reihe verloren geht. Die Folge: Die Figur würde für das Publikum an Bedeutung einbüßen.

Wie geht es weiter mit Indiana Jones?

Die Identität der "Indiana Jones"-Reihe ist untrennbar mit Harrison Ford verbunden. Anstatt den Helden einfach neu zu besetzen und die Abenteuer endlos fortzuführen, deutet vieles darauf hin, dass die Stärke von "Indiana Jones" im klar umrissenen Gesamtwerk liegt, das aus seiner Zeit heraus entstanden ist. Die jüngsten Filme zeigen, wie schwer es ist, den Mythos zu erneuern, ohne ihn zu entzaubern. Nostalgie und Abschied treten stärker in den Vordergrund als echte Weiterentwicklung. Eine Zukunft der Reihe könnte daher weniger in direkten Fortsetzungen liegen, sondern eher in vorsichtigen Neuinterpretationen des Abenteuer-Genres. Vielleicht auch in eigenständigen Geschichten im Geist von "Indiana Jones", die den Charakter respektvoll ruhen lassen, anstatt ihn künstlich am Leben zu erhalten.

Pläne für eine Fortführung gibt es immer wieder, sind aber bis heute nicht spruchreif. Ein kurzzeitig im Raum stehendes neues Serienprojekt für einen großen Streamingdienst wurde fallen gelassen. Ein möglicher Reboot mit frischem Darsteller steht zwar im Raum, ist bislang aber nur Gegenstand von Gerüchten und Spekulationen.

Ihr wollt euch noch einmal in die zeitlosen Abenteuer von "Indiana Jones" begeben? Dann habt ihr ab sofort auf Joyn die Gelegenheit. Hier sind die ersten vier Filme der Reihe im Streaming verfügbar.


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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