"Backstage"-Doku am 4. Januar
Hinter den Kulissen: So entsteht "Aktenzeichen XY ... Ungelöst"
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von teleschauSo sieht es im Studio der Livesendungen von "Aktenzeichen XY ... Ungelöst" aus Sicht der Kameraleute aus.
Bild: ZDF und Daniel Ritter
Seit 1967 fesselt das True-Crime-Format im ZDF die Fernseh-Zuschauer:innen. Doch wie entstehen die nachgestellten Verbrechensszenen eigentlich? Die Dokumentation "Backstage: Aktenzeichen XY ... Ungelöst - Spurensuche hinter den Kulissen" wirft einen Blick auf die Produktion.
Das "Aktenzeichen XY"-Special am 4. Januar um 19:10 Uhr im ZDF
"Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen. Das, meine Damen und Herren, ist der Sinn unserer neuen Sendereihe: Mit diesen Worten begrüßte Eduard Zimmermann das TV-Publikum am 20. Oktober 1967. "Ihr Anruf kann dazu führen, dass noch heute Nacht ein lange gesuchter Verbrecher festgenommen wird", erklärte der Moderator und Erfinder von "Aktenzeichen XY ... Ungelöst" in der ersten Sendung.
620 Folgen später ist das Format aus der deutschen Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. "'Aktenzeichen' ist die Mutter aller True-Crime-Sendungen. Wenn es die Sendung nicht gäbe, müsste man sie erfinden", ist der aktuelle Moderator Rudi Cerne überzeugt. Immerhin werden fast 40 Prozent der vorgestellten Fälle am Ende doch noch gelöst. Grund genug für das ZDF, in einer 30-minütigen Doku die Sendung einmal näher zu beleuchten: Am 4. Januar wird "Backstage: Aktenzeichen XY ... Ungelöst - Spurensuche hinter den Kulissen" ausgestrahlt.
"Aktenzeichen XY ... Ungelöst": Sieben Monate vor Ausstrahlung fällt der Startschuss
Das True-Crime-Format zeigt bisher ungelöste Fälle aus den Kategorien Mord, Sexualdelikte, Raub oder schwerer Betrug. Fälle, bei denen die Polizei nicht weiterkommt. Die Sendung sei "für uns Ermittler sozusagen ein gefundenes Fressen", erklärt der Frankfurter Kriminaloberkommissar Deniz Özer in der Doku. "Letztlich bleibt nur die Öffentlichkeit, die uns helfen kann, wenn wir keine anderen Mittel mehr haben." Moderator Rudi Cerne fügt hinzu: "Es geht darum, Menschen zu erreichen, die bislang, aus welcher Loyalität auch immer, noch nicht über den Täter gesprochen haben."
Wichtig ist dabei, die behandelten Verbrechen in der Live-Sendung so detailgetreu wie möglich darzustellen. Daher beginnt das Produktionsteam bereits sieben Monate vor Ausstrahlung mit den Vorarbeiten. Zuständig für die ersten Kontakte zur Polizei ist die "Deutsche Kriminal-Fachredaktion". Deren stellvertretende Redaktionsleiterin Angela Nachtigall erklärt: "Wir 'XY'-Redakteure setzen uns hin, schreiben Drehbücher, sprechen das alles mit der Polizei ab." Es kämen generell viele Anfragen von Polizeidienststellen, "die uns ungeklärte Fälle anbieten und sagen: 'XY' ist der letzte Strohhalm'."
Spannende Herausforderung: Die richtige Kleidung zusammenstellen
Nächster Schritt: Filmausstattung. Teilweise werden bei "Aktenzeichen" ungelöste Fälle gezeigt, die mehr als 30 Jahre zurückliegen. Auch diese "Cold Cases" müssen vom Team der "Securitel Film- und Fernsehproduktion" realitätsnah dargestellt werden. Bei Produktionsleiterin Jacqueline Wenisch laufen knapp fünf Monate vor Ausstrahlung alle Fäden zusammen: Passen Budget und Darsteller:innen zum Drehbuch? Und vor allem: Bilden die Outfits das Verbrechen korrekt ab?
Anhand der Originalbilder der Polizei erstellt Kostümbildnerin Nicole Dannecker möglichst realitätsnahe Kleidung. Bei einem Fall aus den 1990er-Jahren gar nicht so einfach. Auch Einzelheiten wie etwa die Haarlänge des darzustellenden Opfers sind wichtig - der jeweilige Schauspieler darf gegebenenfalls bis zum Dreh nicht mehr zum Friseur. Als Beispiel wird der Fall des 1990 in Ulm ermordeten Rafael Blumenstock gezeigt, der zur Tatzeit lange Haare trug.
Noch mehr spannende True-Crime-Fälle
Der Dreh: Mischung aus Detailtreue und Behutsamkeit
Eine besondere Herausforderung sind die eigentlichen Dreharbeiten zirka vier Monate vor der Live-Sendung. Die Regisseurin Felicitas Darschin erklärt: "Detailgetreu zu arbeiten, ist immer ein wichtiger Punkt." Gleichzeitig gebe es das heikle Thema, dass psychische und physische Gewalt im Spiel sei. Da müssten alle Beteiligten "auch im Bereich der Intimität behutsam miteinander umgehen", so Darschin.
Da es besonders bei Körperverletzung und Mord am Set sehr robust zugeht, ist auch ein Stunt-Experte dabei. Schließlich müssen auch solche Momente möglichst realitätsnah in Szene gesetzt werden. Da müssten die Schauspieler:innen geschützt und geschont werden, "damit sie sich wirklich auf ihr Spiel konzentrieren können", so Stunt-Koordinator Mac Steinmeier. Er gesteht derweil, dass ihm die Drehbücher "schon sehr nahe gehen". Die Fälle seien "teilweise grauenhaft". Es handelt sich ja um Verbrechen, die wirklich passiert sind.
Der Mord an Rafael Blumenstock fand beispielsweise an einem öffentlichen Platz statt. Die Szene wurde in München in einer belebten Straße nachgestellt, das Opfer stieß am Set mehrere laute Schreie aus. Die nachgestellte Brutalität mache einem schon zu schaffen, räumt Regisseurin Felicitas Darschin ein. Auch deshalb, "weil zum Teil die Angehörigen noch leben".
Die Täter werden im Übrigen immer nur ansatzweise, etwa von der Seite oder im Schatten, gezeigt. Schließlich seien sie ja unbekannt, so Darschin. Zudem soll so verhindert werden, dass einer der Schauspieler fälschlicherweise unter Tatverdacht gerät.
Die nächste reguläre Folge "Aktenzeichen XY ... Ungelöst" läuft am 21. Januar 2025 um 20:15 Uhr
Moderator Rudi Cerne: vom "Joke" zum "absoluten Glücksfall"
Nachdem Schöpfer Eduard Zimmermann 300 Folgen lang durch die Sendung geführt hatte, war es schließlich Rudi Cerne, der die Moderation ab 2002 übernahm. "Ich dachte, das ist jetzt ein Joke", sagt der Sportjournalist in der Doku zu dem Moment, als er in einem Anruf vom ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke den Posten angeboten bekam.
Begeistert war er zunächst nicht. "Die Sendung stand unter Beobachtung, die Quoten waren rückläufig", erinnert er sich. Vorgeschlagen hatte ihn übrigens Eduard Zimmermann selbst. Cerne: "Er sagte zu mir: Ich glaube, Sie haben eine unaufgeregte und angenehme Art, mit diesen haarsträubenden Kriminalfällen umzugehen."
Zimmermann sollte Recht behalten. "Rudi Cerne ist ein absoluter Glücksfall für die Sendung", lobt Ina-Maria Reize-Wildemann, Redaktionsleiterin der Deutschen Kriminal-Fachredaktion. Sie stellt seine "Professionalität, Akribie und Empathie" heraus. Die Sendung funktioniere mit Rudi Cerne besser denn je. Vielleicht ja auch, weil Cerne weiß, wie es ist, interviewt zu werden. Die ermittelnden Beamt:innen, ungeübt mit TV-Kameras, begleitet er sehr feinfühlig. "Die wissen ja auch: Da gucken Millionen Menschen zu", weiß der Moderator. Bei seinem ersten TV-Interview im "Aktuellen Sportstudio", damals noch als erfolgreicher Eiskunstläufer, sei er vor Aufregung "halb besinnungslos" gewesen. Deshalb verstehe er die Aufregung seiner Gäste.
"Backstage: Aktenzeichen XY ... Ungelöst - Spurensuche hinter den Kulissen": am 4. Januar im ZDF
Was sich in den letzten Minuten vor der Show abspielt und an welchen Fall Rudi Cerne heute noch mit Schaudern zurückdenkt, erfährst du am Sonntag, 4. November, um 19:10 Uhr im ZDF. Zeitgleich ist die Doku im kostenlosen Livestream auf Joyn verfügbar.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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