Außenseiter, Favorit:innen und ein neuer Rekord
Oscar-Nominierungen 2026: Wer wird der große Gewinner? Die Prognose einer Filmkritikerin
Aktualisiert:
von Antje WesselsAm 22. Januar wurden die Nominierten bekannt gegeben. Kinokennerin Antje Wessels (l.) ahnt, wer 2026 die größten Chancen auf einen Oscar hat.
Bild: privat; picture alliance / ZUMAPRESS.com | Warner Bros; picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Agata Grzybowska; picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited
Die Academy hat gesprochen und das Rennen um den begehrtesten Filmpreis der Welt ist offiziell eröffnet. Mit den Nominierungen beginnt die entscheidende Phase der Awards-Saison. Die Einschätzung einer Leinwand-Expertin.
Die Spannung hat ein Ende: Soeben hat die Academy in Form der Laudator:innen Danielle Brooks und Lewis Pullman die Oscar-Nominierungen 2026 bekannt gegeben. Ab jetzt geht es nicht mehr um Prognosen und frühe Favorit:innen, sondern um konkrete Aussichten auf den Goldjungen. Für Studios, Filmschaffende und Stars beginnt damit die heiße Phase des Oscar-Rennens, die geprägt ist von Kampagnen, Schlagzeilen und der alles entscheidenden Frage, wer bis zur Verleihung am 16. März das Momentum auf seiner Seite behält.
Beste Hauptdarstellerin: Eine klare Favoritin
In der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin" finden sich dieses Jahr große Ähnlichkeiten unter den einzelnen Rollen. Keine von ihnen setzt auf klassischen Oscar-Glamour. Stattdessen stehen innere Konflikte wie Identitätssuche oder Selbstzweifel im Mittelpunkt. Die Performances sind eher zurückgenommen und ambivalent, anstatt grell und auffällig. Damit spiegelt diese Kategorie auch ein Stück weit wider, wie sehr sich die Vorlieben der Academy in den letzten Jahren verändert haben.
©Focus Features Song Sung Blue (2025)
Bild: Landmark Media
Als klare Favoritin geht für mich Jessie Buckley für "Hamnet" ins Rennen. Ihre Darstellung der Shakespeare-Ehefrau Agnes Hathaway wird getragen von Trauer, Wut und stiller Stärke, womit sie das emotionale Zentrum des Films bildet. Darüber hinaus profitiert sie vom starken Gesamtauftritt von "Hamnet", der für insgesamt acht Oscars nominiert ist.
Für zusätzliche Spannung sorgt die wie aus dem Nichts kommende Kate Hudson mit ihrer überraschend verletzlichen Darbietung in "Song Sung Blue". Gerade weil ich nicht damit gerechnet habe, freue ich mehr sehr über ihre Nominierung.
Renate Reinsve ist als Kritikerliebling im zurückhaltenden Drama "Sentimental Value" ebenfalls sehenswert. Und Rose Byrne hat dank Golden-Globe-Sieg mit der bitterbösen Tragikomödie "If I Had Legs I’d Kick You" an Momentum gewonnen hat.
Emma Stone komplettiert das Feld mit ihrer radikalen, polarisierenden Performance in "Bugonia", die der Academy für den finalen Sieg allerdings deutlich zu sperrig sein dürfte.
Die Nominierungen im Überblick
Bester Hauptdarsteller: Chalamets erster Oscar?
In der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" treffen in diesem Jahr sehr unterschiedliche Schauspielansätze aufeinander. Vom politisch aufgeladenen Thriller über die stille Charakterstudie bis hin zur variantenreichen Doppelrolle ist alles dabei. Auffällig: Fast alle Nominierten tragen "ihre Filme" nahezu im Alleingang. Klassische Oscar-Rollen also, wenn auch mit sehr unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten.
©Sony Pictures Classics Blue Moon (2025).
Bild: Landmark Media
Als Favorit geht wenig überraschend Timothée Chalamet für "Marty Supreme" ins Rennen. Seine frei interpretierte Darstellung des Tischtennis-Profis Marty Reisman - im Film Marty Mauser - verbindet Transformation, Starstatus und eine reale Vorlage. Auf diese Mischung stehen die Academy-Mitglieder.
Sein stärkster Gegner in dieser Kategorie bleibt vorerst Leonardo DiCaprio für "One Battle After Another". Seine innere Zerrissenheit sowie sein Gespür dafür, Tragik und Komik zu verbinden, machen ihn zu Chalamets stärkstem Herausforderer in einem politisch hochrelevanten Film. Für zusätzliche Spannung sorgen zum einen Wagner Moura, der mit "The Secret Agent" dank Golden-Globe-Sieg vom Außenseiter zum ernsthaften Kandidaten geworden ist.
Zum anderen Michael B. Jordan mit seiner technisch wie emotional beeindruckenden Doppelrolle im Vampirhorror "Blood & Sinners". Für mich die größte Überraschung in dieser Kategorie ist Ethan Hawke, dessen leises Drama "Blue Moon" zwar bereits die US-amerikanischen Kritiker:innen begeistern konnte, aber bislang noch ohne großen Awards-Sog ist.
Auch wenn ich nicht sein größter Fan bin, muss ich Chalamet in dieser Kategorie die Daumen drücken - er ist einfach verdammt gut!
Bester Film: So viel Abwechslung wie selten
Auch in diesem Jahr sind die Nominierten in der Königskategorie "Bester Film" thematisch breit aufgestellt. Große Studioproduktionen treffen auf liebevolle Arthouse-Werke und politische Stoffe stehen direkt neben intimen Charakterdramen. Was auffällt: Fast alle Filme verhandeln Fragen von Macht, Identität oder gesellschaftlichem Wandel. Reiner Eskapismus spielt kaum noch eine Rolle. Stattdessen scheint "Kino mit Haltung" wieder verstärkt im Kommen zu sein.
©Warner Bros. Sinners (2025)
Bild: Landmark Media
Als Favorit geht "Hamnet" ins Rennen. Chloé Zhaos Literaturverfilmung verbindet einen historischen Stoff mit zeitloser Emotionalität und hat sich über die gesamte Awards-Saison hinweg als stabilster Kandidat etabliert. Einem Sieg im Weg steht am ehesten noch die Tatsache, dass historische Stoffe statistisch gesehen nicht die besten Chancen auf einen Gewinn haben. Nun liegt es an "Hamnet", dieser Statistik zu trotzen.
Sein stärkster Herausforderer dürfte "One Battle After Another" sein. Paul Thomas Andersons politischer Actionthriller, der sich auf äußerst zugängliche Weise an eine politische Gegenwartsanalyse wagt. Dahinter folgen "Marty Supreme", der aufgrund seines überraschenden Kassenerfolgs aktuell einen enormen Buzz generiert. Außerdem der kühl-intellektuelle Politthriller "The Secret Agent" sowie "Bugonia" als polarisierende Gesellschaftssatire von Oscar-Liebling Yorgos Lanthimos.
Kleinere Filme wie "Sentimental Value" oder "Train Dreams" (Unbedingt anschauen - schon allein für die famose Kameraarbeit!) sowie Genrebeiträge wie "Blood & Sinners" und die Überraschungsnominierung "F1" komplettieren ein Feld, das weniger auf einen klaren Sieger als auf inhaltliche Vielfalt setzt.
Übrigens: Mit insgesamt 16 (!) Nominierungen stellt "Blood & Sinners" einen neuen Rekord auf. So oft war zuvor noch kein Film in einem Jahr nominiert. Ich als Horrorfan drücke dem Film auf jeden Fall beide Daumen und schmunzle immer noch darüber, dass das Brad-Pitt-Vehikel "F1" tatsächlich in dieser Kategorie nominiert ist.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
Immer auf dem neuesten Stand zu den Oscars sein
Mehr entdecken

Alle Augen auf das Fantasydrama
Hollywood-Sensation: Vampir-Drama stellt neuen Oscar-Rekord auf

98. Academy Awards
Oscars 2026: Das sind die Nominierungen in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin"

98. Academy Awards
Oscars 2025: Die Nominierungen in der Kategorie "Bester Film" stehen fest

Zweiter Goldjunge für Leo?
Oscars 2026: Das sind die Nominierungen in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller"

Wer gewinnt bei der 98. Verleihung?
Oscars 2026: Die Nominierungen in der Kategorie "Bester internationaler Film"

98. Academy Awards
Oscars 2026: Das sind die Nominierungen in der Kategorie "Bester Nebendarsteller"

98. Verleihung
Oscar-Nominierungen: Die fünf besten Nebendarstellerinnen 2026

Verpasste Oscar-Chance!
Sylvester Stallone bereut Absage eines Oscar-nominierten Films

Karten neu gemischt
Nach den Golden Globes: Wer im Oscar-Rennen jetzt vorne liegt!
